"Glückauf" zum Ende des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet

Abschiedsgottesdienst Steinkohlenbergbau

Foto: epd-bild/Harald Oppitz/KNA

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom haben die Kirchen in Nordrhein-Westfalen am Donnerstag, den 20.12.2018, Abschied vom Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet und in Deutschland genommen.

"Glückauf" zum Ende des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet
Ökumenischer Gottesdienst im Essener Dom
Stolz, Trauer und der Blick nach vorn: In einem bewegenden Gottesdienst der Kirchen in Nordrhein-Westfalen wurde Abschied vom Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet genommen.

Rund 900 Menschen haben am Donnerstagabend in einem ökumenischen Gottesdienst in Essen Abschied vom Steinkohlebau genommen. In einer Dialogpredigt riefen der rheinische Präses Manfred Rekowski und der Essener Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck dazu auf, die über 200 Jahre gewachsene Kultur der Solidarität unter Bergleuten für den heutigen gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewahren. "Diese Haltung unter Tage, die brauchen wir auch über Tage, wenn der Bergbau zu Ende geht", sagte der rheinische Präses. Bischof Overbeck hob das Vertrauen und die Solidarität unter den Bergleuten hervor.

"Gemeinsam können wir alles schaffen"

Für die Kumpel sei immer klar gewesen, dass alle gleich viel wert seien und nur gemeinsam wieder rauskämen, sagte Rekowski. Der Bergarbeitergruß "Glück auf!" sei für ihn ein Friedenswunsch, der bedeute: "Möge Gott dich bewahren", sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Der Essener Bischof Overbeck sprach sich dafür aus, die unter Bergleuten selbstverständliche und lebensnotwendige Haltung des gegenseitiges Vertrauens lebendig zu erhalten. "Jeder Bergmann wusste: Ohne den anderen bin ich nichts, gemeinsam können wir alles schaffen", sagte Overbeck. Diese Haltung von Vertrauen, Solidarität und sozialem Zusammenhalt habe sich auch jetzt zum Ende des Steinkohlebergbaus gezeigt: Für viele habe es einen sozialverträglichen Stellenabbau, gerechte Vorruhestandregelungen oder Umschulungen gegeben.

Einer der Höhepunkte des Gottesdienstes war eine Prozession von Bergleuten in traditioneller Uniform, die eine Statue der heiligen Barbara auf ein Podest mit Kohlestücken im Altarraum stellten. Die Darstellung der Schutzheiligen der Bergleute wurde nur für wenige Stunden aus 1.200 Metern Tiefe von der 7. Sohle des Bergwerks Prosper Haniel in Bottrop geholt. Hier sollte am Freitag symbolisch die letzte Kohle vor der endgültigen Schließung im Ruhrgebiet gefördert werden. In einem Gebet dankten Bergleute nicht nur für Segen und Wohlstand durch die Kohle, sondern gedachten auch der verunglückten Kumpel. Anfang der Woche starb ein 29-Jähriger bei einem Grubenunfall in Ibbenbüren.

Strukturwandel ist Herausforderung für die Kirche

Auch Präses Rekowski erinnerte an die Schattenseiten des Bergbaus. "Viele Menschen haben einen hohen Preis für unseren Wohlstand bezahlt", sagte er und erinnerte an Grubenunglücke, Unfälle und unheilbare Krankheiten wie Staublunge. Daneben seien die Ewigkeitslasten- und Kosten der stillgelegten Zechen zu bezahlen. "Das heißt, da ist noch eine ganze Menge zu tun." Bischof Overbeck verglich den Strukturwandel des Ruhrgebiets mit dem in den Kirchen. Sie müssten lernen Kirche zu sein in einer postindustriellen und säkularisierten Gesellschaft.



Neben kirchlichen Würdenträgern wie der westfälische Präses Annette Kurschus und dem Münsteraner Bischof Felix Genn nahmen neben zahlreichen Bergleuten auch viele Vertreter aus Bergbau und Politik an dem ökumenischen Gottesdienst teil. Darunter NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und seine Amtsvorgänger Hannelore Kraft (SPD), Jürgen Rüttgers (CDU) und Wolfgang Clement (SPD) sowie RAG-Vorstand Peter Schrimpf. Nach der Feier zogen die Gottesdienstbesucher zusammen mit Bergknappen vom Dom durch die Essener Innenstadt zur evangelischen Kreuzeskirche, wo der Abend mit einem Empfang der evangelischen Kirche endete.

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