Fernsehwochenvorschau: "Jerusalem im Morgengrauen"

360° – Die Geo-Reportage: Jerusalem im Morgengrauen

Foto: ARTE/MedienKontor/Sabine Streckhardt

ARTE, 360° – Die Geo-Reportage: Jerusalem im Morgengrauen. Jerusalem, die Heilige Stadt für Juden, Muslime und Christen im Morgenlicht.

Fernsehwochenvorschau: "Jerusalem im Morgengrauen"
Fernsehwochenvorschau vom 2. bis 8. Februar 2019
Ihre Heilige Stadt sauber zu halten vom Müll ist weder für Sharon noch für Midhat ein alltägliches Geschäft. Ein Film über einen Araber und einen Juden, die sich gegenseitig brauchen. In der "360° Geo Reportage: Jerusalem im Morgengrauen" am 2.2. um 18.25 Uhr auf arte. Und was sich sonst noch im Fernsehen anzuschauen lohnt in der kommenden Woche.

2.2., Arte, 18.25 Uhr: "360° Geo Reportage: Jerusalem im Morgengrauen"

In der Altstadt von Jerusalem leben rund 30.000 Menschen auf engstem Raum; Christen, Juden und Muslime. Sie produzieren täglich Tonnen von Müll. Nachts sind die Gassen vollgestopft mit Plastiksäcken, Kartons und Abfällen, dann ist die Heilige Stadt wahrscheinlich auch eine der dreckigsten. Jedenfalls bis Männer wie Midhat und Sharon ihren Job erledigt haben. Der Araber und der Jude befehligen jeweils eine eigene Truppe von Müllmännern. Sie mögen und sie brauchen sich, denn im jüdischen Viertel kommt Midhat ohne Sharon nicht aus; und umgekehrt. Der Film zeigt ihren Arbeitsalltag: Ein kleiner Traktor kämpft sich frühmorgens die Stufen des muslimischen Viertels hinauf. Ein Mann springt ab und wirft die Säcke auf die Ladefläche des Anhängers. Der Ruf des Muezzins ertönt, dann Glockengeläut. Midhat Abu Hani muss sich beeilen, bald kommen Scharen von Gläubigen und Touristen. Dann ist hier kein Durchkommen mehr. Der Araber ist Chef der motorisierten Müllabfuhr und für zwölf Traktoren verantwortlich, mit denen seine Truppe jeden Tag Unmengen Unrat von den Straßen räumt. Midhats Kollege Sharon ist Chef der Kärchertruppe und einer von 3.000 Juden, die in der Altstadt arbeiten. Er wohnt mittlerweile außerhalb der Stadtmauern, aber aufgewachsen ist er hier zwischen 25.000 Palästinensern, 500 Christen und 1.500 Armeniern. Sharon beherrscht mehrere Sprachen. Das erleichtert ihm das Arbeiten mit seinen meist palästinensischen Kollegen und verschafft ihm Respekt. Für ihn wie für Midhat beginnt die Arbeit am frühen Morgen und endet nicht vor Mitternacht. Besonders heikel ist ihr Job an den Feiertagen der verschiedenen Religionen oder bei unvorhergesehenen Zwischenfällen. Ihre Heilige Stadt sauber zu halten ist weder für Sharon noch für Midhat ein alltägliches Geschäft. Beide sehen ihren Job als persönliche Herausforderung und als Beitrag für ein friedliches Zusammenleben innerhalb der Mauern von Jerusalem.

2.2., Arte, 23.15 Uhr: "Philosophie: Wie wichtig ist Erinnerungskultur?"

Wie kann der Mensch aus der Vergangenheit lernen? Ist es wichtig, die Erinnerung lebendig zu erhalten, oder droht die Geschichte so zum Gefängnis zu werden? Soll man stattdessen nur nach vorn schauen, auf die Gefahr hin, vergangene Fehler zu wiederholen? Was bedeutet es, wenn in Frankreich Statuen von Jean-Baptiste Colbert abgebaut werden, weil der Finanzminister Ludwigs XIV. den Rechtsrahmen für den Sklavenhandel festgelegt hatte? Gerechtigkeit für die Opfer oder Verschleierung einer Vergangenheit, der man sich nicht mehr stellen will? Diesen Fragen widmen sich in dieser Folge von "Philosophie" Olivier Abel, Philosoph und Spezialist für Paul Ricoeur und die Philosophie der Erinnerung, sowie der Rechtsanwalt und Politiker Patrick Devedjian. Abel lehrt Philosophie und Ethik an der Fakultät für protestantische Theologie in Montpellier. In seinem jüngsten Buch widmet er sich der Frage, wie vergangene Konflikte und Vergeltungsgedanken überwunden werden können. Der Liberalkonservative Devedjian steht Erinnerungsgesetzen kritisch gegenüber, setzt sich jedoch für die gesetzliche Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern ein.

