Weltkirchenrat will Dialog zum Ukraine-Krieg

Ukraine Flagge in Weltkarte

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"Wir wollen Kirchenvertreter aus Russland, der Ukraine und den Ländern der Region an den Tisch bringen", sagte der ÖRK-Direktor Peter Prove.

Ökumene-Treffen
Weltkirchenrat will Dialog zum Ukraine-Krieg
Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) möchte ein Gesprächsforum im Ukraine-Krieg bieten. Der Konflikt werde Hauptthema bei der Vollversammlung in Karlsruhe sein. Man stehe in Kontakt mit dem Moskauer Patriarchat.

"Der ÖRK kann eine Plattform für den Dialog bieten", sagte der ÖRK-Direktor für Internationale Angelegenheiten, Peter Prove, dem Evangelischen Pressedienst. "Wir wollen Kirchenvertreter aus Russland, der Ukraine und den Ländern der Region an den Tisch bringen." Er bezeichnete die Rechtfertigung des russischen Angriffskrieges durch den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill als "sehr beunruhigend und sehr alarmierend für viele in unserer Gemeinschaft".

Der amtierende Generalsekretär Ioan Sauca, andere Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen und er selbst stünden in Kontakt mit Kyrill und Vertretern des Moskauer Patriarchats sagte der australische Anwalt. Kyrill hatte die Rolle des ÖRK als Forum für einen solchen Dialog in einem Brief an den amtierenden Generalsekretär Sauca anerkannt.

In dem Brief hatte der Patriarch jedoch auch den Westen und das Militärbündnis Nato für die Ursachen des Krieges in der Ukraine verantwortlich gemacht. Die russisch-orthodoxe Kirche ist das größte der 352 Einzelmitglieder des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Die Unterstützung des russischen Präsidenten Wladimir Putin durch Kyrill führe zu Spannungen innerhalb des Moskauer Patriarchats, sagte Prove. Er wies darauf hin, dass die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats eine ganz andere Position zu dem Konflikt eingenommen habe als Patriarch Kyrill.

Der Krieg in der Ukraine werde das Hauptthema der ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe vom 31. August bis 8. September sein. "Ob dieser schreckliche Krieg dann weitergeht oder nicht, wird natürlich ein großes Thema in Karlsruhe sein", sagte Prove. Er fügte hinzu, dass der Konflikt auch auf lange Sicht seine Schatten vorauswerfe.

Auf die Frage, ob der ÖRK die russisch-orthodoxe Kirche aufgrund der Haltung des Patriarchen als Mitglied ausschließen oder die Mitgliedschaft suspendieren könne, erklärte Prove: "Nur der ÖRK-Zentralausschuss kann so etwas unter ganz bestimmten Bedingungen beschließen. Wenn die theologischen Positionen einer Mitgliedskirche nicht mit der fundamentalen theologischen Grundlage für die ÖRK-Mitgliedschaft vereinbar sind, dann liegt ein solcher Fall vor".

Der Direktor für internationale Angelegenheiten zog Parallelen zu den Diskussionen über die Haltung der Niederländischen Reformierten Kirche in Südafrika, die das rassistische Apartheidregime offen unterstützt hatte. Diese Kirche sei mit ihrem selbst auferlegten Rückzug in den 1960er Jahren dem Handeln des ÖRK zuvorgekommen. "Später änderte die Niederländische Reformierte Kirche jedoch ihre Haltung zur Apartheid und wurde wieder in die Gemeinschaft aufgenommen", sagte Prove.

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