Bischof Hein: Ethikrat ist "Labor für gesellschaftliche Diskussionen"

Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

© epd-bild/Norbert Neetz

Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, ist turnusgemäß aus dem Deutschen Ethikrat ausgeschieden.

Bischof Hein: Ethikrat ist "Labor für gesellschaftliche Diskussionen"
Der turnusgemäß aus dem Deutschen Ethikrat ausgeschiedene kurhessische Bischof Martin Hein hat die gesellschaftliche Bedeutung des Gremiums gewürdigt. "Gäbe es den Ethikrat nicht, müsste man ihn erfinden", sagte er am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). In den Beratungen des 26-köpfigen Gremiums spiegelten sich die gesellschaftlichen Debatten wider. Der Ethikrat sei eine Art "Labor für gesellschaftliche Diskussionen", sagte Hein.

Besonders bewegt hätten ihn im Ethikrat, dem er seit 2014 angehörte, die Diskussionen zum Thema Hirntod sowie vor kurzem das Thema Zulässigkeit von Zwangsmaßnahmen. Zu Zwangsbehandlungen ist am Donnerstag in Berlin ein einstimmig verabschiedetes, 250 Seiten starkes Papier des Ethikrates veröffentlicht worden. Hein war bei den Beratungen Mitglied der Untergruppe Altenpflege. Das Papier sieht in Zwangstherapien und Freiheitseinschränkungen nur ein allerletztes Mittel, wenn hilfsbedürftige Menschen vor sich selbst geschützt werden müssen.

Generell sei der Ethikrat trotz seiner sehr unterschiedlichen Zusammensetzung immer um Konsens bemüht, sagte Hein weiter. Meistens gelinge dies auch, es würden aber auch unterschiedliche Positionen zugelassen. Als Bischof habe er gegenüber den anderen Mitglied keinen Vertrauensvorschuss genossen, sagte er. "Im Ethikrat kann man sich nur auf der Ebene des vernünftigen Arguments einbringen", zog er Bilanz. Rein theologische Begründungen überzeugten nicht. Die Argumente für eine bestimmte Position müssten allgemeinverständlich sein.



Als eines der Themen, mit denen sich der Ethikrat künftig befassen müsse, sieht Hein das Thema künstliche Intelligenz. Momentan seien aber auch genetische Eingriffe beim Menschen sowie die Digitalisierung und der damit zusammenhängende Datenschutz wichtige Themen.

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