Seemannsmission kritisiert Rückzug aus EU-Mission "Sophia"

Mission "Sophia" zur Rettung von Bootflüchtlingen im Mittelmeer

© Mohssen Assanimoghaddam/dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Von der Seemannsmission gibt es heftige Kritik daran, dass kein deutsches Schiff mehr für die Mission "Sophia" zur Rettung von Bootflüchtlingen im Mittelmeer entsendet wird.

Seemannsmission kritisiert Rückzug aus EU-Mission "Sophia"
Die Bundesregierung hat erklärt, vorerst kein Schiff mehr für die Mission "Sophia" zur Rettung von Bootflüchtlingen im Mittelmeer zu entsenden. Die Deutsche Seemannsmission kritisiert das. Im Rahmen der Einsätze wurden seit 2015 rund 22.500 Menschen gerettet.

 

Die Deutsche Seemannsmission mit Sitz in Bremen kritisiert wie der Verband Deutscher Reeder den weitgehenden Rückzug der Bundesregierung aus der EU-Mission "Sophia", die Zehntausende Menschen im Mittelmeer aus Seenot gerettet hat. "Die EU muss eine Lösung finden für die menschlich und politisch so wichtige Frage der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer", sagte Präsidentin Clara Schlaich. Der Rückzug führe dazu, dass noch weniger Schiffe zur Verfügung stünden, um Flüchtlinge in Seenot zu retten.

Dann seien meist wieder die Handelsschiffe die einzigen Schiffe in der Nähe und damit nach internationalem Seerecht zur Rettung verpflichtet, erläuterte Schlaich. Der Hamburger Seemannspastor Matthias Ristau ergänzte, für die Seeleute seien solche Rettungseinsätze eine große Belastung. "Vor allem, weil die hochbordigen Frachtschiffe für diese Art der Rettung kaum geeignet sind."

Wenn dann die schwierige Rettung gelinge, sei es belastend und inakzeptabel, wenn kein Hafen bereit sei, die Geretteten aufzunehmen. "Die Seeleute stehen in dem Dilemma, entgegen internationalem Seerecht einfach vorbeizufahren oder als Schlepper von Behörden wie beispielsweise in Italien kriminalisiert zu werden", kritisierte Ristau.

Dem Protest von Reederverband und Seemannsmission schließt sich die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs an. "Wir brauchen dringend koordinierte und professionelle Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer." Auch wenn "Sophia" ursprünglich nicht zur Hilfe für Flüchtlinge begründet worden sei, habe sie faktisch Tausende von Menschenleben gerettet.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums hatte erklärt, die Marine stelle nach dem planmäßigen Ausscheiden der Fregatte "Augsburg" Anfang Februar vorerst kein neues Schiff für "Sophia". Der jetzige Schritt bedeute kein Ende des Engagements: "Wir brechen das nicht ab."

Deutschland hat mit seinen Schiffen im Rahmen von "Sophia" seit 2015 dem Verteidigungsministeriums zufolge rund 22.500 Menschen aus Seenot gerettet. Der Reeder-Geschäftsführer Ralf Nagel sagte, aus Sicht der Handelsschifffahrt seien die Crews nicht für die Aufnahme von Dutzenden oder gar Hunderten Menschen ausgebildet und Frachtschiffe auch nicht entsprechend ausgerüstet.

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