Vom Kornspeicher zum Kolumbarium

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In einem Lübecker Kornspeicher, der einst im Besitz der Familie von Thomas Mann war, soll ein Kolumbarium entstehen (Foto: Montage wie es aussehen soll).
Vom Kornspeicher zum Kolumbarium
Paar schafft einzigartigen Ort des Erinnerns
Ein historischer Kornspeicher in Lübeck wird derzeit zum Kolumbarium für Urnen umgebaut. Das deutschlandweit Besondere: Angehörige können zwischen verschiedenen Grabkammern wählen und sogar persönliche Gegenstände der Verstorbenen ausstellen lassen.

Die Idee hätte dem Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (1875-1955) sicher gefallen: In einem Lübecker Kornspeicher, der einst im Besitz seiner Familie war, soll ein Kolumbarium entstehen.

Das Konzept ist bundesweit einzigartig: Mit einem konfessionell unabhängigen "Gedächtnisspeicher" wollen die Gründer Michael Angern und Peggy Morenz die Toten aus der Anonymität holen. "Sie sollen nicht spurlos verschwinden, sondern etwas von ihnen soll bleiben", sagt Michael Angern. Diese Idee will das Paar bei der Gestaltung der Urnenkammern mit maximaler Ästhetik kombinieren. Im März 2021 soll der Speicher, der den Namen "Die Eiche" trägt, eröffnet werden.

Im Moment ist das siebenstöckige Backsteingebäude mit den grünen Fensterläden am Lübecker Hafen noch eingerüstet. Handwerker gehen ein und aus, ein Fahrstuhl wird eingebaut, der ursprüngliche Dielenboden freigelegt. Nach der Fertigstellung soll es im Erdgeschoss eine Trauerhalle mit 80 Sitzplätzen und eine kleine Kapelle geben. Von unten kann man in die oberen beiden Stockwerke gucken, die das Paar mit viel Liebe zum Detail ausstatten will.

"Ein Ort, an dem man Trost findet"

Anders als sonst in Kolumbarien üblich sind stilistisch unterschiedliche Räume vorgesehen. Neben einem Spiegelsaal ist eine Galerie geplant, mit Fotos der Toten auf den Türen für die Urnen. Auch eine Bibliothek mit historischen Urnen zum Mieten wird eingerichtet, sowie ein Vitrinenraum, in dem man persönliche Gegenstände der Toten ausstellen kann. Auf jeder Etage soll es Sitzgelegenheiten geben.

"Das Kolumbarium soll kein trauriger, sondern ein positiver Ort werden, an dem man Trost findet", erklärt Peggy Morenz. So sind in der Trauerhalle auch kleine Lesungen und Abendmusiken geplant. Gleichzeitig greift das Paar einen Trend auf: Feuerbestattungen nehmen immer mehr zu. In Kolumbarien müssen Angehörige sich nicht um die Grabpflege kümmern, haben aber einen Ort zum Trauern. Das Paar hat sich für die Gestaltung des Speichers von verschiedenen Museen und Grabkulturen inspirieren lassen. Fachlich beraten wurden sie von der Theologischen Fakultät in Rostock.

In Lübeck gibt es bislang zwei Kolumbarien. Unterhalb der Pamir-Kapelle in der Altstadtkirche St. Jakobi befinden sich 350 Urnenkammern. Auf dem Vorwerker Friedhof wurde eine nicht mehr benötigte Leichenhalle 2011 zu einem Kolumbarium umgebaut.

Von der Software-Firma zur Grabkammer

Vor sechs Jahren haben der IT-Spezialist und die Gestalterin den historischen Speicher an der Untertrave gekauft. Ursprünglich brauchte Michael Angern Platz für die Expansion seiner Software-Firma, die Bestattungsunternehmen als Kunden hat. Während eines Seminars über alternative Bestattungsformen kam dem Lübecker dann die Idee, den Speicher zu einem Kolumbarium umzubauen. "Seitdem haben wir quasi rund um die Uhr an dem Konzept für den Speicher gearbeitet", sagt Angern, der seine IT-Firma inzwischen verkauft hat. Das Geld steckte er in den Umbau des Speichers, der im Frühjahr 2020 begann.

Insgesamt wird das Projekt eine siebenstellige Summe kosten. Träger soll die Heilsarmee werden. Die Erträge werden in eine noch zu gründende Stiftung fließen, die sich der Förderung von Bestattungskultur widmet. Dennoch betont das Paar, dass das Kolumbarium keinen elitären Charakter haben wird. Die Preisliste entspreche der eines normalen Friedhofs, so Peggy Morenz. "Grabstätten im Gemeinschaftsgrab sind für unter 2.000 Euro zu bekommen."