4.2., ARD, 23.30 Uhr: "Geschichte im Ersten: Musste Weimar scheitern?"

Vor 100 Jahren, am 6. Februar 1919, trat in Weimar die deutsche Nationalversammlung zusammen. Sie gab dem Deutschen Reich eine moderne demokratische Verfassung. 14 Jahre später kam Hitler an die Macht; die Weimarer Republik war gescheitert. Musste es so kommen, war Hitler unvermeidlich? Es gibt gängige Erklärungen: Die Verfassung war mangelhaft, die Belastung durch den Versailler Vertrag zu groß. Auch die Hyperinflation und die Weltwirtschaftskrise werden oft als Gründe genannt. Im Kern jedoch, heißt es, seien die Deutschen nicht reif gewesen für eine Demokratie. Weimar war ein unerhörter Neuanfang, ein Aufbruch, wurde aber immer vom Ende, vom Scheitern her beurteilt. Der Film von Grimme-Preisträger Andreas Christoph Schmidt ist ein emotionales Plädoyer. Er sucht die Auseinandersetzung und verfolgt dabei das Ziel, jene staatsbürgerlichen Werte, von denen heute oft die Rede ist, greifbar und in ihrem historischen Entstehen verstehbar zu machen. Neue Forschungsergebnisse führen jetzt, nach 100 Jahren, zu einer Neubewertung der Weimarer Epoche. Im Film begründen der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Fabio und die Historiker Gerd Krumeich und Wolfram Pyta sowie der Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel ihre neuen Erkenntnisse. Neben der wiederkehrenden wirtschaftlichen Not stand eine ungeheure Gewaltbereitschaft in der politischen Auseinandersetzung, ein verbreitetes Gefühl der Schmach und Demütigung und die - zehn Jahre nach der Niederlage aufbrechende - Verarbeitung des Kriegstraumas. Der Film zeigt: Nachdenken über Weimar ist immer auch ein Nachdenken über die Demokratie.

4.2., 3sat, 23.55 Uhr: "37 Grad: Mein Haus zieht mit"

Cool, individuell, wildromantisch: Leben auf dem Hausboot, im Camper oder Mini-Haus, das klingt nach Abenteuer und Freiheit. Doch wer lebt dauerhaft in einem so ungewöhnlichen Zuhause? Doro Plutte begleitet drei Familien, die mobil wohnen. Menschen zwischen verrückten Ideen und großen Träumen. Die fünfköpfige Familie, die in einen Camper zieht. Das junge Paar, das ein Haus auf 25 Quadratmetern baut. Den Alltag einer Familie, die auf dem Wasser lebt. Das so ein Dasein mit gewissen Herausforderungen verbunden ist, zeigt das Beispiel von Jill: Sie ist hochschwanger. Eine Tochter haben sie und ihr Mann Ole schon, Kind Nummer zwei kommt in wenigen Wochen. Jill will das Kind zu Hause zur Welt bringen; "zu Hause" ist in ihrem Fall ein Boot. Seit drei Jahren wohnt das Paar in einem kleinen Hafen südlich von Hamburg. In der Großstadt fand es keine Wohnung. Also kauften sie sich einen heruntergekommenen Kahn und bauten ein Haus darauf. Komplett in Eigenregie. Jetzt wohnt die Familie in einem kleinen, roten Hausboot. Was romantisch klingt, ist besonders für Ole aber oft nur Plackerei. Immer geht etwas kaputt, muss der Steg erneuert oder der Rumpf gekittet werden. Und besonders mit dem zweiten Kind wird es bald eng auf dem Boot. Ob ein gewöhnliches Leben in einer Mietwohnung doch die bessere Lösung wäre? Familie Weiser gibt ihre Dreizimmerwohnung dagegen aus freien Stücken auf und zieht in einen Camper. Für die Eltern Julia und Erik bedeutet das vor allem ausmisten. In den nächsten Monaten wird das Leben der Weisers auf engstem Raum stattfinden. Schlafen, essen, arbeiten: alles in einem kleinen, gebrauchten Wohnmobil. Julia und Erik machen sich mit ihren beiden Kindern auf den Weg in Richtung Südfrankreich. Noch gehen die Kleinen nicht zur Schule, und als freischaffende Künstler sind die Eltern räumlich flexibel.
Warum also nicht einfach losfahren? Ausbrechen aus dem Gewöhnlichen und gemeinsame Zeit mit der Familie verbringen? Wenn da nicht das leidige Geld wäre. Daran mangelt es Weisers permanent. Für drei Monate ist ihr Wohnexperiment gesichert, aber dann muss irgendwoher finanzielle Unterstützung kommen, oder ihre Kunst muss Geld abwerfen. Drittes Beispiel sind das Paar Brendan und Sina, 25 und 20. Ein Leben lang das Eigenheim abbezahlen und gebunden sein, so wie es ihre Eltern getan haben: Darauf haben sie keine Lust. Aus den USA kennen sie das Konzept der "Tiny Houses": kleine Häuschen auf Anhängern, in denen es auf engstem Raum alles gibt, was es zum Leben braucht. Die Flexibilität und der Gedanke, auch mit wenig zurechtzukommen, begeistert das junge Paar. Sie haben das Haus komplett am Computer geplant und jedes Detail berechnet. Den Anhänger haben sie schon gekauft, jetzt kommt das Baumaterial, und dann soll es losgehen. Mobil zu leben reizt immer mehr Menschen in Deutschland. Grund dafür ist zum einen der knappe Wohnraum in den Großstädten, zum anderen die Freiheit, die diese Lebensform verspricht: einfach mal den Wohnort wechseln, autark sein, unabhängig, flexibel. Die Dokumentation zeigt, welche Herausforderungen das Leben auf kleinem Raum birgt, und fragt, wie frei es sich wirklich lebt im Camper, Hausboot oder Tiny House.

4.2., BR, 22.00 Uhr: "Lebenslinien: Lange war ich unsichtbar"

Die Ausgabe der Porträtreihe erzählt diesmal von Ursula, heute um die fünfzig. Aufgewachsen ist sie im Münchner Hasenbergl, wo sie eine Kindheit voller Entbehrungen und häuslicher Gewalt erlebte. Wenn das wenige Geld, das der Vater nach Hause brachte, aufgebraucht war, hieß es oft tagelang hungern, bis wieder Essen gekauft werden konnte. Nur im Zusammenhalt mit ihren neun Geschwistern fand sie Liebe. Im Alter von 16 Jahren wurde sie von einem Playboy-Redakteur entdeckt und "Playmate" des Monats Dezember 1977. Eine einmalige Gelegenheit, der brutalen Kindheit, aber vor allem dem Hunger zu entfliehen. Von ihrer ersten Gage lud sie ihre jüngere Schwester Brigitte monatelang täglich zum Hendl-Essen ein. Nach Jahren als zunächst gut verdienendes Fotomodell wurden die Angebote immer "schlüpfriger"; schließlich stieg Ursula aus. Mit ihren Gagen ist sie stets umsichtig umgegangen. Davon profitieren auch ihre Geschwister, die sie oft auf Reisen einlädt. Doch ihre seelischen Verletzungen aus der Kindheit hängen Ursula noch lange nach.

5.2., ZDF, 22.15 Uhr: "37 Grad: Mein letzter Tag im Betrieb"

Früher oder später kommt er für die meisten von uns: der letzte Tag im Betrieb. Der Schreibtisch wird geräumt,  die Bürotür fällt ein letztes Mal ins Schloss fällt. Es beginnt der Ruhestand. Frank Eggers hat drei Menschen beim Übergang zu ihrem neuen Lebensabschnitt beobachtet. Seine Reportage begleitet Menschen aus völlig unterschiedlichen Arbeitswelten und ihr Erleben dieser Zäsur ihres Lebens. Wie sind sie darauf vorbereitet? Wie gehen sie damit um? Was sind ihre Pläne? Dieter Driller van Loo war Schuldirektor in Hemmingen. 1600 Schüler und 150 Lehrer hat die Gesamtschule. Dass Driller die Aufgabe deutlich mehr bedeutete als nur eine berufliche Tätigkeit, wurde an seinem letzten Tag besonders deutlich. Er, der sonst so cool sein konnte, musste heftig schlucken, als ihn die Schüler mit einer großen Feier verabschiedeten. Für den Ruhestand hat er nun viele Pläne: Mehr Zeit für die Familie, Sport und Musik stehen auf dem Programm. Einen alten Bus will er sich zulegen und mit einem Freund auf Tour gehen, Straßenmusik machen. Aber es kommt erst einmal anders als geplant. Annemarie und Hans-Werner Broderius führten jahrzehntelang ein Restaurant in Arnis an der Schlei. Irgendwann mussten sich schweren Herzens von ihrer "Schleiperle" verabschieden, und das nicht nur, weil sie das Restaurant altersbedingt nicht mehr führen konnten:. Dem Traditionslokal, das schon den Eltern von Hans-Werner gehörte, fehlte ein Nachfolger aus der Familie. Der Sohn wohnt weit weg mit seiner Familie und hat andere berufliche Interessen. Doch der Verkauf des schmucken Holzhauses, das auf einem Steg in die Schlei gebaut ist, gestaltete sich schwieriger als erwartet. Schließlich fand sich ein Käufer, aber der Moment des Abschieds war ein Stich ins Herz von Annemarie und Hans-Werner. Bis heute vermeiden sie es nach Möglichkeit, dort vorbeizufahren. Dritte Protagonistin ist Tamara Preiß. Sie arbeitete zuletzt in der Produktion elektronischer Bauteile eines schwäbischen Industrieunternehmens, hat aber ein facettenreiches Berufsleben hinter sich: Die gebürtige machte eine Ausbildung zur Maßschneiderin, danach arbeitete sie viele Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff. Nach der Wende zog sie als Alleinerziehende mit ihren beiden kleinen Kindern nach Baden-Württemberg. Dort begann sie einen Neuanfang in einem schwäbischen Familienbetrieb. Nach dem Start in der Produktion hat sie sich mit den Jahren zur Teamverantwortlichen hochgearbeitet. Das Ende des Jahres 2018 wurde für sie zur Lebenszäsur, denn mit dem neuen Jahr gehört auch sie zur Schar der Ruheständler. Pläne hat sie viele. Doch wie geht es wirklich weiter? Wie lange bleibt die Gesundheit noch so erhalten, dass all die Ideen umgesetzt werden können? Der Film macht deutlich, dass der Ruhestand auch eine entscheidende Frage immer mehr in den Mittelpunkt des Lebens rückt: Wie viel Zeit bleibt noch für all das, was man immer schon mal machen wollte, aber wofür die Arbeit einfach keine Zeit ließ?

5.2., MDR, 21.00 Uhr: "Weimar 1919 - Wiege und Bahre der Demokratie"

Die Weimarer Republik hätte auch "Deutsche Republik" heißen können. Der Name war ein Dank an die Weimarer und eine Verneigung vor dem Geist der Klassik. Ausgerechnet in Weimar begann allerdings auch das Ende der Weimarer Republik, und zwar schon vor Hitlers Machtergreifung: Bereits 1932 kam die NSDAP an die Macht, gewählt als Mehrheit im Thüringer Landtag. Die Weimarer Bürger plagten vor hundert Jahren die gleichen Sorgen wie alle Deutschen, vor allem Wohnungsnot und politische Anarchie. Aber dann rollten über vierhundert Abgeordnete an, eine logistische Herausforderung. Ob Bahnhof, Telegrafenamt, Flugplatz, Volkshaus und das Theater: Die ganze Stadt war eingebunden. Heute erinnert sich die Stadt an die erste deutsche Demokratie, mit Workshops, Ausstellungen und Aufführungen. Ute Gebhardts Film verknüpft die Spurensuche an den Schauplätzen der Nationalversammlung mit Gesprächen über Demokratie, ihre künftigen Chancen und ihre Bedrohung.

