Jetzt, später oder nächstes Jahr? Warten auf die Konfirmation

Konfirmationskleid hängt zu Hause auf dem Bügel

© Khaki Bedford/mother image/Getty Images

Das Konfirmationskleid hängt zu Hause auf dem Bügel.

Jetzt, später oder nächstes Jahr? Warten auf die Konfirmation
Vielerorts waren die Konfirmationsgottesdienste vorbereitet, die festliche Kleidung war gekauft. Doch die Pandemie verhindert bisher die in evangelischen Familien beliebten Feiern. Wann sie nachgeholt werden, ist in vielen Gemeinden offen.

Eigentlich wäre an diesem Wochenende die letzte Möglichkeit, Jugendliche zu konfirmieren. Das kirchliche Gesetz zur Konfirmation sieht vor, dass die Feiern zwischen Palmsonntag und Pfingsten stattfinden. Doch dieses Gesetz hat der Landeskirchenrat der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer ausgesetzt. Wegen der Corona-Krise rät die Kirchenleitung von Konfirmationen und Jubelkonfirmationen ab.

Fast 4.000 junge Menschen, die in diesem Jahr 14 Jahre alt werden, seien betroffen, sagt Wolfgang Schumacher, Pressesprecher der Landeskirche. Ihm sei keine Gemeinde bekannt, in der entgegen der Empfehlung doch konfirmiert worden wäre. Religionsmündig seien die Jugendlichen trotzdem, sagt Schumacher. Sie dürfen bei den Presbyteriumswahlen am Ersten Advent mitwählen, und sie dürfen Patenschaften übernehmen.

Wie es mit den unkonfirmierten Jugendlichen weitergehe, sei derzeit eine offene Frage, sagt Andreas Große, Referent für Konfirmandenarbeit am Institut für kirchliche Fortbildung in Landau und Pfarrer in Ludwigshafen-Oggersheim. Er kenne Gemeinden, die so bald wie möglich konfirmieren wollen, solche, die ins Spätjahr ausweichen und solche die die Feier gleich um ein ganzes Jahr verschieben.

Das müsse jede Gemeinde für sich entscheiden, sagt Große. Dabei sollten die Eltern und vor allem die Jugendlichen mitentscheiden. Es sei schließlich ihr Fest. Doch jede Entscheidung habe Vor- und Nachteile. In den meisten Gemeinden werde an Palmsonntag konfirmiert. Kurz vor diesem Zeitpunkt seien die Corona-Beschränkungen in Kraft getreten. Da hätten die mit den Konfirmanden vorbereiteten Gottesdienste weitgehend gestanden, und viele Konfirmanden hätten bereits die Festkleidung gekauft. So sei es auch bei ihm in Oggersheim.

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Ich und meine Konfirmationskleidung

Elise, Johanna und Linda haben ein bisschen länger gebraucht, ihre Konfikleider auszusuchen.

Foto: Anika Kempf

Elise, Johanna und Linda haben ein bisschen länger gebraucht, ihre Konfikleider auszusuchen.

Foto: Anika Kempf

Elise Knigge (links) findet es toll, am Tag ihrer Konfirmation vor der Gemeinde und ihrer Familie in der Kirche zu stehen - "Konfirmation ist ein ganz toller Tag, wie Geburtstag", sagt sie. Johanna Kitzmann freut sich, dass zu ihrer Feier auch die Familie aus dem Ausland kommt. Ihr Kleid auszusuchen hat ziemlich lange gedauert, erzählt sie - genauso wie bei Linda Klepper (rechts). Alle Konfis bekommen zur Konfirmation eine Kette mit einem Fisch- oder Kreuzanhänger von Pfarrer Martin Diehl überreicht. Die möchte sie dann öfter tragen, sagt Linda.

Tom findet seinen Anzug unbequem

Foto: Anika Kempf

Tom Redling findet seinen Anzug unbequem. Der Verkäufer habe ihm dazu geraten - und seine Eltern. Auf die Konfirmationsfeier freut er sich dennoch: Mit dem Geld möchte er sich entweder einen PC oder ein Trampolin kaufen. Sein Konfispruch ist Psalm 23,6: "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar."

