Geheimtipp: Die neue Rosenkirche im Augustinerkloster

Bundesgartenschau 2021

© Matthias F. Schmidt

Rosenkirche mit Altar und Holzkreuz am Augustinerkloster in Erfurt, die am 28.06.2020 mit einem mit einem Gottesdienst eingeweit wird.

Geheimtipp: Die neue Rosenkirche im Augustinerkloster
Landesbischof Kramer weiht am Sonntag in Erfurt die Rosenkirche zur Bundesgartenschau 2021
Am Sonntag wird in Erfurt mit einem Gottesdienst die Rosenkirche geweiht. Sie ist ein Beitrag der Christen zur Bundesgartenschau im kommenden Jahr. Das kleine Paradies im Augustinerkloster hat das Zeug zum Geheimtipp.

Erkundigt man sich dieser Tage in Erfurt nach dem Weg zur Rosenkirche, sind erstaunte Blicke die einzige Antwort. "Wo soll diese Kirche denn stehen", kommt die Frage direkt zurück. Gibt es sie überhaupt' Es gibt sie - und ein bisschen auch nicht. Zur Rosenkirche wird der üppig blühende kleine Garten im Augustinerkloster erst am Wochenende.

Die Rosenkirche mit Altar und Holzkreuz.

Dann hat sich Landesbischof Friedrich Kramer zur Weihe inmitten der historischen Mauern angekündigt, die einst dem Mönch und späteren Reformator Martin Luther (1483-1546) Schutz boten. Er predige, so viel verriet die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) schon einmal vorab, zu einem erotischen Thema. Denn die Rosenkirche soll eine Kirche der Liebe sein.

Mit der Liebe haben die Thüringer Protestanten durchaus einige Erfahrungen. Bereits sieben Mal wurde im nahe der Landeshauptstadt gelegenen Wandersleben der Menantes-Preis für erotische Literatur vergeben. Maßgeblich beteiligt daran sind die Kirchengemeinde und ganz besonders Pfarrer Bernd Kramer. Für ihn ist das Hohelied Salomo, in dem sich Braut und Bräutigam in der Hochzeitswoche ihr gegenseitiges Begehren erklären, mit seiner wunderschönen Sprache das erotischste Buch der Bibel.

Eine Einschätzung, die sein Erfurter Kollege Bernd Prigge, teilt. Er hatte die Idee zur Rosenkirche. Der kleine Garten am Rand des Augustinerklosters wurde dazu in den vergangenen Monaten umgestaltet. Noch vor wenigen Jahren sei der inzwischen reich blühende Ort ein Parkplatz gewesen, erklärt der Pfarrer. In einem ersten Schritt wurden bereits Rosen gepflanzt sowie eine Ölweide und ein Olivenbaum in die Erde gesetzt. Auch das Kreuz, gefertigt aus den gebrauchten Balken eines Nachbarhauses, wurde damals aufgestellt, blickt Prigge zurück.

Auch der Klostergarten des evangelischen Augustinerklosters, in dem Martin Luther 1505 bis 1512 als Student gelebt hat, ist sehenswert.

Zur wortwörtlichen Rosenkirche machen das Gärtchen indes erst die Anpflanzungen des vorigen Herbstes. Zu den vielen Exemplaren der Königin der Blumen kamen aus einer Baumschule Apfelbäumchen, die - akkurat als flache Quadrate beschnitten - das luftig-grüne Dach bilden. Dazu wurde ein Metallbogen aufgestellt, an dem die Rosen klettern können. Steighilfen finden sie auch an den umliegenden Gemäuern.

Der Gärtner versteckte noch ein paar Tulpenzwiebeln und pflanzte großzügig Lavendel. Der Klatschmohn hat sich dagegen selbst eingeladen. Seine knallroten Blüten schauen vorwitzig aus den Rosenstöcken hervor. Noch ein wenig Kies und ein paar Gartenstühle, schon ist das kleine Paradies komplett.

Außergewöhnlicher Ort für alle

Natürlich sollen hier Gottesdienste stattfinden, meint Pfarrer Prigge. Doch der Garten des Herrn soll allen offen stehen, egal was sie glauben oder wer sie sind. Trauungen, Hochzeitsjubiläen, Feste und Fotoshootings - der Pfarrer sieht viele Möglichkeiten. Ein wenig christlicher Bezug, das ist seine einzige Einschränkung, müsse aber schon sein. Eine offene Kirche für offene Menschen - ganz im Sinne von Kirchenvater Augustinus: "Liebe und tu, was du willst", zitiert ihn der Pfarrer.

