TV-Tipp: "Weihnachten im Olymp"

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25. Dezember, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Weihnachten im Olymp"
Nachtwächter Justin (Eric Cordes) möchte seiner Freundin Maja (Hannah Gharib) eine unvergessliche erste gemeinsame "Nacht der Nächte" bescheren. Influencerin Nathalie (Malene Becker) hat ganz andere Pläne: Sie will ein überaus wertvolles Diamanten-Collier stehlen. Reinigungskraft Anne (Anna Fischer) dagegen ist eher unfreiwillig hier.

Der Titel klingt nach "Freude schöner Götterfunken", und tatsächlich wirkt die eine oder andere Wendung dieser Tragikomödie wie göttliche Fügung. Auf den ersten Blick ist die Handlung verspielt und witzig: Mehrere Menschen lassen sich an Heiligabend im altehrwürdigen Luxuskaufhaus "Olymp" einschließen, um sich ihre Träume zu erfüllen. Nachtwächter Justin (Eric Cordes) zum Beispiel möchte seiner Freundin Maja (Hannah Gharib) eine unvergessliche erste gemeinsame "Nacht der Nächte" bescheren. Influencerin Nathalie (Malene Becker) hat ganz andere Pläne: Sie will ein überaus wertvolles Diamanten-Collier stehlen. Reinigungskraft Anne (Anna Fischer) dagegen ist eher unfreiwillig hier.

Ihre beiden Kinder sind zwar angesichts der Spielzeugabteilung beinahe wunschlos glücklich, aber in Wirklichkeit hat die Familie kein Zuhause mehr. 
Das ist der erste Dämpfer der bis dahin unbeschwerten Stimmung des Films. Für den zweiten sorgt die Chefin: Seit Jahr und Tag verbringt Lale Seraphin Heiligabend allein in ihrem Kaufhaus; statt Festschmaus gibt’s eine Pizza vom Restaurant gegenüber. Ausgerechnet heute bleibt die Küche jedoch angeblich kalt, denn Lale wird Opfer eines romantischen Komplotts, und das ist der Dreh- und Angelpunkt von "Weihnachten im Olymp".

Vor vierzig Jahren war Lale einfache Auszubildende. Niemand ahnte, dass sie die Tochter des Direktors und dessen designierte Nachfolgerin war; auch der unsterblich in die Kollegin verliebte Hans nicht. Als Lales Vater das Paar an Heiligabend im "Olymp" erwischte, machte er dem Koch-Azubi ein großzügiges Angebot, dass Hans zur großen Bestürzung Lales nicht ablehnte. Seither hat sich das einstige Liebespaar nicht mehr gesehen, denn Hans (Joachim Król) wurde Schiffskoch und bereiste die sieben Weltmeere. Sein einziges Lebenszeichen waren Ansichtskarten, die stets zu Weihnachten eintrafen.

Dieses Jahr wartet Lale jedoch vergeblich auf den postalischen Gruß, denn Hans steht in der Küche des Kaufhausrestaurants, um ein Festmahl für sie zuzubereiten. Womöglich hätte schon allein dieses romantische Zentrum als Filmhandlung genügt, aber erst gemeinsam mit den weiteren Ebenen wird eine rundum sehenswerte Weihnachtsgeschichte draus, zumal Katharina Schöde und Felix Fuchssteiner (Buch und Regie) mit den anderen Figuren jeweils eigene Dramaturgien verknüpfen.

Dabei geht es auch um Schein und Sein: Nathalie gaukelt ihrem Internetgefolge eine Luxuswelt vor. Dank eines Beauty-Filters" erscheint sie in ihren Videos als Model-Avatar ihrer selbst. In der analogen Realität sieht sie deutlich anders aus, aber das soll sich ändern; daher der raffiniert eingefädelte Diebstahl des Colliers. Auch Holger (Philipp Hauß) ist nicht der, der er zu sein vorgibt. Wie sich der brave Buchhalter mit Nathalies Hilfe in eine glamouröse Diva verwandelt, ist ein kleines Kunststück des Maskenbilds. 

Clever sorgt das Drehbuch dafür, dass sich nicht alles in Wohlgefallen auflöst: Plötzlich zerreißt ein Alarm die friedliche Stimmung. Dennoch werden aus den Fremden am Ende wie zu erwarten Freundinnen und Freunde; für sämtliche Probleme finden sich überraschende Lösungen. Die damit verbundenen Botschaften mögen eher schlicht klingen, bilden aber den logischen Schlusspunkt der einzelnen Ebenen: Liebe kennt keine Kompromisse, ein bisschen mehr Glitzer im Leben kann nicht schaden, und selbstredend ist es nicht wichtig, perfekt zu sein; es kommt vor allem darauf an, sich selbst zu mögen.

Dass Hans eine zweite Chance kriegt, war ohnehin klar, aber er ist überraschenderweise nicht der einzige, der von Lales Sinneswandel profitiert. 
Das Duo Schöde/Fuchssteiner arbeitet seit vielen Jahren zusammen, die beiden haben unter anderem die Fantasy-Trilogie "Liebe geht durch alle Zeiten" verfilmt (2013 bis 2016); seit dem zweiten Teil ("Saphirblau") führen sie auch gemeinsam Regie. "Weihnachten im Olymp" erfreut vor allem als Ensemble-Leistung, wobei Hannah Gharib wie schon als Influencerin in dem Magdeburger "Polizeiruf"-Krimi "Unsterblich" (2024) mit Natürlichkeit und Spielfreude die lebhaftesten Akzente setzt. Zwischendurch hätte dem Film ein bisschen mehr Tempo nicht geschadet.

Schöde und Fuchssteiner machen das durch viele kleine Einfälle wie etwa den gelungenen, aber kurz vorm Höhepunkt unterbrochenen Christmas-Strip Justins mehr als wett. Sehenswert ist gerade wegen der Lichtarbeit auch die Bildgestaltung (Sonja Rom); die hörenswerte Musik (Philipp Fabian Kölmel) hat stellenweise großes Kinoformat. Im wirklichen Leben käme Joachim Król übrigens nie auf die Idee, für jemanden zu kochen: "Ich habe keinen Kochlöffelführerschein."