Debatte um 3G-Regel im Gottesdienst

Ein Plakat, was auf die 3G-Regel verweist

© Bihlmayer Fotografie/iStockphoto

Kirche und Corona
Debatte um 3G-Regel im Gottesdienst
Soll die 3G-Regel auch für Gottesdienste gelten? Einige Kirchenvertreter wollen keine Menschen ausgrenzen, die sich nicht impfen lassen dürfen oder kein Geld für Tests übrig haben. Andere warnen, die Kirche solle Impfbemühungen nicht unterlaufen.

In der evangelischen Kirche wird darüber diskutiert, ob weiterhin auch ungeimpfte und ungetestete Menschen in die Gottesdienste dürfen. Die Konföderation der evangelischen Kirchen in Niedersachsen empfehle ihren Gemeinden, auf die 3G-Regel zu verzichten, sagte deren Bevollmächtigte, Kerstin Gäfgen-Track, am Mittwoch in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der scheidende theologische Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach, sprach sich gegenüber dem epd für die 3G-Regel aus: "Wir sollten die gesellschaftlichen Impfbemühungen nicht unterlaufen."

Gäfgen-Track sagte: "Wenn Christus uns die Aufgabe gibt, allen Menschen seine gute Botschaft zu vermitteln, und Menschen nach diesem Zuspruch und dieser Hoffnung suchen, sollten wir keine vermeidbaren Hürden aufbauen." Auch Bremens leitender evangelischer Theologe Bernd Kuschnerus ist dagegen, in Gottesdiensten zukünftig nur gegen das Coronavirus Getestete sowie Geimpfte und Genesene als Besucher zuzulassen.

Die beiden norddeutschen Kirchenvertreter unterstrichen, dass es Menschen gebe, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen ließen oder sich kostenpflichtige Tests nicht leisten könnten. Die Erfahrungen zeigten, dass in den Gottesdiensten die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten würden. Außerdem seien religiöse Veranstaltungen durch die Corona-Verordnung von der verpflichtenden Anwendung der 3G- oder 2G-Regelung ausgenommen. Gleichzeitig werbe die Kirche intensiv für die Impfungen.

Impfgegner schlössen sich selbst aus

Der evangelische Theologe Gundlach plädierte dafür, in Gottesdiensten zukünftig nur gegen das Coronavirus Geimpfte sowie Genesene und negativ Getestete als Besucherinnen und Besucher zuzulassen. "Ich wäre sehr dafür, dass wir mindestens 3G machen. Mit Blick auf Konzerte und Veranstaltungen wird das auch so sein. Bei den Gottesdiensten ist die Diskussion etwas diffiziler", sagte er.

Gundlach erklärte weiter: "Die Kirche sollte nicht zum Hort von Impfskeptikern werden, weil wir denken, dass ein Gottesdienst in jedem Fall zugänglich sein sollte." Diejenigen, die sich aus wenig überzeugenden Gründen nicht impfen ließen, schlössen sich selbst aus. "Es ist nicht die Kirche, die jemanden ausschließt." Allerdings liege die Entscheidung dazu bei den 20 evangelischen Landeskirchen, sagte Gundlach, der seit Dezember 2010 die Hauptabteilung "Kirchliche Handlungsfelder" im EKD-Kirchenamt leitet.

Kuschnerus sagte, für Gottesdienste aus rein politischen Gründen die 3G-Regel anzuwenden, auch wenn man sie im Grundsatz begrüße, "halte ich für sehr problematisch". Für den Besuch eines Gottesdienstes gelten weiterhin die gewohnten Hygienekonzepte mit Abstand, Maske, Lüften und Desinfizieren von Händen und Oberflächen.

In der Pandemie werden Kirchengemeinden seitens der Bundes- und Länderregierungen nicht als Pandemietreiber angesehen. Im kulturellen Bereich wird mittlerweile vielerorts das 2G-Modell angewendet, wonach nur Genesene und Geimpfte Veranstaltungen besuchen können. In der Gastronomie gilt überwiegend die 3G-Regel, dort dürfen sich auch negativ auf das Coronavirus Getestete in Innenräumen aufhalten.

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