In den USA sollen Leichname nachhaltig beigesetzt werden

Neue "Kompost-Bestattung- Methode" in Amerika

© Getty Images/iStockphoto/Sasiistock

Falls die neue Bestattungsmethode in den USA genehmigt wird, können Angehörige den Boden mitnehmen oder in einem Naturpark verstreuen lassen.

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In den USA sollen Leichname nachhaltig beigesetzt werden
Verstorbene sollen in den USA bald kompostiert werden dürfen. Damit soll das, was in lockeren Sandböden rund sieben Jahre benötigt, binnen weniger Wochen mithilfe von Mikroben vollzogen werden - mitsamt Knochen.

Es ist eine neue Alternative zur Beisetzung im Sarg oder zur Einäscherung: In den USA will die Firma "Recompose" in Seattle menschliche Überreste nach dem Vorbild der Natur sanft in Erdreich umwandeln. Die Kompostierung gilt als umwelt- und klimafreundliche Variante zu herkömmlichen Erd- und Feuerbestattungen. Diese verbrauchten wertvolles Land und verunreinigten Luft und Böden - anders als die neue Lösung: "Nach unserem Tod können wir so neues Leben nähren", heißt es.

Politiker im Bundesstaat Washington im Nordwesten der USA arbeiten zurzeit an einem Gesetzesentwurf, um das Kompostieren von Leichnamen zu genehmigen. Die Abstimmung werde im März erwartet, sagt der Abgeordnete und Gesetzes-Coautor Steve Kirby dem Evangelischen Pressedienst (epd). Beim Kompostieren handele es sich um eine natürliche Bestattungsmethode, die wohl Tausende Jahre lang in der Menschheitsgeschichte praktiziert worden sei, betonen die Befürworter in Washington.

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Ungewöhnliche Urnen
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Das gemeinnützige Unternehmen "Recompose" - was in etwa "neu zusammensetzen" bedeutet - hat konkrete Vorstellungen: In einem Abschiedsgebäude für Bestattungszeremonien würden Leichname in kohlenstoffreichem, pflanzlichen Material wie Stroh und Holzspäne in Behältern abgelagert. Sauerstoffzufuhr und Wärme seien wichtig.

Sobald die Kompostierung einsetze, würden die menschlichen Überreste binnen weniger Wochen mithilfe von Mikroben abgebaut - mitsamt den Knochen. Übrig bleibe pro Leichnam etwa ein Kubikmeter Erde. Angehörige könnten den Boden mitnehmen oder in einem Naturpark verstreuen lassen.

Initiatorin des Unternehmens ist die 41-jährige Architektin Katrina Spade. Schon beim Studium habe sie sich mit dem Thema Bestattungen befasst, erklärt Spade im Städte-Informationsdienst citylab.com. Besonders wegen der Umweltkosten und des Ressourcenverbrauchs kritisiert sie die Feuer- und Erdbestattung. Überhaupt: In den US-Landwirtschaft sei die Kompostierung von Tierkadavern gang und gäbe.

So sieht die Vision einer modernen Kompostierungseinrichtung aus von  "Recompose" aus.

Beinahe drei Millionen Menschen sterben jedes Jahr in den USA. Die Bestattungspraxis dort unterscheidet sich sehr von der deutschen. Der Trend geht zur Feuerbestattung, doch noch immer werden Leichname häufig zur Konservierung einbalsamiert. Dabei ersetzt der Bestatter Körperflüssigkeiten durch Chemikalien wie Formaldehyd.

Die Tradition des Einbalsamierens hat ihren Ursprung im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-65), als Menschen fern von zu Hause starben. So konnten die Familien die Gefallenen daheim begraben.

Der Landtagsabgeordnete Kirby sieht die von ihm erhoffte Einführung des Kompostierens - in der Sprache des Gesetzgebers "Natural Organic Reduction" (natürliche organische Verringerung) - pragmatisch als Dienst am Verbraucher: Menschen sollten auch bei Bestattungen eine möglichst große Wahl haben, sagt Kirby. Und in Washington sei die Idee nicht besonders umstritten.

Katrina Spade and Lynne Carpenter-Boggs.

Das Kompostierungsmodell ist vergangenes Jahr in der "Washington State Universität" von der Professorin für organische Landwirtschaft, Lynne Carpenter-Boggs, an sechs Leichnamen getestet worden. Das entstandene Material sei wunderbar gewesen, sagt Carpenter-Boggs in der "Seattle Times". Sie hätte es gerne "nach Hause genommen und im Garten verwendet".

In den USA wachse das Verlangen nach umweltfreundlichen Bestattungen, erklärt Lee Webster, Leiterin eines Verbandes für alternative Begräbnisse im Bundesstaat New Hampshire. Sie halte die Aufbahrung der Verstorbenen zu Hause für menschlicher, sagt sie dem epd. Auf dem Land, wo genug Raum sei für Friedhöfe, spreche allerdings nichts gegen eine einfache Erdbestattung, freilich ohne Betonkiste und schwerem Sarg.

Das Konzept von "Recompose" im Bundesstaat Washington sei großartig, sagt Webster. Es trage dem Umstand Rechnung, dass in vielen Städten der Platz ausgehe für Friedhöfe und Grabstätten.

Webster hat sich auch Gedanken gemacht über Gräber und Gedenken. Für viele ältere Menschen sei die Bedeutung eines solchen Ortes groß. Bei jungen Menschen, der digitalen Generation, sei das vermutlich anders. Sie hätten vielleicht lieber ein Video vom Verstorbenen als einen Grabstein.