Kirchengemeinde unterstützt Essensausgabe

Menschen erhalten warmes Essen im Gemeindecafé

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Zusammen entwickelten die Partnergemeinden den Plan, ein Café anzumieten und dort warmes Essen anzubieten.

Partnerschaft mit Ukraine
Kirchengemeinde unterstützt Essensausgabe
Die Hilfsbereitschaft für die Menschen in der Ukraine ist groß. Die Kirchengemeinde im mittelfränkischen Lauf an der Pegnitz hat einen ganz direkten Draht zu einem Tafelprojekt in der Universitätsstadt Winnyzja.

Der evangelische Pfarrer Jan-Peter Hanstein im fränkischen Lauf an der Pegnitz hat am Sonntag im Gottesdienst keine eigene Predigt gehalten. Er trug die Predigt von Larissa Kostenka vor, der evangelisch-lutherischen Diakonin in der ukrainischen Großstadt Winnyzja. Von einem Tag auf den anderen hätten die Menschen in ihrem Land die Stabilität verloren. "Niemand kann einem anderen ein Morgen versprechen", so die Geistliche, "seit dem Sündenfall wissen wir Christen, dass Heute die einzige Zeit ist, die uns zur Verfügung steht".

Hanstein kennt Larissa Kostenka aus einem früheren Partnerschaftsaustausch und ist seit Kriegsbeginn ständig mit ihr in Kontakt. Zu Beginn des Kriegs hat er ihr per Facebook geschrieben und seine Nachricht mit einem Dolmetscher-Programm übersetzt, erzählt er. So habe er von ihren Sorgen und Ängsten erfahren, von ihrem Mann, der im Süden bei der Küstenwache Offizier ist, von den Töchtern, der Schwägerin und den Enkelkindern, die inzwischen nach Deutschland gegangen sind.

Larissa Kostenka, die in der lutherischen Kirche in der Ukraine als Frau nicht zur Pfarrerin ordiniert wird, ist bei der Gemeinde und bei ihrer pflegebedürftigen Mutter geblieben. Winnyzja ist eine 350.000 Einwohner zählende Universitätsstadt, die sehr zentral in der Ukraine liegt. Daher kommen hier Binnen-Flüchtlinge aus dem Osten und Süden des Landes an.

Diese Geflüchteten wollte die Seelsorgerin ebenso versorgen wie die bedürftigen und behinderten Menschen aus dem Stadtteil, die geblieben sind. Zusammen mit Hanstein entwickelte sie den Plan, ein Café in der Nähe anzumieten, den Pächter als Koch und Projektleiter einzustellen und warmes Essen anzubieten.

Erfahrung von 2015

Finanziert wird das Projekt hauptsächlich mit Spendengeldern aus der Kirchengemeinde Lauf. 4440 Euro Spenden gingen in wenigen Tagen ein, nochmal 1500 Euro aus dem Topf des ökumenischen Sonntagsfrühstücks und eine Anschubfinanzierung der Landeskirche ergaben 6600 Euro. Damit können einen Monat lang jeden Tag 50 Menschen versorgt werden, berichtet Hanstein, manche von ihnen bekommen die Mahlzeiten nach Hause geliefert.

Diakonin Larissa Kostenka hat das Leid der Menschen in Winnyzja täglich vor Augen.

Hanstein erzählt, dass er mit solchen Aktionen schon 2015 Erfahrungen gemacht hat, als 100.000 Syrer nach Europa kamen und seine Kirchengemeinde damals eine Suppenküche in Serbien unterstützte. In Serbien herrschte damals allerdings kein Krieg wie jetzt in der Ukraine. Neun Tote hat es nach Hansteins Informationen bei einem Angriff auf den internationalen Flughafen von Winnyzja gegeben. Aber die Stadt selbst sei bisher von Bomben verschont geblieben.

Kontakt übers Internet

Täglich posten die Laufer auf einer Homepage Bilder aus dem Partnerschaftsprojekt, so dass die Gemeinde mitverfolgen kann, wie ihr Geld verwendet wird und wie es den Menschen in der ukrainischen Gemeinde geht. Larissa Kostenka schickt Videoclips, in denen unter anderem die Dolmetscherin Nadesha berichtet: "Jetzt stehe ich in der Speisehalle, wo wir dank Ihnen, liebe Deutsche, die Flüchtlinge und bedürftigen Menschen bewirten und ihnen schmackhaftes Essen anbieten".

Die Gemeinde in Lauf kann mitverfolgen, was bei den Partnern im Projekt passiert. "So sind wir auf Augenhöhe", meint der Pfarrer in Franken, der an diesem Abend auch einen Instagram-Kanal einrichten und wieder etwas zur Aktion auf Facebook schreiben will. Er ist persönlich froh, dass seine Gemeinde die konkrete Hilfe leisten kann. So habe er seinen Zorn und seine Traurigkeit über den Krieg "umformen" können, sagt er.

Denn wie so viele Deutsche hat auch er noch nie so nah einen Krieg miterlebt. Die Kollegin in der Ukraine wiederum, die eine gebürtige Russin ist, sei durch die Arbeit für die Essenstafel regelrecht aufgeblüht, erzählt er. Jeden Tag halte sie in dem Café eine Andacht. "Ich weiß nicht, ob ich mich das trauen würde", sagt Hanstein.

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