Isabel Rustler und Jule Pausch in rosafarbenen Kleidern

Foto: Anika Kempf

In Isabel Rustlers Familie (links) ist es Tradition konfirmiert zu werden. Zudem freut sie sich darauf, zu den erwachsenen Christen der Gemeinde zu gehören. Jule Pausch (rechts) hat mit ihrer Patin und ihrer Mutter gemeinsam das Kleid ausgesucht; ihr Konfirmationsspruch ist 1. Johannes 4,7, "...lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott".
Isabel hat sich Epheser 4,32 ausgesucht: "Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus."

Maurice Hauser trägt ein altes Samt-Sakko

Foto: Anika Kempf

Maurice Hauser trägt ein altes Samt-Sakko seines Vaters. Hose, Schuhe und Hemd sind neu. Zur Konfirmation wünscht er sich ein Fahrrad. Maurice' Konfirmationsspruch erinnert daran, es geht bei der Aufnahme in die Gemeinde nicht nur um Äußerlichkeiten. 1. Samuel 16,7: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an."

Elise Knigge hat ihr Kleid schon lange vor der Konfirmation gekauft.

Foto: Anika Kempf

Elise Knigge hat ihr Kleid schon lange vor der Konfirmation gekauft, weil es ihr und ihrer Mutter so gut gefallen hat. Ihr Konfirspruch ist 2. Timotheus 1,7: "Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit."

Klassische versus bequeme Konfi-Kleidung

Foto: Anika Kempf

Sebastian Scherneck (links) und Max Finger freuen sich beide auf die Feier mit ihrer Familie. Max' Mutter hat die Sachen im Internet bestellt, er wollte was Bequemes - und hat ein Stoffsakko und ein Polohemd bekommen. Sebastian war es wichtig, sich klassisch zu kleiden - in schwarz und weiß. Sebastians Konfispruch ist Psalm 18,30: "Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen." Max' Spruch lautet: "Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (1. Johannes 4,16)

Linda geht nicht nur im klassischen schwarz, sondern auch in blau zu ihrer Konfirmation

Foto: Anika Kempf

Das kurze schwarze Jäckchen musste ihre Mutter noch ein bisschen enger nähen - jetzt passt es super. Linda Kleppers Konfispruch ist der gleiche wie von Max: "Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (1. Johannes 4,16) Seit kurzem spielt sie Gitarre in der Kirchenband - das möchte sie natürlich auch nach der Konfirmation noch machen. Ihre Lieblingslieder sind: "Meine Angst" und "Wie ein Fest nach langer Trauer".

Diese beiden tragen zu ihrer Konfirmation einen Anzug m it Fliege - und passende Anzugschuhe

Foto: Anika Kempf

Rico Battisti (links) trägt auf diesem Bild zu große Schuhe - das sind nicht die, die er zur Konfirmation tragen wird. Auch Leo Lindenblatt (rechts) will die Turnschuhe bei der Konfirmation gegen Anzugschuhe eintauschen. Beide freuen sich auf die Feiern mit ihren Familien. Rico hat sich 1. Johannes 1,5 ausgesucht: "Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis." Leos Spruch lautet: "Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn traut mein Herz und mir ist geholfen."

Zur Konfirmation geht sie ganz klassisch in einem schwarzen Kleid.

Foto: Anika Kempf

Johanna Kitzmann hat sich Psalm 139,9-10 als Konfispruch ausgesucht: "Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten." Zur Konfirmation geht sie ganz klassisch in einem schwarzen Kleid.

Einer kommt in blauem Anzug, der andere in schwarz.

Foto: Anika Kempf

Semion Raitsev (links) hat sich im März taufen lassen. Er und René Waldmann (rechts) haben auf der Konfi-Freizeit beschlossen, die Konfirmanden des kommenden Jahrgangs als Mitarbeiter zu betreuen. Sie wollen also KUMA sein - Konfirmations-Unterrichts-Mitarbeiter. Semions Tauf- und Konfirmationsspruch ist Römer 12,21: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."

Johanna geht in einem dunkelblauen, ärmellosen Kleid zur Konfirmation

Foto: Anika Kempf

Johanna Standhardingers Patenonkel wohnt nicht in Deutschland. Trotzdem haben sie immer was unternommen, wenn er da war. Sie freut sich, bald zu den erwachsenen Christen der Gemeinde zu gehören. 1. Johannes 4,18 ist ihr Konfirmationsspruch: "Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus."

