Mainzer Bischof: Kirchliche Machtansprüche beschränken

Mainzer Bischof: Kirchliche Machtansprüche beschränken
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat zum Jahreswechsel eine Selbstbeschränkung kirchlicher Machtansprüche angemahnt. Es gehe um die Frage, ob man den Menschen zugestehe, "mit Hilfe des Wortes Gottes und auch mit Hilfe seelsorglicher Begleitung zu eigenen Entscheidungen zu kommen", schreibt Kohlgraf in einem Beitrag für den "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag).

Der gebürtige Kölner warnte davor, die Kirche mit Jesus Christus gleichzusetzen. Dann nämlich werde sie unangreifbar und ihre Amtsträger seien jeder Kritik enthoben. "Ich spüre deutlich, dass wir das nicht mehr einfach so sagen können", betonte Kohlgraf.

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Bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs ist die evangelische Nordkirche eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Jahren deutlich voran gekommen. Die Fachkommission habe bislang rund 70 Fälle bearbeitet, sagte Bischöfin Kirsten Fehrs.
Bischöfin Kirsten Fehrs
"60 Jahre ist ein tolles Alter", sagt die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs vor ihrem runden Geburtstag am 12. September. Seit zehn Jahren ist sie in der Nordkirche im Amt. In der EKD engagiert sie sich bei der Missbrauchs-Aufarbeitung.


Angesichts mancher Erfahrungen der letzten Monate habe er auch persönlich oft Macht- und Hilflosigkeit gespürt, sagte der ehemalige Mainzer Theologieprofessor, der 2017 die Nachfolge von Kardinal Karl Lehmann an der Spitze des Bistums Mainz angetreten hat. "Das Thema sexualisierter Gewalt in der Kirche und der Umgang mit anderen Fragen stellen auch meinen persönlichen Glauben auf den Prüfstand", sagte Kohlgraf. "Die menschliche und dunkle Seite der Kirche habe ich nie so hautnah erlebt wie in den Monaten als Bischof."