Missbrauchsskandal: Deutsche Bischöfe rufen zu Erneuerung auf

Rainer Maria Kardinal Woelki

© Marius Becker/dpa

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki entschuldigte sich in seiner Silvesterpredigt noch einmal bei allen Missbrauchsopfern.

Missbrauchsskandal: Deutsche Bischöfe rufen zu Erneuerung auf
In ihren Silvesterpredigten äußern sich katholische Bischöfe bestürzt und selbstkritisch über die Missbrauchsfälle in der Kirche. Der Kölner Kardinal Woelki entschuldigt sich erneut bei den Opfern.

Katholische Bischöfe haben sich zum Jahreswechsel beschämt über die Missbrauchsfälle in der Kirche geäußert und ihren Willen zur Aufarbeitung bekräftigt. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki entschuldigte sich in seiner Silvesterpredigt am Montagabend im Köln Dom noch einmal bei allen Opfern: "Wir haben hier Schuld und Versagen einzugestehen." Der Aachener Bischof Helmut Dieser nannte die Ergebnisse der Missbrauchsstudie der katholischen Kirche "tief erschütternd und beschämend".

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte im September eine Studie veröffentlicht, wonach zwischen den Jahren 1946 und 2017 insgesamt 3.677 Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche wurden. Es fanden sich Hinweise auf 1.670 beschuldigte Kleriker.

"Versagen, Verschweigen und Vertuschen"

Woelki sagte, die Studie habe gezeigt, dass Verantwortliche in der Kirche Betroffenen nicht geglaubt hätten, sondern eher bereit waren, die Institution Kirche zu schützen. "Das tut mir von ganzem Herzen weh und leid", sagte der Kölner Erzbischof laut Predigttext. Deshalb wolle er sich am letzten Tag des Jahres noch einmal für alles "Versagen, Verschweigen und Vertuschen" entschuldigen. Er versprach, alles dafür zu tun, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen könnten.

Auch Dieser betonte in seiner Silvesterpredigt im Aachener Dom: "Wir wollen uns der Wahrheit stellen." Neben der Aufklärung unter Einbeziehung der Betroffenen gehe es auch um eine systematische Prävention auf allen kirchlichen Ebenen.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn sagte in seiner Predigt, er habe Verständnis dafür, dass manche Menschen die Kirche aufgrund der Missbrauchsfälle verließen. Er bat aber zu prüfen, ob dies wirklich der richtige Schritt sei. Jeder könne dazu beitragen, durch seinen Einsatz und seine Solidarität die Kirche zu reinigen und zu heilen, appellierte der Bischof laut Redetext.

Eine strahlende Kirche und der Schmerz der Opfer

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann rief angesichts des Skandals zum Abschied von überkommenen Kirchenbildern auf. "Oft genug war der Preis für das strahlende Bild von der Kirche der verschwiegene Schmerz und die stille Enttäuschung der Opfer", sagte Ackermann am Montagabend in seiner Silvesterpredigt im Trierer Dom: "Ein hoher, ein zu hoher Preis."

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode verurteilt die Missbrauchsfälle ebenfalls scharf. Das vergangene Jahr habe gezeigt, "welche Grenzen, Verfehlungen, ja, Verbrechen es in der Kirche gibt", sagte der katholische Theologe in seiner Silvesterpredigt im Osnabrücker Dom: "Beschämt und erschüttert stehen wir vor den Fakten." Wut und Frustration hätten selbst den innersten Kern der Gemeinden und die engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergriffen.



Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf appellierte, sich der Verantwortung gegenüber den Missbrauchsopfern zu stellen. "Im Bistum gehen wir weiter konkrete Schritte zu einer Aufarbeitung und einer tieferen Einsicht in die Verbrechen und dem System, das diese Taten mit ermöglicht hat und möglicherweise noch immer ermöglicht", sagte er laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript in seiner Silvesterpredigt im Mainzer Dom. Fragen "nach geistlicher Macht und den spezifischen Bedingungen der Kirche" dürfe nicht ausgewichen werden.