Erinnerungskultur: Steinmeier lenkt Blick auf Demokratiegeschichte

Bundespräsident Steinmeier würdeigte anlässlich des Tages des Ehrenamtes insgesamt 14 Frauen und 14 Männer.

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Unter dem Motto "Zukunft braucht Erinnerung" würdigt Bundespräsident Steinmeier anlässlich des Tages des Ehrenamtes insgesamt 14 Frauen und 14 Männer für herausragendes Engagement für die Gedenk- und Erinnerungskultur in Deutschland mit dem Verdienstorden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat erneut für einen aufgeklärten, demokratischen Patriotismus geworben. Bei der Verleihung von Verdienstorden an Bürger, die sich für die Erinnerungskultur in Deutschland und in Nachbarländern einsetzen, sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin, ein solcher Patriotismus werde aus der Demokratiegeschichte gespeist. Er wünsche sich noch mehr Aufmerksamkeit, Herzblut und finanzielle Mittel für die Erinnerung an die Freiheits- und Demokratiebewegungen in der deutschen Geschichte.

Wie schon in seiner Rede zum 9. November machte der Bundespräsident deutlich, dass sich die Erinnerung an das, was in der deutschen Geschichte geglückt sei, und an den Zivilisationsbruch im Nationalsozialismus nicht ausschließen: "Wir können stolz sein auf diese Traditionen von Freiheit und Demokratie, ohne den Blick auf den Abgrund der Schoah zu verdrängen", sagte Steinmeier laut vorab verbreitetem Redemanuskript.

Für die nationalsozialistischen Verbrechen gelte: "Es gibt kein Ende des Erinnerns!" Die Erinnerung an die Schoah sei weder Schande noch Schwäche, sagte der Bundespräsident. Sie stärke die Sensibilität für die Würde des Menschen. Nicht nur der Antisemitismus werde daher entschlossen bekämpft. Die Lektion aus der Geschichte sei erst begriffen, sagte Steinmeier, wenn keine Minderheit mehr diskriminiert werde und Deutschland sich dem Leid stelle, das es im Kolonialismus über Menschen in Afrika gebracht habe: "Hier liegt noch manche Arbeit vor uns."



Der Bundespräsident zeichnete 14 Frauen und 14 Männer aus, die sich in besonderer Weise um die Erinnerungskultur verdient gemacht haben, darunter Wissenschaftler, Zeitzeugen und Aktivisten lokaler Geschichtsarbeit. Zwei der Geehrten kommen aus Frankreich und Tschechien.