Bildergalerie

Klöster und ihre Gärten

Rosen am und im Kloster

© Toma Babovic/laif

Rosen am und im Kloster

© Toma Babovic/laif

Wie im Märchen von Dornröschen ranken sich romantisch die Rosen um die dicken Steinwänden des evangelischen Augustinerklosters in Erfurt. Verwunschen wirkt der Garten. Eine Rose findet sich auch innerhalb der Klosterwände: Im Löwen- und Papageien-Fenster der Augustinerkirche des Klosters befindet sich im Glas abgebildet das Vorbild der ersten Lutherrose. Der Reformator Martin Luther lebte zwischen 1505 und 1512 als Mönch in dem Erfurter Kloster.

Kultur im Garten

© imago stock/imagebroker

Wunderschön ist die denkmalgeschützte Gartenanlage um das katholische Stift Neuzelle in Brandenburg. In den Sommermonaten bietet die Stiftung Neuzelle in der Anlage ein umfangreiches Kulturprogramm an. Es gibt Konzerte in den Kirchen, Ausstellungen und das internationale Musiktheaterfestival "Oper Oder-Spree". Ein weiterer Anziehungspunkt ist das Klostermuseum im Kreuzgang, das im Jahr 2009 eröffnet wurde.

Klostergarten

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Im evangelischen Kloster Barsighausen bei Hannover erntet Schwester Christine einen Kürbis. Der Klostergarten bietet reichliche Ernte: Eingekochtes Obst, Säfte und Marmeladen lagern nach der Ernte im Keller. Pastoren und andere Mitarbeiter der Landeskirche haben in dem Kloster auch die Möglichkeit, Früchte ihrer geistigen Arbeit zu ernten. Seit einigen Jahren gibt es integriert in das Klosterleben das "Haus Inspiratio". Christlich engagierte Menschen können hier zur Ruhe kommen, geistig Kraft tanken - auch um Burnout und möglichen Erschöpfungszuständen vorzubeugen. Es stehen mehrere Appartements zur Verfügung. Das Haus ist eines von nur drei Einrichtungen seiner Art in Deutschland.

Kraeutergarten des evangelischen Frauenkloster Stift zum Heiligengrabe

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Das Schild weist darauf hin, dass es hier zum Kräutergarten des evangelischen Frauenklosters Stift zum Heiligengrabe in Brandenburg geht. Das einstige Frauenkloster des Zisterzienserordens wurde im Mittelalter gegründet und bis heute gibt es hier immer noch reges Leben: Achtsamkeit-Meditationen, Yoga, Pilgern, meditative Tänze und Ausstellungen.

Heilung durch Kräuter

© epd/imago stock

"Kräuter gegen Erkältungskrankheiten" steht auf dem kleinen Schildchen mitten in der Kapuzinerkresse im Kräutergarten des evangelischen Frauenklosters Stift zum Heiligengrabe in Brandenburg. Die Inhaltsstoffe der Pflanze, wie zum Beispiel Senföle, wirken gegen bestimmte Viren und Bakterien. Äußerlich angewendet regt Kapuzinerkresse die Durchblutung an. Ab und an veranstaltet das Kloster Seminare, in denen Interessierte das Wissen und den Gebrauch von Heilkräutern erlernen können. Für den praktischen Teil des Seminars wird der Kräutergarten genutzt, aber auch die Wildnis in der Umgebung.

Taufe im Klostergarten

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Im Garten des evangelischen Klosters Loccum bei Hannover finden immer wieder Tauffeste statt. Bei einem besonders großen Fest im Jahr 2017 wurden der kleine Hannes und 61 andere Kinder im Alter von 4 Monaten bis 12 Jahren getauft. Die Idee kam vom Kirchenkreis Stolzenau-Loccum, nachdem man festgestellt hatte, dass viele Kinder und Jugendliche im Kirchenkreis nicht getauft sind. Pastor Joachim Köhler hatte die zündende Idee, und es entstand ein außergewöhnlicher Gottesdienst .

