Kirchen: Pandemie vertieft soziale Not

Der heilige Martin von Tours teilt seinen Mantel mit einem Frierenden

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Die Aktion Martinusmantel fördert in Württemberg Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte für Erwerbslose. Inspiriert ist die Aktion durch den heiligen Martin von Tours, der seinen Mantel mit einem Frierenden teilte.

Kirchen: Pandemie vertieft soziale Not
Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie erleben in ihren Beratungsstellen mehr Not in Corona-Zeiten. Die Pandemie vertiefe soziale Not, teilte die Diakonie Baden am Montag in Karlsruhe mit. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart wird mit ihrer Aktion Martinusmantel Beschäftigungsprojekte für arbeitslos gewordene Menschen unterstützen.

"Mit Dankbarkeit und Sorge zugleich" hat sich Bischof Gebhard Fürst in seinem Spendenaufruf zum Auftakt der jährlichen Aktion Martinusmantel an die Spender gewandt. "Dankbar bin ich in diesen herausfordernden Zeiten für den solidarischen Zusammenhalt, den ich erlebt habe. Große Sorge bereiten mir die Ängste der Menschen um ihren Arbeitsplatz", teilte er am Montag mit.

Die Aktion Martinusmantel fördert in Württemberg Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte für Erwerbslose. Seit 1987 ist Ziel der Aktion, mit Projekten zu Beschäftigung und Qualifizierung für Menschen einen Zugang zu Arbeit und Ausbildung zu schaffen, die sonst keine oder schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Arbeitslosigkeit verursache Armut, kappe soziale Sicherheitsnetze und führe die Betroffenen an den Rand der Gesellschaft. Zudem sei sie ein Stigma, sagte Bischof Fürst: "Schließlich denken viele von uns: Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit." Doch gerade die Virus-Krise zeige, dass diese Logik nicht immer aufgehe.

Unter anderem in der Obdachlosenhilfe und der Situation armer Kinder spürten diakonische Einrichtungen die sozialen Folgen der Corona-Pandemie immer deutlicher, je länger die Situation dauere, sagt der badische Diakoniechef Oberkirchenrat Urs Keller. In seiner jüngsten Videobotschaft weist er darauf hin, dass auch die Arbeit in den Einrichtungen immer schwerer werde.

Obdachlose seien in der gegenwärtigen Situation besonders schutzlos, sagte Keller. Die wenigen Anlaufstellen, die sie hätten, stünden vor fast unlösbaren Aufgaben, unter beengten Verhältnissen für Hygiene und Abstand zu sorgen. Auch Bildungsgerechtigkeit sei ein Thema, für das sich unter anderem die Politik engagieren müsse. Armut verstärke hier die Probleme, etwa wenn Kindern keine Geräte für digitales Lernen zur Verfügung haben. Diese Lücken ließen sich später kaum mehr schließen.

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