Festakt zu 200 Jahren Kirchenunion in Baden

Original der Unionsurkunde

© epd-bild/Landesarchiv Baden-Württemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe

Das Original der "Unionsurkunde" wird im Landesarchiv Karlsruhe aufbewahrt und ist dort in einer Sonderausstellung zu sehen.

Festakt zu 200 Jahren Kirchenunion in Baden
Zusammenhalt und Gemeinsamkeiten im Glauben suchen: 1821 wurde aus Reformierten und Lutheranern im Herzogtum Baden eine "Unionskirche" gebildet. Mit einem Festakt am 2. Juli feiert die Evangelische Landeskirche in Baden ihr 200-jähriges Bestehen.

Am Ende wurde es noch einmal spannend: Eine Woche lang hatten Vertreter von Lutheranern und Reformierten im Juli 1821 hinter verschlossenen Türen getagt, um eine Regelung für einen Zusammenschluss beider Kirchen zu formulieren, also eine Union. Am Ende sollte "die höchste Hürde", nämlich die Vereinbarung über das Abendmahl, von der gemeinsamen Synode beider Kirchen verabschiedet werden, erläutert der landeskirchliche Beauftragte für das Jubiläumsjahr, Hans-Georg Ulrichs.

Der Präsident der Generalsynode, Staatsminister Carl Christian Freiherr von Berckheim, betonte am 10. Juli 1821 ausdrücklich, dass über diese "Sache des Glaubens und Gewissens" nicht abgestimmt werden sollte. Bedenken könnten aber freimütig geäußert werden. Doch dies war letztlich nicht der Fall - vielmehr trat eine etwa fünfminütige feierliche Stille ein, erklärt der Theologe. Damit signalisierten die Teilnehmer teils "mit Tränen in den Augen" ihre Zustimmung.

Abendmahlsfrage als Knackpunkt

Gelungen sei der Zusammenschluss nur, weil beide Seiten ihre eigenen Glaubensüberzeugungen nicht absolut gesetzt hätten. Statt auf Unterschieden zu beharren, hätten sie Gemeinsamkeit in der Sache gesucht. Darauf kommt es nach Ansicht des Theologen auch noch heute - nach 200 Jahren - an. Damals wie heute sei die Sache wichtig, "nicht unsere Anschauungen". Es gehe darum, Position zu beziehen und zugleich zu wissen, dass die eigene Position nie etwas Absolutes sein könne, ist Ulrichs überzeugt. Dies werde in der Unions-Urkunde mit "Glaubens- und Gewissensfreiheit" definiert und sei auch eine Art "Gegengift" zu jeglichem Fundamentalismus.

Nach dem Erfolg in der schwierigsten Lehrfrage, dem Abendmahlsverständnis, stimmten die Kirchenvertreter damals auch in Fragen des Bekenntnisses, des Kultus, der kirchenrechtlichen Rahmenbedingungen und der Finanzen überein. Am 26. Juli 1821 wurde das Gründungsdokument der Vereinigten Evangelisch-Protestantischen Kirche im Großherzogtum Baden von der Generalsynode verabschiedet.

Versöhnung und Offenheit

Die "Unionsurkunde" betont die Rolle der Bibel als alleinige Quelle und oberste Richtschnur des Glaubens, des Lebens und der Lehre. Am Ende der Urkunde heißt es: "Einig in sich und mit allen Christen in der Welt befreundet, erfreut sich die evangelisch-protestantische Kirche im Großherzogtum Baden der Glaubens- und Gewissensfreiheit."

Dieser Anspruch der Versöhnung und Offenheit gegenüber Anderen gelte auch heute noch, sagt der seit 2014 amtierende badische Landesbischof, Jochen Cornelius-Bundschuh. Nach dem Motto "Mit Christen in aller Welt befreundet" würden heute nicht nur Kontakte mit der römisch-katholischen Kirche gepflegt, sondern auch mit den jüdischen Gemeinden, Muslimen und anderen Religionen.

Die Kirchenunion von 1821 zeige eine Kirche, die "Brücken in die Gesellschaft" schlägt, erläutert der Landesbischof. Auch heute sei es Aufgabe der Kirchen, Menschen trotz aller Gegensätzlichkeiten zusammenzubringen. "Eins in Christus" zu sein heiße: "Wir gehören zusammen, trotz aller sozialen, religiösen, kulturellen und biologischen Unterschiede."

Zum Festakt in der Karlsruher Stadtkirche: 

Ihren 200. Geburtstag feiert die Evangelische Landeskirche in Baden am 2. Juli um 17 Uhr mit einem Festakt in der Karlsruher Stadtkirche, der auch im Internet übertragen wird. Unter dem Motto "Unisono. VielstimmigEins" werden Vertreter von Kirchen, Politik und Gesellschaft erwartet, darunter der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und der Freiburger katholische Erzbischof Stephan Burger. Zudem gibt es Abendgottesdienste in mehreren Kirchen in Karlsruhe mit Chormusik. Sie beginnen - entsprechend den Jubiläumsdaten - jeweils um 18.21 Uhr und um 20.21 Uhr. Das Festwochenende endet am 4. Juli mit einem Jubiläumsgottesdienst in der Karlsruher Stadtkirche. Der Abschluss des Feierjahres findet am Reformationstag (31. Oktober) mit einem ökumenischen Gottesdienst in Freiburg statt.

Das badische Landesarchiv zeigt die "Unionsurkunde" im Rahmen einer Sonderausstellung mit zahlreichen Begleitveranstaltungen zur Kirchengeschichte.

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