Gottesdienst in Zeiten der Corona-Pandemie

Schild zur Gottesdienstabsage wegen Corona

© epd-bild/Friedrich Stark

In weiten Teilen Deutschlands sind die Kirchen an diesem Sonntag leer geblieben, denn viele evangelische Landeskirchen und katholische Bistümer hatten wegen der Corona-Pandemie ihre Gottesdienste abgesagt.

Gottesdienst in Zeiten der Corona-Pandemie
Es gibt viele Möglichkeiten, digital Gottesdienst zu feiern
Sonntags bleiben die Kirchen jetzt fast überall in Deutschland leer. Und auch Gemeindekreise und Chorproben finden nicht statt. Für viele Gläubige ist das schwer auszuhalten. Viele Gemeinden wollen jetzt online Gottesdienste feiern.

Die Absage fast aller Gottesdienste deutschlandweit war noch keine beschlossene Sache, da sammelte Kristina Kühnbaum-Schmidt auf Twitter schon Möglichkeiten, digital Gottesdienst zu feiern. Kühnbaum-Schmidt ist Bischöfin der evangelischen Nordkirche und die Nordkirche mittlerweile bekannt für ihre Pionierarbeit auf dem Gebiet der digitalen Kirche. Unter dem Tweet von Kühnbaum-Schmidt kamen Vorschläge zusammen wie Predigten als Podcast, Gemeinde-Apps und der Hinweis auf die ohnehin schon existierende Twomplet - das tägliche Abendgebet auf Twitter.

Fast überall in Deutschland sind Gottesdienste bis Ostern abgesagt. Die meisten Landeskirchen hatten vor dem Wochenende eine entsprechende Empfehlung an ihre Gemeinden herausgegeben. Manche feierten am Wochenende noch Gottesdienst mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen - etwa Abstandsregelungen für Besucher.

270.000 Menschen mehr sahen ZDF-Gottesdienst

Am Sonntag waren auch seltsame Bilder aus dem Fernsehgottesdienst im ZDF zu sehen. Wenn das Fernsehen zu Gast ist, sind die Kirchenbänke meistens gut gefüllt. Doch am Sonntag fand der Gottesdienst in der Oldenburger St.-Ansgar-Kirche ohne Gemeinde statt. Neben dem Pfarrer waren nur der Chor und einige Mitwirkende anwesend. Das Ergebnis: trotzdem eine Rekordreichweite. Knapp eine Million Menschen sahen den Gottesdienst. 270.000 Menschen mehr als sonst im Durchschnitt.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sammelt auf einer Internetseite Beispiele, wie man auch in Zeiten der Corona-Pandemie Gottesdienst feiern oder mit anderen Gläubigen im Gebet verbunden bleiben kann. Neben Radio- und Fernsehübertragungen und der Twomplet gibt es auch verschiedene Apps. Die App XRCS, die Kurzversion von Exerzitien, leitet durch regelmäßige Gebetsandachten. Man kann die App auch gemeinsam mit anderen benutzen.

Auch auf Instagram digitalen Segen

Auf Instagram gibt es außerdem viele Pfarrerinnen und Pfarrer, die Gebetsangebote machen oder auch mal einen digitalen Segen spenden. Dazu gehört Pfarrer Jörg Niesner (@wasistdermensch) aus dem hessischen Laubach. Er sieht in der derzeitigen Situation eine große Chance für die digitale Kirche, sich weiterzuentwickeln. "Es gibt bereits ein tolles Netzwerk von Menschen, die digital Kirche im Netz gestalten, die auch technisches Know-how haben und jetzt viele Idee haben, was man anbieten könnte", sagt Niesner.

Bislang sei das Angebot der digitalen Kirche eine Erweiterung zu bestehenden analogen Angeboten der Kirchen gewesen, sagt er. Doch man müsse nun aufpassen, dass man nicht zu enthusiastisch werde ob der Möglichkeiten, die die digitalen Mittel bieten. "Wir können das nicht eins zu eins ersetzen", sagt der 35-Jährige. "Und wir erreichen auch nicht alle Menschen, die wir in einem normalen Sonntagsgottesdienst erreichen. Es ist ja kein Geheimnis, das dort auch eher ältere Menschen hinkommen."

Seelsorgerische Herausforderung

Seine Gemeinde will deshalb ganz gezielt Gemeindemitglieder per Brief anschreiben, die zur Risikogruppe gehören, und Hilfe anbieten. "Wir bleiben ansprechbar und wollen Hilfe organisieren für diejenigen, die jetzt wirklich unsere Hilfe brauchen", sagt Niesner. "Die Kirche darf auch ihren diakonischen Auftrag nicht vernachlässigen." Überhaupt werde die Zeit, in der viele Menschen zu Hause bleiben sollen, eine seelsorgerliche Herausforderung. "Wir müssen den Menschen auch Hoffnung geben, das gehört zu unserem gesamtgesellschaftlichen Auftrag", sagt Niesner, dem auf Instagram mehr als viereinhalb Tausend Menschen folgen.

In sozialen Netzwerken hat sich mittlerweile auch der Hashtag #ansprechbar etabliert, unter dem Menschen aus dem kirchlichen Umfeld zeigen, dass sie für Gespräche da sind. Wer Angst hat zu vereinsamen oder sich Sorgen um sich selbst und Angehörige macht, kann sich auch an die Chatseelsorge wenden. Dort moderiert ein Notfallseelsorger jeden Tag einen Chat und gibt Möglichkeiten zum Austausch und für Zuspruch.

Auch wenn keine Gottesdienste stattfinden, hat Niesner sich trotzdem vorgenommen, jeden Sonntag in seine Pfarrkirche zu gehen, dort das Evangelium zu lesen, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser zu beten - und auch die Glocken zum Vaterunser zu läuten. Ein Zeichen für die Menschen in der Nähe, dass die Kirche zu ihnen kommt - auch wenn die Menschen nicht zu ihr kommen können.