Grabplatz statt Kleingarten

Zwei Quadratmeter im Grünen

© epd/Paul Krauß

Eigentlich war Rentner Berhard Schneider auf der Suche nach einer Gartenparzelle. Nun aber hat er zwei Quadratmeter in einem Friedwald gekauft.

Grabplatz statt Kleingarten
Freizeitgrundstück in den Kleinanzeigen entpuppt sich als Weiterverkauf von zwei Quadratmetern im Waldfriedhof
Eigentlich war der Rentner auf der Suche nach einer Gartenparzelle. Nun aber hat er zwei Quadratmeter in einem Friedwald gekauft. Der private Weiterverkauf solcher Plätze ist erlaubt, aber selten.

Bernhard Schneider wunderte sich zunächst über das ungewöhnliche Angebot. Unter "Freizeitgrundstück" habe er sich natürlich etwas anderes vorgestellt, erzählt der 69-Jährige schmunzelnd. Auf der Suche nach einem Grundstück in der Natur stieß er auf der Internet-Plattform für Kleinanzeigen auf "zwei Quadratmeter im Grünen". Zwei Quadratmeter unter einer gut gewachsenen Buche - im Pappenheimer Waldfriedhof (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen). "Auf Verhandlungsbasis" wurden zwei nebeneinanderliegende Grabplätze an dem Laubbaum angeboten. Dem Käufer soll das "Grundstück" eines Tages als Ort der letzten Ruhe dienen.

Er und seine Frau hätten schon seit Längerem mit dem Gedanken gespielt, sich eines Tages nicht auf einem herkömmlichen Friedhof, sondern in einem Bestattungswald beisetzen zu lassen. "Die unkonventionelle Anzeige kam uns da gerade recht", erzählt Schneider.

Also setzte er sich auf dem Online-Marktplatz über die Chatfunktion mit den Verkäufern in Verbindung - einem Ehepaar, ebenfalls in Rente. Ganz unkompliziert hätte man sich ausgetauscht. Schneider erfuhr: Das Ehepaar hat die Grabplätze bereits vor einigen Jahren erworben, nun habe man sich umentschieden. Deshalb veräußere man die "Nutzungsrechte" von Privat an Privat - über eBay Kleinanzeigen.

Ein ungewöhnlicher Deal. Schneider erkundigte sich bei den Betreibern des Pappenheimer Bestattungswaldes. Die FriedWald GmbH versicherte: Ein solcher Verkauf ist rechtens. Die Vorbesitzer haben das Nutzungsrecht für volle 99 Jahre erworben; deshalb können sie es - unter Rücksprache mit der Verwaltung des Waldes - auch wieder verkaufen, wenn sie es sich anders überlegen.

"Etwas ungewöhnlich ist so ein Weiterverkauf schon", erklärt Sarah Tabola, die bei der FriedWald GmbH Öffentlichkeitsarbeit macht. "Unter engen Freunden oder innerhalb der Familie wechseln Plätze im Bestattungswald aber immer wieder die Besitzer." Voraussetzung sei in jedem Fall eine vertragliche Vereinbarung.

Also verhandelte Schneider, wie üblich auf eBay Kleinanzeigen, noch ein wenig um einen guten Preis, und tütete den Deal dann ein. "Ich habe schon Bücher, Möbel, Fahrräder und sogar Motorboote über das Internet von netten Menschen gekauft oder an nette Leute verkauft - wieso nicht auch zwei Grabplätze im Wald für mich und meine Frau?", sagt Schneider.

Pragmatischer Umgang mit einem unbequemen Thema

Ein pragmatischer Umgang mit einem unbequemen Thema? "Ich glaube, es fiel mir schon leichter, das, was notwendig ist, auf diese Art und Weise zu regeln", berichtet Schneider. Er könne sich über dieses besondere Schnäppchen sogar freuen. "Und die Stelle im Wald bei Pappenheim gefällt uns auch. Die haben wir uns natürlich ganz analog persönlich angesehen."

In einem Bestattungswald ruht die Asche von Verstorbenen unter ausgewählten Bäumen in biologisch abbaubaren Urnen. Angehörige erhalten einen Lageplan. "Die Grabpflege übernimmt die Natur", erklärt Sarah Tabola. Und sie liefert den Grabschmuck. Buntes Herbstlaub, Wildblumen, Moose und Farne ersetzen Kerzen und Gestecke. "Herkömmlicher Grabschmuck ist am Baumgrab nicht gestattet."

Im Bestattungswald sind "freie" Bäume mit farbigen Bändern gekennzeichnet, auf die bestehenden Grabstätten weisen kleine Namenstafeln hin. Interessenten können an Waldführungen teilnehmen - ein Förster präsentiert dabei das Konzept der Letzten Ruhe auf dem Friedhof im Grünen. Auch in einem Online-Shop werden die nummerierten Bäume zu unterschiedlichen Preisen feilgeboten. "Menschen können sich so auch aus der Ferne ein Bild machen, wenn sie krank sind oder weit weg leben", sagt Tabola.

Baumbestattung auch auf herkömmlichen Friedhöfen

Sei das digitale Angebot zunächst ein vorsichtiges Experiment gewesen, werde es heute zunehmend nachgefragt. In einer 360-Grad-Ansicht können die entsprechenden Waldstücke virtuell begutachtet werden. Einzelne Urnenplätze im Wurzelwerk eines "Gemeinschaftsbaumes" sind deutlich günstiger als eine eigene Buche, Eiche, Linde oder Lärche.  

Der erste "FriedWald", der einen kirchlichen Träger hat, wurde 2007 im unterfränkischen Schwanberg bei Würzburg eröffnet. Mittlerweile ermöglichen auch zahlreiche herkömmliche Friedhöfe verschiedene Formen von Baumbestattungen. In Pappenheim ist der Friedhof im Grünen ebenfalls in der Trägerschaft der örtlichen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde. Der Standort, garantiert die FriedWald GmbH, bleibt bis zum Jahr 2111 erhalten.