Schatzsucher, Bastler und Senioren

Die Freizeit- und Begegnungsstätte Haus Meedland der BEK

©Ulf Buschmann

Gabi Lang, diakonisch-pädagogische Mitarbeiterin der Trinitatis-Gemeinde ist geschrumpft - aber nur als Schnipselbild, gebastelt auf der Jugendfreizeit im Haus Meedland.

Deutschland spricht 2019
Schatzsucher, Bastler und Senioren
Seit 1947 gibt es Haus Meedland. Die Freizeit- und Begegnungsstätte ist eine Einrichtung der Bremischen Evangelischen Kirche auf der Insel Langeoog und wird eifrig von den Gemeinden genutzt. Sie bieten im Sommer Kinder-, Jugend-, Senioren- und Familienfreizeiten an.

Gabi Lang ist ziemlich geschrumpft. Die diakonisch-pädagogische Mitarbeiterin der Bremer Trinitatis-Gemeinde ist so kompakt, dass sie locker auf einem Klavier, einem Wasserhahn oder einem Empfangstresen Platz finden würde. Zum Glück ist es die freundlich lachende Frau nicht selbst, sondern nur ihr Abbild.

"Wir haben uns gegenseitig fotografiert, unsere Bilder ausgeschnitten, sie in eine neue Umgebung gesetzt und das Ganze wieder fotografiert", sagt Gabi Lang, "das haben unsere Jugendlichen hier richtig gut gemacht." So viel Lob von der Gruppenleitung macht die Jugendlichen stolz, teils ist es ihnen ein bisschen peinlich. Zwei Jungs kümmern sich darum gar nicht – sie haben längst eine andere Aufgabe in Arbeit.

So kreativ sind die Leute nicht etwa in ihren Räumen im Bremer Stadtteil Osterholz. Es hat sie, wie viele andere, auf die Insel Langeoog gezogen. Dort betreibt die Bremische Evangelische Kirche (BEK) schon seit 1947 ihre eigene Freizeit- und Begegnungsstätte: Haus Meedland. Wer in den Gemeinden der BEK in irgendeiner Form aktiv ist, hat mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit schon dort übernachtet.

Ute Krüger leitet Haus Meedland.

"Hagar", "Rebekka", "Mose", "Noah", "Mirjam" und "Jona" heißen die Häuser. Sie bieten insgesamt Platz für 170 Gäste. "Man bucht nicht einzelne Zimmer, sondern ein ganzes Haus", erklärt Leiterin Ute Krüger das Belegungsprinzip von Haus Meedland. Der Auftrag sei es, Platz für Freizeiten und Tagungen zu günstigen Preisen anzubieten. "Das ist gut so", ist Krüger überzeugt. Sie ergänzt: "Wir sind ein Ort der Begegnung." Stünde Haus Meedland auch Einzelreisenden offen, "würde sich vieles verändern", ist Krüger überzeugt. Zudem müsste sich die Einrichtung auf Ärger mit den Betreibern von Hotels und Pensionen auf der Insel einstellen, weil Haus Meedland dann eine Art Hotel sei.

Gegründet wurde Haus Meedland im Jahr 1947 durch den damaligen Bremer Landesjugendpfarrer Werner Brölsch als Jugendferienstätte. Die BEK hatte das Gelände gekauft, auf dem sich während des Zweiten Weltkriegs ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene befand. Bis zur Fertigstellung der ersten "Jugendhäuser" 1952 ging der Betrieb in Zelten und einer Küchenbaracke über die Bühne. "In den fünfziger Jahren werden in Meedland die Grundlagen der Jugendarbeit der Bremischen Evangelischen Kirche nach dem Krieg gelegt", heißt es in der Chronik. Und: "Viele ökumenische und internationale Jugendbegegnungen setzten einen bewussten Kontrapunkt zu den Zeiten der Naziherrschaft." Im Jahr 1958 ist zu den "Jugendhäusern" das "Haupthaus" hinzugekommen. Seitdem gibt es auch Platz für Erwachsene.

Bis in die 1980er Jahre hinein waren es vor allem Jugendliche, die Haus Meedland belegten. Inzwischen jedoch habe sich die Gruppenstruktur verändert, sagt Krüger: "Es sind nicht mehr so viele Jugendliche." In den Sommerferien bieten die Gemeinden vor allem Familienfreizeiten an. Während der Schulzeit seien viele Schulklassen zu Gast. Hinzu kommen Senioren- und Bildungsurlaubsgruppen. Aber auch für Tagungen wird Haus Meedland gerne gebucht. Kirchliche Gruppen nutzen Haus Meedland genauso wie nichtkirchliche.

An das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen erinnert die kleine Kapelle im "Forum".

"Dadurch, dass wir keine Winterpause mehr haben, gibt es bei uns mehr Veranstaltungen", sagt Krüger. Heute sei Haus Meedland nur sechs Wochen vor Weihnachten geschlossen – etwa für Grundreinigungsarbeiten. Früher ging die Saison lediglich von März bis November. Für alle Gruppen gilt: Haus Meedland vermietet die Zimmer und bereitet die Mahlzeiten zu. Für die inhaltliche Ausgestaltung ihres Aufenthalts sind die Gruppen selbst verantwortlich.

Rund 25.000 Gäste betten laut Krüger ihr Haupt jährlich auf die Kissen der ostfriesischen Insel. Dass das Haus barrierefrei ist, versteht sich für die Verantwortlichen von selbst. Selbst Gruppen mit schwerst pflegebedürftigen Menschen kommen in Haus Meedland unter. "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal auf Langeoog", sagt Krüger. Zum Beweis zeigt sie bei einem Rundgang das Pflegebad für diese Menschen.

