"Die Einsamkeit vieler Menschen im Krankenhaus ist belastend"

Ein Patient im Krankenhaus mit einem Gnadenbild Marias in den Händen.

©Jae C. Hong/AP/dpa

Ein Patient im Krankenhaus hält ein Marienbild in den Händen. Der Einsatz der Seelsorger auf den Stationen ist in der Pandemie schwieriger aber nicht weniger wichtig geworden, berichtet Krankenhauspfarrerin Cornelia Ogilvie aus Schwerin.

"Die Einsamkeit vieler Menschen im Krankenhaus ist belastend"
Seelsorgerin Cornelia Ogilvie über ihre Arbeit in der Corona-Zeit
In der Corona-Zeit nimmt die Belastung der Patienten auf den Stationen zu. Das beobachtet die Schweriner Krankenhauspfarrerin Cornelia Ogilvie in ihrer Arbeit. Im Interview spricht sie über passende Angebote in dieser Situation und dass es wichtig ist, einfach da zu sein, auch ohne scheinbar wirklich viel tun zu können.

Wie können Sie Ihrer Arbeit im derzeitigen Lockdown überhaupt nachkommen, wie Menschen beistehen?

Cornelia Ogilvie: In den Helios Kliniken Schwerin haben wir gegenwärtig als Seelsorgerinnen und Seelsorger viel zu tun. Zum einen bei Patienten, die schwer erkrankt sind, aber keinen Besuch bekommen dürfen. Zum anderen bei Corona-Patienten, denen ihre Situation oftmals sehr unter die Haut geht und vieles in Frage stellt. Das alles ist möglich, weil wir als Teil der Klinik betrachtet und vom Haus mit den jeweils möglichen Schutzmaterialien ausgerüstet werden. In anderen Häusern ist das immer wieder neu zu klären. Deshalb biete ich dort auch verstärkt telefonische Begleitung für Patienten, Mitarbeiter und Angehörige an.

Was war und ist für Sie in dieser Corona-Zeit besonders belastend?

Ogilvie: Es ist nach wie vor ein besonderes Gefühl, wenn ich Besuche auf der Intensiv- oder auf der Covid-Station mache. Durch die Schutzkleidung fühle ich mich zwar gut geschützt, aber das weiß vor allem mein Kopf - mein Gefühl nimmt es schon auch als Belastung wahr. Ich fand es schwierig und auch traurig, dass ich in Wismar zu Weihnachten so gar nichts in der Klinik anbieten durfte. Ich musste lernen und erfahren, dass es trotzdem für die Klinik wichtig war und ist, dass ich da bin. Dass ich für sie bete. Dass es auch Aufgabe sein kann, mit auszuhalten, wie schwierig es gerade ist. Auch, wenn man gerade nichts tun kann. Nicht nur bei einzelnen Menschen, sondern auch für ein ganzes Klinikum.

Die Einsamkeit vieler Menschen im Krankenhaus ist für mich belastend. Es ist oft schwer, ohne Besuch auszukommen, vor allem, wenn man nicht telefonieren kann. Und als Seelsorgerin in der psychiatrischen Klinik merke ich, dass das Thema Corona nicht krankheitsauslösend ist, aber für viele Patienten eine zusätzliche Last bedeutet.

Wir erreichen Menschen, die in einen 'normalen' Gottesdienst nicht kommen

Welche neuen Arbeitsmethoden haben Sie während der Corona-Zeit entwickelt? Gab es auch Mut machende Entwicklungen?

Ogilvie: Wir haben Neues probiert und dazugelernt. Seit März durften wir keine Gottesdienste mehr anbieten. Die Kapelle in Schwerin ist klein - da kommen sich die Menschen "zu nahe". Also haben wir das Projekt Offene Kapelle entwickelt. Sonntags von 10 bis 11 Uhr ist die Kapelle geöffnet, es spielt Musik, auf jedem Platz liegt ein schön gestaltetes Impulspapier mit Anregungen zum Singen, Beten, Weiterdenken. Vorn gibt es die Möglichkeit, sein Gebet mit Kerzen und Steinen zu einem Ritual zu gestalten. Viele Patienten, vor allem aus der psychiatrischen Klinik, kommen gern dazu und nutzen die Zeit für sich. Wir begleiten diese Stunde - und haben darüber ganz neue Kontaktmöglichkeiten und viele sehr intensive Gespräche. Und erreichen Menschen, die in einen "normalen" Gottesdienst nicht kommen würden.

Nutzen Sie auch elekrtonische Medien für ihre Arbeit?

Ogilvie: Zu kirchlichen Festen haben wir Podcasts aufgenommen, und diese wurden sowohl im Patientenfernsehen gezeigt als auch an alle Mitarbeiter verschickt. Das ist natürlich auch ein Lernfeld, solche Beiträge gut und ansprechend zu füllen. Und dabei haben wir sehr schön mit der Unternehmenskommunikation der Schweriner Klinik zusammengearbeitet -  auch hier entstanden neue und andere Kontakte. Und wir haben Telefon- und Videokonferenz gelernt. Für Konvent, Dienstbesprechungen, Supervision finde ich dies inzwischen gar nicht mehr so aufregend, sondern ein gutes Instrument, wenn es nicht möglich ist, sich zu treffen. Oder auch, um Absprachen ohne viel Fahraufwand zu treffen.

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