Domink und Julian haben sich gegen schwarz zu ihrer Konfirmation entschieden. Und gegen einen klassischen Anzug. Stattdessen tragen sie weiße Jeans.

Foto: Anika Kempf

Dominik und Julian Theuerkauf sagen, sie haben immer Hunger - deswegen freuen sie sich schon auf's Essengehen nach der Konfirmation mit der Familie. Dominik wäre gerne im Jogging-Anzug zur Konfirmation gegangen; die Eltern waren dann doch für was Schickeres. Immerhin, die weißen Hosen und Turnschuhe können sie auch nach der Feier im Alltag gut tragen. Mit ihren Konfirmationssprüchen schlagen sie einen fröhlichen und zuversichtlichen Ton an: Psalm 23,6: "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar." Und Jesaja 55,12: "Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen."

Die sechs Jungs sind vorwiegend klassisch in schwarz und weiß zu ihrer Konfirmation gekleidet

Foto: Anika Kempf

Leo Lindenblatt, Rico Battisti, Sebastian Scherneck, Tom Redling, Max Finger und Maurice Hauser werden Ende Mai 2019 in Egelsbach konfirmiert. Sie gehören dann zu den erwachsenen Christen ihrer Gemeinde - dürfen den Gemeindevorstand wählen, ein Patenamt übernehmen und die (Jugend-)arbeit der Gemeinde aktiv mitgestalten.

Gegen eine Verschiebung um ein Jahr spreche daher, dass der Gottesdienst dann so nicht mehr gehalten werde könne und die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Festkleidern und Anzügen herausgewachsen seien. Auf der anderen Seite sei unklar, ob in einigen Wochen eine halbwegs normale Konfirmation bereits möglich sei. Immerhin sei damit ein Familienfest verbunden. Doch gerade ältere Familienmitglieder gehörten zur Risikogruppe. Nicht klar sei zudem, wie viele Angehörige dann in die Kirche dürften. Wahrscheinlich werde es an manchen Orten mehrere Konfirmationen in kleinen Gruppen geben.

Die betroffenen Jugendlichen jedenfalls hätten sich auf die Konfirmation gefreut und warteten nun darauf, sagt Große. Ihnen fehle ein Abschluss und vor allem der Kontakt mit den anderen Jugendlichen. Da helfen auch die digitalen Möglichkeiten nicht weiter, denn so gerne die Konfirmanden mit Handy und Computer umgingen, der persönliche Kontakt sei ihnen wichtiger.

Spannungsbogen aufrecht erhalten

Entscheidend ist nach Großes Worten jedenfalls, bis zum Nachholtermin den Spannungsbogen für die Jugendlichen aufrecht zu halten. Dafür müssten die Kirchengemeinden interessante Angebote machen. Doch das habe möglicherweise auch einen Vorteil. Vielleicht fänden sich so neue Möglichkeiten, nach der Konfirmation über einen längeren Zeitraum mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben.

Die Frage des Spannungsbogens beschäftigt derzeit auch den Altriper Pfarrer Alexander Ebel. Er hat im Einvernehmen mit Eltern und Jugendlichen die Konfirmation um ein Jahr verschoben. Er werde dann an zwei Wochenenden den Jahrgang 2020 und 2021 konfirmieren. Ebel plant nun über die regelmäßigen digitalen Kontakte hinaus bestimmte Aktivitäten mit den bislang verhinderten Konfirmanden. Zu Treffen zwingen wolle er diese natürlich nicht. Aber er könne das auch nicht, denn die 90 Pflichtstunden vor einer Konfirmation seien nahezu ausgeschöpft.

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Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.

Foto: miss.sophie/photocase.de

Regulärer Konfirmandenunterricht soll nach Auskunft der Landeskirche analog zu den Vorschriften an Schulen allerdings ab 8. Juni wieder möglich sein. Alles andere müsse sich mit der Zeit ergeben, sagt Pressesprecher Schumacher. Eine Frage ist dabei noch nicht drängend. Werden Jugendliche dieses Jahrgangs, die erst nächstes Jahr konfirmiert werden 2045 oder 2046 zur Silbernen Konfirmation eingeladen? Diese Frage lege der Landeskirchenrat auf Wiedervorlage, sagt Schumacher.