Nicht nur dort ist es modern, sondern überall. Bereits Mitte/Ende der 1990er-Jahre wurde die komplette Anlage einer kritischen Prüfung unterzogen – ökologischer Bestandsaufnahme inklusive. Denn: Die BEK hat den Anspruch, dass alle Häuser dem Grundsatz "Bewahrung der Schöpfung" genügen. So auch Haus Meedland. Photovoltaikanlage, Blockheizkraftwerk oder auch der Bezug von 100 Prozent Naturstrom gehören dazu.

Hannelore Menners aus der reformierten Gemeinde Rönnebeck-Farge genieߟt die Zeit auf Langeoog im modernen Zimmer im Haus "Rebekka".

Entsprechend dem Grundsatz "Bewahrung der Schöpfung" sei auch bei den letzten Projekten verfahren worden, betont die Leiterin. So wurden 2014 die maroden Jugendhäuser aus den 1950er-Jahren abgerissen und durch Häuser "Jona" und "Mirjam" ersetzt. Beide eröffneten 2016. Im vergangenen Jahr kam Haus "Rebekka" hinzu. Rund zwölf Millionen Euro sind laut Krüger seit 2014 verbaut worden – wobei Bauen allgemein auf Langeoog stets etwa 30 Prozent teurer ist als auf dem Festland. Das Ergebnis kann sich nach Krügers Überzeugung sehen lassen. Sie zeigt einen der Gruppenräume in Haus "Rebekka". Das Interieur sei "nachhaltig und qualitativ hochwertig".

Dieser Betrachtungsweise kann sich Hannelore Mengers nur anschließen. Die Seniorin ist in dieser Woche mit einer Gruppe der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Rönnebeck-Farge zu Gast auf Langeoog. Sie hat das Glück, eines der Doppelzimmer im Haus "Rebekka" belegen zu können. "Wir genießen es hier richtig", meint sie gut gelaunt.

Hastedter Kinder sind eifrig auf Schatzsuche in der Sandkiste.

Ein Mitfahrer aus der Gruppe schaut derweil zum Spielplatz hinüber. Dort sind gerade Kinder auf Schatzsuche. Mit kleinen Schaufeln suchen sie in der Sandkiste. Als einer der Jungs den Schatz findet, ist das Freudengeschrei groß. Zum Vorschein kommen Süßigkeiten, die unter den Kindern aufgeteilt werden. Die Erwachsenen stehen daneben, beobachten das Treiben und geben hier und da mal Anweisungen. "Wir kommen von der Auferstehungsgemeinde Hastedt", antwortet eine Gruppenleiterin auf die Frage nach der Herkunft. Kurze Zeit später ist der Spielplatz leergefegt – Stichwort "Mittagessen".

Eine dunkle Geschichte – Eine Chronik von Haus Meedland

Hinter dem Friedhof für die Langeooger und den Gräbern für die Baltendeutschen liegt der so genannte "€œRussenfriedhof", früher versteckt, nur durch einen schmalen Weg zu erreichen, heute über ein Hinweisschild und einen breiten Zugang leicht zu finden. 113 Gefangene bekamen hier ihre letzte Ruhestätte in einem Massengrab, fremd und vergessen. Sechs Steinsäulen tragen heute die Namen der Toten.

An der Stelle, wo sich heute Gruppen treffen oder auch Tagungen stattfinden, befand sich in den Jahren 1941 und 1942 ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene. Von den 300 bis 400 Menschen überlebte etwa ein Drittel. Die Geschichte des Lagers hat Helmut Jung in der Broschüre "Todesursache: Allgemeine Körperschwäche, Arbeitskommando 7 – Sowjetische Kriegsgefangene auf Langeoog 1941/42" aufgearbeitet.

Die Militarisierung der Insel Langeoog begann demnach ab dem Jahr 1934. Um 1936 wurde die Meedland-Baracke, heute "Forum" der Freizeit- und Tagungsstätte, gebaut. Im August 1940 kamen erste französische Kriegsgefangene nach Langeoog. Sie wurden laut Junk gut behandelt und konnten sich frei auf der Insel bewegen.

Nicht so jedoch die Soldaten der Sowjetunion, die das Deutsche Reich am 22. Juni 1941 überfallen hatte. Im August 1941 wurden die Gefangenen von einem der sogenannten Russenlager aus Wietzendorf, dem Stalag X D (310) in der Lüneburger Heide, als Arbeitskommando (AK) 7 nach Langeoog geschickt. Die Menschen wurden bei Bauarbeiten der Luftwaffe, sowie im Bunker- und Flakstellungsbau und im Straßenbau eingesetzt. Für die Sowjets gab es keine festen Behausungen und die Verpflegung war schlecht.

In der Folge starben die meisten Menschen. Wie viele es genau waren, ist nicht bekannt. Lediglich von 113 Gefangenen konnten die Namen ermittelt werden. Im März 1942 wurden die Überlebenden zurück nach Wietzendorf gebracht, das Lager abgerissen.

Haus Meedland erinnert an das Schicksal eines Gefangenen: Nikolai Michailowitsch Kurilow, geboren am 19. Dezember 1915, gestorben am 21. Januar 1942. Nach ihm ist ein Tagungsraum im "Forum" von Haus Meedland benannt. Eine Kapelle erinnert an die Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen.