Die in der vergangenen Woche vorgelegte neue ökumenische Friedenschrift unterscheidet sich von der Friedens-Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 2025. Die EKD-Denkschrift ("Welt in Unordnung") betone zwar das Primat der Gewaltfreiheit, hält aber militärische Gegengewalt als "letztes Mittel" zum Schutz vor Gewalt für möglich.
Mit ihrem ökumenischen Werk wollen die Vertreter aus der christlichen Friedensbewegung eine grundlegende Neuordnung der Sicherheitspolitik anmahnen. Auf Anfrage von evangelisch.de in Bezug auf die andere Sichtweise der Autoren, erklärte eine EKD-Sprecherin: "Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat frühere friedensethische Grundsätze grundsätzlich herausgefordert. Deshalb wurde die Friedensdenkschrift 2025 im Auftrag des Rates der EKD erarbeitet.... Sie möchte Impulse für die Diskussion um eine angemessene christliche Friedensethik in einer sich verändernden Welt geben."
Die Bibel liefert die Grundüberzeugung
Die EKD halte weiter ausdrücklich an ihren biblisch begründeten friedensethischen Grundüberzeugungen fest: am Primat der Gewaltfreiheit und am Leitbild des Gerechten Friedens, heißt es weiter: "Auch Ihre Hinweise auf die Worte Jesu, insbesondere auf die Feindesliebe und die Gewaltlosigkeit der Bergpredigt, nehmen wir ernst. Die Spannung zwischen Jesu Ruf zur Feindesliebe und der Verantwortung zum Schutz Bedrohter gehört seit den Anfängen des Christentums zu den schwierigsten Fragen christlicher Ethik."
Laut EKD Erklärung versuche die eigene Denkschrift sowohl die christliche Friedensbotschaft als auch die Realität von Gewalt und Bedrohung ernst zu nehmen. Sie berücksichtige unterschiedliche Positionen innerhalb der evangelischen Kirche – von pazifistischen Überzeugungen bis hin zu der Auffassung, dass militärische Gewalt als äußerstes Mittel ethisch vertretbar sein kann, wenn alle gewaltfreien Mittel ausgeschöpft seien.
"Auch dort, wo die Denkschrift die Realität nuklearer Abschreckung beschreibt, versteht sie dies nicht als ethische Zustimmung zu Atomwaffen. Vielmehr benennt sie die gegenwärtige sicherheitspolitische Lage, ohne das Ziel weltweiter nuklearer Abrüstung aufzugeben."
Die Autoren der neuen Friedensschrift fordern ein kategorisches Nein zum Besitz von Atomwaffen und mahnen den Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag an. "In Fragen von Verteidigungsfähigkeit, Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung gibt es innerhalb der EKD und so auch innerhalb der verschiedenen Strömungen der Friedensbewegung unterschiedliche Bewertungen, die weiterhin diskutiert werden. Die Denkschrift versteht sich dabei als Ausdruck einer schwierigen ethischen Dilemmasituation: Keine Waffe schafft Frieden. Zugleich erleben wir, dass angegriffene Menschen sich verteidigen können müssen." So heißt es abschließend in der Stellungnahme.