Kontemplation im Garten

© epd-bild/Daniel Peter

Kloster Triefenstein liegt westlich von Würzburg. Die evangelische "Christusträger Bruderschaft" hegt und pflegt das jahrhundertealte Gebäude und seine Gartenanlage. Die aktuell 14 dort lebenden Brüder betreiben im Kloster unter anderem ein Tagungs- und Gästehaus. Es ist inzwischen die Haupteinnahmequelle der Bruderschaft. Es kommen viele Menschen nach Triefenstein, die gerade Rückzug von der Welt suchen. Die Gartenanlage bietet Raum für kontemplative Spaziergänge. Manchmal gibt es im Freien auch Gottesdienste und Konzerte.

Märchenerzählen im Kräutergarten

© epd/imago stock

Die großflächige Gartenanlage im evangelischen Kloster Lüne bei Lüneburg wurde im Jahr 2006 neu angelegt, sie wurde nach altem Vorbild neu gestaltet. Die Gartenanlage soll nach Angaben des Klosters eine Insel der Ruhe und Besinnung, aber auch ein Ort der Begegnung, des Austausches und der Kultur sein. Ab und an erzählt beispielsweise eine Märchenerzählerin im Kräutergarten jungen und alten interessierten Menschen ihre Geschichten.

Vom Kloster zur Schule

© Robert Harding/imago stock

Das Kloster Alpirsbach steht im Schwarzwald in Baden-Württemberg. Im Garten werden manchmal Führungen für große und kleine "Kräuterdetektive" angeboten. Nach der Einführung des Protestantismus in Württemberg beendete Herzog Christoph 1556 den Alpirsbacher Klosterbetrieb und gründete stattdessen eine evangelische Klosterschule - und auch eine Brauerei. Mönche - und auch Nonnen - spielten im Mittelalter tatsächlich eine wichtige Rolle beim Bierbrauen. Da Äbte des Lesens und Schreibens kundig waren, konnten sie überlieferte Rezepte verfeinern und weitergeben. Heute gibt es einige Biermarken die nach Ordensgemeinschaften benannt sind, beispielsweise das "Alpirsbacher".

Das Kloster bei Neukloster

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Das evangelische Kloster Sonnenkamp ist ein Zisterzienserinnenkloster im Osten des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 1219 wurde dort eine kleinere Siedlung gegründet, aus der das Kloster erwuchs. Aufgrund dessen erhielt die Siedlung bald den Namen Neukloster. Im Jahre 1555 wurde "Sonnenkamp" im Zuge der Reformation säkularisiert und große Teile des ehemaligen Klostergeländes verfielen.

Ein Ort zum Gebet

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Zwei Zisterzienserinnen spazieren durch den Garten ihres Klosters St. Marien zu Helfta in der Lutherstadt Eisleben. Heute leben in Helfta zwölf Schwestern, acht von ihnen haben sich durch ihr Gelübde auf Lebenszeit an den Ort gebunden. Der Garten um das Kloster bietet einen Ort für Austausch miteinander, zum Gebet, oder auch zur Meditation. Ehrenamtliche Helfer können sich auch in die Gartenarbeit einbringen.

Dieses Credo zeigt sich auch zur Kirchweihe am Sonntag. Der Gottesdienst unter freiem Himmel verdient das Prädikat ungewöhnlich. Er wird von Bossa-Nova- und Gospel-Musik begleitet, und statt eines Schlüssels erhält der Hausherr, Kloster-Kurator Carsten Fromm, eine Gießkanne.

Mehr Kitsch

In der Kirche selbst werden Kärtchen mit Segenswünschen verteilt. Dazu sollen alle in Hildegard Knefs "Für mich soll's rote Rosen regnen" einstimmen, wenn tatsächlich vielfarbige Blütenblätter zu Boden segeln. Zu kitschig? Manchmal, so der Augustiner-Pfarrer, könnte die Kirche durchaus etwas mehr Kitsch vertragen. Der kraftvollen Stimme seines Bischofs kann er gewiss sein. Bereits im Herbst, beim symbolischen ersten Spatenstich, hob Friedrich Kramer mit "Maria durch den Dornwald ging" zu einem Ständchen für die florale Kirche an.

Schlanke 17.000 Euro hat das Projekt bisher gekostet. Ein Vergleich mit anderen Buga-Vorhaben, für die mit Millionenaufwand ganze Parks umgegraben und sogar Flüsse verlegt wurden, ergibt ein faktisch unschlagbares Verhältnis von Aufwand und Blütenpracht.

Der Gottesdienst zur Weihe der Rosenkirche beginnt am Sonntag um 9.30 Uhr.