5.2., Tagesschau24, 21.30 Uhr: "Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl"

Seit ihrem 16. Lebensjahr hat einen Traum: Sie will fliegen wie ein Vogel. Nach 2000 Fallschirmsprüngen kauft sie sich einen "Wingsuit", einen Anzug mit kleinen Flügeln. Damit springt sie nicht nur aus Flugzeugen, sondern auch von Brücken und Bergen. In der Schweiz kommt es zur Katastrophe: Sie knallt gegen einen Felsen und landet querschnittgelähmt auf der Intensivstation. Susannes Pläne lösen sich auf. Doch dann erinnert sie sich an ihr bisheriges Lebensmotto "Unmögliches gibt es nicht". Deshalb revoltiert sie gegen Reha-Maßnahmen, die sie nur auf ein Leben im Rollstuhl vorbereiten wollen. Leichte Zuckungen in ihren Beinen machen ihr Hoffnung. Überzeugt, dass nur sie selbst sich heilen kann, trainiert sie unermüdlich. Tatsächlich gelingt es ihr, in ihren leblos wirkenden Beinen einzelne Muskeln wieder zu reaktivieren. Auch wenn sie noch nicht auf den Rollstuhl verzichten kann, trotzt sie ihrer Behinderung und schafft es Schritt für Schritt zurück in ihr früheres Leben. Und sie lässt keinen Zweifel daran: Sie will wieder fliegen.
Max Kronawitter hat den Versuch Susannes begleitet, sich aus dem Rollstuhl zu befreien, um wieder schwerelos durch die Luft zu gleiten.

6.2., WDR, 23.25 Uhr: "Wenn Gott schläft - Eine Liebesgeschichte in Zeiten der Angst"

Der Film erzählt die Geschichte des in Köln lebenden iranischen Musikers Shahin Najafi, der zum Untertauchen gezwungen wird, als religiöse Fundamentalisten 100.000 Euro auf seinen Kopf aussetzen. Er riskiert dennoch alles, um wieder auf die Bühne zurückzukehren, und verliebt sich ausgerechnet in eine Frau, deren Familie einst mit dem Regime verbunden war, dessen Schergen ihm heute nach dem Leben trachten. Der Film behandelt das Thema der künstlerischen Freiheit, das nicht zuletzt durch das Attentat auf "Charlie Hebdo" und die November-Anschläge auf mehrere Hundert Zivilisten in Paris weiter an Bedeutung gewonnen hat. Darüber hinaus erzählt Regisseur Till Schauder vom religiösem Fundamentalismus und dem Verlust der Heimat; außerdem geht er der Frage nach, wie sehr ein Mensch bereit ist, für seine Überzeugungen seine Existenz zu riskieren.

6.2., BR, 19.00 Uhr: "Stationen: Kein Geld – und jetzt?"

Mal kündigt sich die Misere lange an, mal ist sie ein plötzlicher Schock: Plötzlich ist kein Geld mehr da, weil die Rente doch nicht reicht, die Miete steigt, die Firma Stellen streicht oder gar in Konkurs geht. Staat, Kommunen und Kirchen halten zahlreiche Hilfsmöglichkeiten bereit, aber es braucht Kraft und Orientierung, sich im Dschungel der Hilfsstellen und Anträge zurechtzufinden. Und es gilt, die Scham zu überwinden, die mit dem Geldmangel oft Hand in Hand geht. Andere müssen das Platzen eines Lebenstraums verarbeiten, das Scheitern einer großen Hoffnung. Moderatorin Irene Esmann erzählt von Menschen, die sich durchbeißen: mit wenig auskommen, sich Hilfe holen, für ein besseres Leben kämpfen; oder dafür, dass Arme Rechte bekommen und nicht nur Reste.

6.2., SWR, 21.00 Uhr: "Die Bleifuß-Pilger"

