Württembergische Landeskirche will besser vor Missbrauch schützen

Missbrauch in der Kirche

Bild: dpa/Friso Gentsch

(Symbolbild)

Württembergische Landeskirche will besser vor Missbrauch schützen
Die Kirchenleitung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg will der Missbrauchsprävention mehr Aufmerksamkeit widmen. Es seien weitere Anstrengungen erforderlich, um den Schutz der Opfer institutionell zu verbessern und die eigenen Mitarbeitenden noch stärker zu sensibilisieren, sagte Landesbischof Frank Otfried July im Bericht des Oberkirchenrates zur Strategischen Planung am Montag vor der württembergischen Herbstsynode in Stuttgart.

"Wir stellen uns dem Leid und Schmerz derer, die im Raum der Kirche und Diakonie Schmerz und Gewalt erfahren haben", sagte July. In der württembergischen Landeskirche gebe es seit drei Jahren eine unabhängige Kommission, an die sich über 100 Betroffene gewandt hätten. 94 dieser Fälle seien anerkannt worden, von ihnen kämen neun aus der Landeskirche und 85 aus der Diakonie. Er hoffe, dass noch mehr Betroffene den Mut hätten, selbst einen Antrag zu stellen.

Betroffene stärken

In der Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus und der AfD sei es wichtig, dass sich die Kirche zu Wort meldet, wie es beispielsweise bei dem geplanten Portal der AfD zur Meldung von Lehrern geschah. "Hier bedarf es weiter großer Wachsamkeit und nötigenfalls klarer kirchlicher Stellungnahmen, wenn elementare Grundsätze des christlichen Menschenbildes infrage gestellt werden", betonte der Bischof.

Nach Angaben des Bildungsdezernenten der Landeskirche, Norbert Lurz, sind ein Viertel aller Schüler, die am evangelischen Religionsunterricht in Baden-Württemberg teilnehmen, nicht getauft - in Berufsschulen sei die Zahl der konfessionslosen Religionsschüler sogar noch höher. "Mit dem Religionsunterricht strahlen wir in die Gesellschaft hinein zu Menschen, die wir sonst nicht erreichen würden", sagte er.

Für landeskirchliche Projekte schlug Landesbischof July ein Moratorium vor. Statt die bereits grenzwertig große Zahl an Projekten weiter zu erhöhen, brauche es "ein Durchatmen, um Energien an der richtigen Stelle freizumachen", hieß es in seinem Bericht zur Strategischen Planung. Der Evangelische Oberkirchenrat wäre "selbst dann, wenn nichts Neues mehr dazu käme, nach Einschätzung des Kollegiums zwei Jahre vollauf damit beschäftigt, die bereits beschlossenen Maßnahmen und Projekte abzuarbeiten", ergänzte Oberkirchenrats-Direktor Stefan Werner.

Mit der Schaffung einer "mittleren" Verwaltungsebene zwischen den Kirchengemeinden und der Kirchenleitung könnten in Zukunft die Pfarrerinnen und Pfarrer von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Pro Region soll es eine einzige mittlere Ebene mit mindestens 14 Vollzeitstellen geben, die aus den derzeitigen großen Kirchenpflegen und Kirchlichen Verwaltungsstellen gebildet wird, sagte Direktor Werner. Diese "mittlere Ebene" könnte Aufgaben wie Personalwesen, Finanzwesen und Bewirtschaftung der Immobilien übernehmen, so der Vorschlag, der sich bei den zahlreichen Beteiligten des Projektes bisher durchgesetzt habe. Bei den Veränderungen der Verwaltung werde niemand seinen Job verlieren, betonte Werner.

Die Herbsttagung des Kirchenparlaments der württembergischen Landeskirche geht bis Donnerstag. Auf der Tagesordnung stehen der Haushalt für 2019, der PfarrPlan 2024 sowie die Einbringung eines Gesetzentwurfs zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.