Neonazi in jüdischem Grab beigesetzt

Foto der Grabstelle auf dem Friedhof Berlin Stahnsdorf, Kränze mit faschistischer Aufschrift an dem Grab von Max Friedländer

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Die Grabstelle auf dem Friedhof Berlin Stahnsdorf, Kränze mit faschistischer Aufschrift an dem Grab von Max Friedländer, der jüdische Musikwissenschaftler der 1934 hier beerdigt wurde.

Anzeige wegen Volksverhetzung
Neonazi in jüdischem Grab beigesetzt
Auf dem größten evangelischen Friedhof Deutschlands wird ein Neonazi im Grab eines jüdischen Wissenschaftlers bestattet. Der Fall sorgt für Entsetzen: Der Berliner Antisemitismusbeauftragte erstattet Anzeige, der Bischof unterbricht seinen Urlaub.

Die Beisetzung eines Neonazis im Grab eines jüdischen Musikwissenschaftlers auf dem evangelischen Südwestkirchhof in Stahnsdorf bei Berlin sorgt für Empörung. Der Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn habe Strafanzeige wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe, der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und der Volksverhetzung erstattet, teilte die Senatsverwaltung für Justiz am Dienstag mit.

"Die Absicht liegt hier auf der Hand, dass Rechtsextremisten bewusst ein jüdisches Grab gewählt haben, um durch die Beisetzung eines Holocaustleugners die Totenruhe zu stören", erklärte Salzborn. Das "gesamte Friedhofsetting mit verurteilten Holocaustleugnern bei der Beisetzung" verlange nach einer strafrechtlichen Überprüfung. Er habe deshalb Anzeige bei der Polizei in Brandenburg erstattet.

Mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) sei er zudem "im konstruktiven Austausch", welche Konsequenzen der Vorfall haben soll, betonte Salzborn. Es müsse geprüft werden, ob und gegebenenfalls wie schnell der Holocaustleugner umgebettet werden könne, um das würdige Andenken an den Musikwissenschaftler Max Friedlaender nicht länger zu stören. Der evangelische Bischof Christian Stäblein unterbrach nach Angaben der Landeskirche wegen des Falls seinen Urlaub.

"Die Bestattung eines Holocaust-Leugners auf der Grabstätte von Max Friedlaender ist ein schrecklicher Fehler und ein erschütternder Vorgang angesichts unserer Geschichte", erklärte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: "Wir müssen umgehend schauen, ob und was wir rückgängig machen können."

Der Antisemitismusbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Christian Staffa, sagte, jetzt komme es darauf an, die Urne von dem Grab zu entfernen und umzubetten, den Pachtvertrag rückgängig zu machen und für die Zukunft, Kriterien zu entwickeln, wer auf kirchlichen Friedhöfen beerdigt werden darf. "Nazis und Holocaustleugner sollten davon ausgeschlossen sein, wenn sie nicht vor ihrem Tod Umkehr signalisiert haben", sagte Staffa.

Der 1909 eröffnete Südwestkirchhof gehört zur evangelischen Landeskirche, deren Bischof Stäblein seit rund zwei Jahren ist. Dort wurde am vergangenen Freitag der Neonazi Henry Hafenmayer aus Nordrhein-Westfalen beigesetzt. An der Trauerfeier nahmen zahlreiche Rechtsextremisten teil, darunter der wegen Volksverhetzung lange inhaftierte Antisemit Horst Mahler.

Der mehr als 200 Hektar große Südwestkirchhof in Stahnsdorf ist Deutschlands größter evangelischer Friedhof. Er liegt südlich von Berlin in Brandenburg zwischen Potsdam und Teltow, gehört jedoch kirchenrechtlich zu Berlin. Der Neonazi Henry Hafenmayer war dort am Freitag beigesetzt worden.

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