Einmal im Jahr zieht es die beiden Ruheständler Ute und Michael Tamm mit dem Wohnmobil in den Süden. Dieses Mal auf der Route der Jakobspilger vom französischen Wallfahrtsort St. Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen bis Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens. Es ist keine schweißtreibende Pilgertour zu Fuß in der spanischen Sommerhitze; die Rentner bewältigen den legendären "camino frances" komfortabel auf vier Rädern. Und das nicht allein, sondern in einer Gruppe mit anderen Wohnmobil- und Wohnwagenfans. Dabei geht es allen Teilnehmern weniger um die religiösen Aspekte der seit dem Mittelalter berühmten Strecke als um das gemeinsame Erleben von historischen Kunst- und Bauwerken, um die Erfahrung der großartigen Landschaften oder auch um Vogelbeobachtung. Bloß: Wie kommt man als Bleifuß-Pilger zu seinem täglichen Wallfahrtsstempel für den mitgeführten offiziellen Pilgerpass? Als Pilger auf dem Jakobsweg gilt streng genommen nur, wer behaupten kann, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Pferd unterwegs zu sein, und da darf nicht geschummelt werden. Die Autoren Tilo Knops und Kirsten Waschkau begleiten die Pilgertruppe durch den Norden Spaniens und erleben mit, wie sie sich durchschlagen, durch Berge und Weinanbaugebiete, wie sie die alten Königstädte Pamplona, Burgos und Leon passieren und schließlich ins grüne galizische Bergland eintauchen, bis sie ans Ziel aller Pilger kommen: Santiago de Compostela, wo der Besuch einer Pilgermesse die Reise krönend abschließt.

6.2., HR, 21.45 Uhr: "Echtes Leben: Frauen für alle Fälle"

Christa Wiedenmann ist 65. Sie kümmert sich um den Haushalt und um das zwanzig Monate alte Kind einer krebskranken Mutter kümmert, während diese eine Chemotherapie macht. "Meine Aufgabe ist, dass ich den Menschen, denen ich begegne, Mut mache in ihrer Situation", sagt
Dorfhelferin Wiedemann. Dorfhelferinnen sind Mutmacherinnen, Alleskönnerinnen und Krisenmanagerinnen auf Zeit. Sie sind im Haushalt und auch im Bauernhof im Einsatz, wenn eine Bäuerin ausfällt oder sie springen dort ein, wo eine Mutter schwer erkrankt ist und für ihre Kinder nicht alleine sorgen kann. Alle paar Wochen haben sie einen neuen Einsatz und müssen von jetzt auf gleich eine neue Familie managen, mit allem Drum und Dran: kochen, Kinder betreuen, waschen, putzen, melken, Brot backen und - wenn es nötig ist - sogar Hochzeitsfeste vorbereiten. Doch dieser fast klischeehafte "Frauenjob" ist nur die Fassade ihrer Arbeit: "Ich bin diejenige, die die Normalität im Haus hält, wenn überall sonst Not herrscht", sagt Dorfhelferin Sabine Reuß, 37, die in einem Bauernhof im Nordschwarzwald für eine verletzte Bäuerin einspringt. Der Film von Antonella Berta begleitet die beiden Frauen des Evangelischen Familienpflege- und Dorfhelferinnenwerks in Württemberg e. V. vor und nach der Arbeit und gibt Antwort auf die Fragen: Wo ist ihr Kompass in den immer neuen Krisensituationen, die sie managen müssen? Und wo bekommen die Dorfhelferinnen den Halt her für die immer neuen Tätigkeiten?

7.2., Arte, 23.50 Uhr: "Kreuzweg"

Dietrich Brüggemanns Drama erzählt die Geschichte der 14jährigen Maria (Lea van Acken), die mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern in einer Kleinstadt in Süddeutschland lebt. Die Familie ist streng katholisch und gehört zur Gemeinde der fiktiven Priesterbruderschaft St. Paulus. Diese Gemeinschaft lehnt alle Reformen ab, die seit den Sechzigerjahren in der Kirche durchgeführt wurden, und vertritt einen strengen Glauben, wie er angeblich seit jeher gelehrt wurde. Es ist ein einfaches, klares System, das durch seine Radikalität keinerlei Raum für individuelle Entfaltung lässt. Im Firmunterricht folgt Maria den Ausführungen des Pfarrers. Er erzählt seinen Zöglingen vom Wert des Opfers, von ihrer besonderen Stellung als Soldaten Jesu Christi und von Auserwählten, deren Heiligkeit schon im Kindesalter klar zutage träte und die dann von Gott oft sehr früh heimgeholt würden. Dieser Gedanke fällt bei Maria auf fruchtbaren Boden. In diesen heiligen Kindern findet sie klare Identifikationsfiguren. Opferbereitschaft ist für sie die reinste Form, ihren Glauben zu zeigen. In Marias Familie herrschen ebenso strenge Regeln wie in der Kirche: Die herrische Mutter (Franziska Weisz) maßregelt ihre älteste Tochter ununterbrochen, weil sie befürchtet, Maria könnte ihr entgleiten. Der schweigsame Vater wird ebenfalls von der Mutter dominiert. Die drei jüngeren Geschwister bleiben von den Launen der Mutter weitgehend verschont. Der jüngste, Johannes, leidet unter einer seltsamen Krankheit und spricht nicht. Marias Verhältnis zu ihm ist innig. Ihr sehnlichster Wunsch ist, ihn heilen zu können. Nach vielen verwirrenden und zum Teil traumatisierenden fasst das Mädchen einen fatalen Entschluss: Es will sich opfern, um den Bruder zu retten. "Kreuzweg" wurde 2014 bei der Berlinale mit einem "Silbernen Bären" sowie dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.

