Secondhand liegt im Trend: Doch obwohl gebrauchte Möbel und Geschirr boomen, landen zugleich noch tonnenweise gut erhaltene Waren im Müll. Das Sozialkaufhaus "Tisch & Teller" der Regionalen Diakonie Main-Taunus im hessischen Flörsheim am Main setzt hier an und sorgt dafür, dass beispielsweise mehr Haushaltswaren und Fahrräder neue Besitzer finden. Die Einrichtung nimmt Gebrauchtes entgegen, die Mitarbeitenden reparieren und arbeiten Möbel und Spielzeug auf, damit von Armut betroffene Menschen günstige Dinge kaufen können.
Seit 2009 bietet das Kaufhaus auf rund 800 Quadratmetern gebrauchte Möbel, Hausrat, Bücher, Fahrräder und Dekorationsartikel an. Die Mitarbeitenden prüfen alle gebrauchten Waren vor Ort, reparieren dort, wo es nötig ist, und verkaufen die Artikel anschließend zu fairen Preisen. Im Kaufhaus dürfen alle Menschen einkaufen. Wer ein geringes Einkommen hat, erhält zusätzliche Preisnachlässe.
"Hier werden nur gespendete Dinge angeboten", sagt Betriebsleiterin Heike Rosa. "Das Kaufhaus verbindet Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Integration." Zwischen 80 und 100 Verkäufe verzeichne "Tisch & Teller" pro Tag. Die finanzielle Lage sei jedoch schwierig, da das Kaufhaus durch hohe laufende Kosten und die günstigen Preise auf Förderungen, Fundraising und Spenden angewiesen sei, erläutert Rosa.
Rund zehn Beschäftigte arbeiten bei "Tisch & Teller", viele von ihnen kamen über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen der Diakonie zum Job im Sozialkaufhaus. So auch Wolfgang Schwarz, der seit fast zehn Jahren die Fahrradwerkstatt betreut. Dort schraubt er täglich an alten Rädern, wartet sie und macht sie wieder einsatzbereit. In der Werkstatt stehen viele Zweiräder und noch mehr Ersatzteile. Der ehemalige Kfz-Mechaniker fühlt sich wohl mit seiner Arbeit. Er konnte aus gesundheitlichen Gründen seinem alten Beruf nicht mehr nachgehen. "Ich habe die Fahrradwerkstatt aufgebaut - sie liegt mir am Herzen, ist sozusagen mein Baby", erzählt er.
#Verständigungsort, um ins Gespräch zu kommen
Sozialarbeiter Florian Barthel unterstützt die Menschen, die über die Arbeitsagentur ins Sozialkaufhaus gekommen sind. "Ich bin nicht nur für die Maßnahmenteilnehmer da, sondern für jeden, der gerade im Haus ist. Auch wenn Kunden Fragen oder soziale Probleme haben, stehe ich zur Verfügung." Für Barthel ist das Sozialkaufhaus ein Vorzeigeprojekt, das zudem zeige, dass Nachhaltigkeit funktioniere. Es helfe, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Kreislauf von Kaufen und Wegwerfen unterbrochen werden kann.
"Tisch & Teller" bietet für die Kunden neben den günstigen Preisen auch menschliche Nähe. "Man kann hier einkaufen und wieder gehen, aber ebenso ins Gespräch kommen. Das Zwischenmenschliche spielt bei uns eine große Rolle", betont Rosa.
Das Sozialkaufhaus ist auch einer der sogenannten "Verständigungsorte" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Initiative schafft Räume, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung miteinander ins Gespräch kommen. In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, so erklärt Initiativen-Koordinatorin Beatrix Pahl, brauche es solche Orte "für offenes Zuhören und Verständigung auf Augenhöhe".
Für Heike Rosa ist die Arbeit im Sozialkaufhaus mehr als ein Beruf. "Das hier ist gelebte Nächstenliebe", sagt sie. Bei "Tisch & Teller" entstehen Begegnungen, Gespräche und Chancen - und aus einem Laden werde ein sozialer Raum mit spürbarer Wirkung für das Miteinander in Flörsheim und im Main-Taunus-Kreis.


