Es war eine Schlagzeile, die weit über das Rheinland hinaus für Diskussionen sorgte: Der Kölner Dom kostet bald Eintritt. Zumindest für "Otto-Normal-Besucher". Wer zum Beten kommt oder einen Gottesdienst besucht, darf weiterhin kostenlos in die Kathedrale. Ehrlich gesagt: Ich finde das ziemlich clever vom Domkapitel.
Schauen wir auf die Zahlen: Rund sechs Millionen Menschen besuchen jedes Jahr den Dom in Köln. Laut Dompropst Guido Assmann sind etwa 99 Prozent davon Touristen. Also Leute, die einmal kurz durch die berühmteste Kirche Deutschlands schlendern, ein paar Fotos machen und dann weiterziehen zum nächsten Programmpunkt auf der Städteliste.
Bislang war das kostenlos. Und das finde ich eigentlich erstaunlich. Denn der Dom ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit, sondern auch ein gigantisches Bauwerk, das gepflegt, gesichert und restauriert werden muss. Wer einmal die Steinmetze oben am Gerüst gesehen hat, ahnt: Das bezahlt sich nicht von allein.
Sarah Neder ist Redakteurin bei evangelisch.de und arbeitet daneben als freie Journalistin und Autorin. Nach Stationen bei der FAZ und der Offenbach-Post zog sie nach Manchester, wo sie unter anderem für den Tagesspiegel und den Dumont-Reiseverlag schreibt. Seit November 2020 gehört sie zum evangelisch.de-Team.
Warum also nicht die zur Kasse bitten, die den Dom ohnehin wie eine Attraktion besichtigen? Museen verlangen Eintritt, Schlösser auch. Nur bei Kirchen erwarten Millionen Besucher offenbar automatisch freien Zugang.
Der eigentliche Clou an der neuen Regelung ist aber ein anderer: Wer wirklich wegen des Glaubens kommt, zahlt weiterhin nichts. Wer beten will, eine Kerze anzünden oder einen Gottesdienst besuchen möchte, kommt gratis rein. Und mal ehrlich: Wenn künftig Touristen ein paar Euro dalassen oder vielleicht sogar der eine oder andere neugierig im Gottesdienst landet, dann kann mit dieser Regelung wirklich nur jeder gewinnen.