7.2., WDR, 22.40 Uhr: "Menschen hautnah: Komm zur Welt, auch wenn Du stirbst"

Alles läuft zunächst so, wie es Leslie und Tobias sich vorgestellt haben: Nach der Hochzeit wird Leslie schwanger. Sechs Monate lang sind sie überglücklich. Doch dann erfahren die Eltern bei einer Ultraschalluntersuchung, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt. Zunächst ist nur von "Auffälligkeiten" die Rede. Nach der Fruchtwasseruntersuchung steht fest: Ihr Kind, das sie Lou nennen, hat Trisomie 13, eine schwere Chromosomenstörung, die unheilbar ist. Ihre Lebenserwartung ist gering, vielleicht wird sie sogar schon im Mutterleib sterben. Die Ärzte raten zu einer Abtreibung. Bei einer solchen Diagnose entscheiden sich die meisten Eltern für einen Schwangerschaftsabbruch. Leslie und Tobias machen es anders. Sie wollen Lou kennenlernen. Lou soll geboren werden, aber keine lebensverlängernden Maßnahmen erhalten, nur Medikamente gegen die Schmerzen. Eine sogenannte palliative Geburt. Wie lange Lou leben wird, ist ungewiss. Ein paar Stunden oder vielleicht auch ein paar Wochen nach der Geburt, sagen die Ärzte. Wie halten Leslie und Tobias diese extreme Ungewissheit aus? Werden ihre Kräfte reichen, um diesen Weg bis zum Ende zu gehen? Julia und Mario sind den palliativen Weg bereits gegangen. Ihre Tochter Lilli hatte ebenfalls eine tödliche Chromosomenstörung. Nach der Geburt durften Julia und Mario sie noch 30 Minuten lebend in den Armen halten. Dann ist sie gestorben. Im Kinderhospiz konnte sich das Paar von ihrer Tochter verabschieden - eine Zeit, für die sie heute unendlich dankbar sind. Julia wird danach schnell wieder schwanger. Ihr kleiner Merlin ist gesund und entwickelt sich gut. Doch bei aller Freude darüber wollen Julia und Mario ihr erstes Kind nicht vergessen. Durch die kostbaren Momente, die sie mit Lilli erleben durften, bleiben sie mit ihr verbunden. Christian Pietscher hat die beiden Paare in diesen sehr intimen Lebensphasen ein halbes Jahr lang begleitet. Im Anschluss zeigt der WDR das ungemein traurige und trotzdem nicht deprimierende Drama "Nur eine Handvoll Leben" (23.25 Uhr), das eine ganz ähnliche in Spielformform erzählt.

7.2., HR, 0.00 Uhr: "Von Muslim zu Muslim"

Die Muslime tun nichts gegen die voranschreitende Radikalisierung ihrer Glaubensbrüder? Das stimmt nicht, wie Niko Apel zeigt: Mustapha Lamjahdi aus Frankfurt am Main und Ron Weber aus Berlin haben den Kampf längst aufgenommen. Tag für Tag stellen sie sich den Radikalisierungsprozessen in Schulen und Moscheegemeinden entgegen. Der Film gibt Einblicke in einen innerislamischen Diskurs, der der deutschen Mehrheitsgesellschaft sonst verschlossen bleibt: mittendrin im Kampf um die Köpfe und Herzen der nächsten Generation von Muslimen in Deutschland. "Der Islam ist, was die Muslime daraus machen", sagt Apel. "Ich hatte es satt, immer nur zu hören, wie Politiker und sogenannte Islamexperten über Islam und Salafismus debattieren. Ich wollte mit der Kamera dabei sein, wenn junge Muslime in Deutschland selbst um die Zukunft ihrer Religion ringen."