Eine starke Stimme für eine bessere Welt

 Bono ist Sänger von "U2" und gläubiger Christ.

© Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Bono, der irische Frontmann von U2, wird 60 Jahre alt.

Eine starke Stimme für eine bessere Welt
"U2"-Sänger Bono wird 60
Für seine Fans verkörpert er das gute Gewissen des Rock: Bono, Sänger von "U2" und gläubiger Christ, erhebt seine Stimme gegen Ungerechtigkeit und unterstützt soziale Organisationen weltweit. Kritiker werfen ihm aber mangelnde Glaubwürdigkeit vor.

Bono schwenkte auf der Bühne die weiße Friedensflagge, setzte mit dem Welthit "Pride" (1984) dem schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King "im Namen der Liebe" ein Denkmal. Er fordert seit Jahren einen Schuldenerlass für afrikanische Länder, engagiert sich für Umweltschutz und Menschenrechte, spendet Geld für Kriegskinder und die Aids-Forschung. An diesem Sonntag (10. Mai) wird der irische Rocksänger und Kopf der Band "U2" 60 Jahre alt. Als Paul David Hewson kam er 1960 in Dublin zur Welt. 

Seit mehr als 40 Jahren erhebt der gläubige protestantische Christ, Sänger und Songschreiber mit viel Pathos seine Stimme für das Gute in der Welt - und polarisiert dabei wie kaum ein anderer Rockmusiker. "Bono Vox" - gute Stimme - lautete der Spitzname, dem ihm einst Schulkameraden gaben. Für seine Fans verkörpert der Mann, der gerne mit getönter Brille, Drei-Tage-Bart und schwarzen Klamotten unterwegs ist, wegen seiner poetischen und tiefgründigen Texte das gute Gewissen des Rock. "Drei Akkorde und die Wahrheit" - der markante Satz des US-amerikanischen Folk- und Protestsängers Woody Guthrie ist Bonos Leitspruch.

Neben Lob auch Kritik

Kritiker hingegen bezweifeln Bonos Glaubwürdigkeit: Die Weltretterei sei nicht viel mehr als Show, halten sie ihm vor. Der Sänger, der rund 1,5 Prozent an dem US-Unternehmen Facebook hält, und seine drei "U2"-Mitmusiker forderten als überzeugte Christen zwar soziale Gerechtigkeit. Doch seien sie selbst Steuersünder und nähmen ihre Fans mit völlig überteuerten Konzerttickets aus. Im Zuge der Enthüllungen um die "Paradise Papers" warfen investigative Journalisten Bono 2017 vor, ein weit verzweigtes Geflecht von Briefkastenfirmen zu nutzen, um Steuern zu vermeiden. Er kündigte daraufhin an, sich von den umstrittenen Firmenanteilen zu trennen.

Unbestritten ist: Bono vermag es, seine künstlerischen und kommunikativen Talente öffentlichkeitswirksam für soziale und politische Projekte einzusetzen. Der blutige Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken in seiner irischen Heimat habe ihn in seiner Jugend geprägt, erzählte er immer wieder in Interviews. Der Song "Sunday Bloody Sunday" (1983) protestiert gegen die Gewalt in Nordirland. Den Traum von einer friedlichen und gerechten Welt teilt er mit seinen Mitmusikern. In den 80er und frühen 90er Jahren war "U2" eine der erfolgreichsten Bands und ist experimentierfreudig bis heute.

Bibel-Psalme in Songs aufgegriffen

In seinen Texten beschwört Bono die göttliche Kraft der Liebe. Sie bringt für ihn Hoffnung auf ein Ende allen Leids in der Welt. Die Psalmen der Bibel hätten ihn sein gesamtes Leben lang begleitet, sagte er 2015 in einem Gespräch mit dem US-amerikanischen Pfarrer Eugene H. Peterson, der die Bibel in zeitgenössische Sprache übertrug. Auch seien sie eine Inspiration für die Musik von "U2". Der Song "40" (1983) ist eine Abwandlung des 40. biblischen Psalms - einem Lobgesang Davids auf den rettenden Gott. Bei Bono wird der Psalm zum klagenden Ruf nach Erlösung: "Wie lange soll dieses Lied gesungen werden?", fragt er.

Als Suchender stellt sich Bono in dem Song "I Still Haven't Found What I'm Looking For" dar, das dazugehörige Album "The Joshua Tree" (1987) ist das meistverkaufte der Band. "Ich hielt die Hand des Teufels", singt er in der Manier eines Gospelkirchen-Predigers, unterstützt von einem Chor, "ich glaube an das Kommen des Gottesreiches." Dann würden "alle Farben in eine zusammenfließen".

Auch das Lied "One" (1991) beschwört die Macht der Liebe, die alle Mauern zwischen Menschen einreiße. Liebe sei der "Tempel", das "höhere Gesetz". Und Bono ist der Vorsänger, der seine Hörerschaft auf einen guten Weg führen will.

Christlicher Glaube als Antrieb für soziales Engagement

Sein christlicher Glaube sei auch Antrieb für sein soziales Engagement, betont Bono. Dafür erhielt er zahlreiche Ehrungen, mehrmals stand er auf der Vorschlagsliste für den Friedensnobelpreis. 2007 wurde er von Queen Elisabeth II. zum britischen "Ehrenritter" ernannt - als irischer Staatsbürger darf er den Titel "Sir" aber nicht führen.

Weltweit bekannt wurde der Auftritt von "U2" beim "Live-Aid"-Benefizkonzert 1985 für die Hungernden in Äthiopien. Bis heute macht sich Bono über den Zusammenschluss mehrerer Hilfsorganisationen mit dem Namen "Make Poverty History" für Schuldenerlass, Freihandel und die Bekämpfung von Aids in Afrika stark.

Auch in der Corona-Krise zeigen sich die "U2"-Musiker solidarisch: Für den Kampf gegen das Virus spendeten sie zehn Millionen Euro. Zudem meldete sich Bono mit dem Mutmacherlied "Let Your Love Be Known" zu Wort, das er allen "Ärzten, Krankenschwestern, Pflegekräften an vorderster Front" widmete. "Singt und ihr seid niemals allein", heißt es darin, "gebt eure Liebe zu erkennen."