Neues Leben in alten Kirchengemäuern

Blick in den offenen Himmel im Innenhof des Thomas Morus Quartierwohnens.
Kollbach Bansi Architekten
Durch Entfernung des Daches und Einbau von 15 Appartements können in der denkmalgeschützten Thomas Morus Kirche in Leverkusen ehemals wohnungslose Menschen wohnen.
Tag der Architektur 2026
Neues Leben in alten Kirchengemäuern
Beim diesjährigen Tag der Architektur vom 27.6.-28.6.2026 werden besondere umgebaute Kirchen dem architekturinteressierten Publikum geöffnet. Allein in NRW werden acht kirchliche Gebäude präsentiert, das Spektrum reicht von Stadtteilbegegnungszentren über Wohn- und Bürogebäude, Kitas sowie neu gestaltete Kirchenräume.

Pressesprecher Christof Rose von der Architektenkammer NRW weiß um die Besonderheiten der geöffneten Kirchenbauten. Am Tag der Architektur kann man die Umbauten selbst erleben.

evangelisch.de: Was sticht bei den ausgewählten kirchlichen Umbauten besonders heraus?

Christof Rose: Zu den thematisch und baulich außergewöhnlichen Projekten gehört die Umnutzung der Thomas-Morus-Kirche in Leverkusen in ein soziales Wohnprojekt mit Quartierstreff. Kollbach Bansi Architekten haben dazu das Dach geöffnet, den Chorbereich zum Lichthof entwickelt und einen dreigeschossigen Baukörper in den denkmalgeschützten Ursprungsbau sensibel eingefügt. Entstanden sind 15 Appartements für ehemals wohnungslose Menschen und ein Quartierstreff.

Eine spannende Verbindung von Bestand und Neubau, und eine Umnutzung im Geiste des ursprünglichen Zwecks des Baukörpers. – Nur ein Beispiel von vielen, die zeigen: Es lassen sich fast immer angemessene Weiterverwendungen für profanierte Sakralbauten finden.

Der Kirchplatz St. Pankratius in in OB-Osterfeld ist eine zentrumsnahe Fläche für Begegnungen neue Wege und grüner Erholungsraum.

Gibt es einen Trend zur weltlichen Nutzung von Kirchen oder zur Neubelebung durch Neugestaltung?

Rose: Leider ja. Mit der steigenden Zahl von Sakralbauten, die aus ihrer ursprünglichen Nutzung fallen, stellt sich für viele Gemeinden und Eigentümer die Frage, wie diese besonderen Bauwerke erhalten und anders genutzt werden können. Es ist davon auszugehen, dass etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Sakralbauten in den kommenden Jahren nicht mehr für ihren eigentlichen Zweck genutzt werden.

"Sakralbauten sind aber ein wichtiges Element unserer gebauten Erinnerung, des kollektiven Gedächtnisses."

Die Architektenkammer NRW engagiert sich deshalb seit langem dafür, Wege zum Erhalt aufzuzeigen. Gemeinsam mit der Landesinitiative Baukultur NRW haben wir die Plattform www.zukunft-kirchen-raeume.de aufgebaut, die Hintergründe und Beispiele schildert und Ansprechpartner benennen. 

Die Liturgische Neugestaltung Propsteikirche St. Clemens Telgte bewirkt eine Stärkung des Wallfahrtsortes.

Wie kann das Kirchengebäude weiterhin Mittelpunkt im Leben der Menschen sein?

Rose: Kirchen sind seit Jahrhunderten prägend für das Leben der Menschen – spirituell und baulich. Sie stehen oft im Zentrum eines Ortes oder Quartiers, und auch ihr bauliches Umfeld stellt oftmals einen wichtigen Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger dar: Kirchhof, Vorplatz, begleitende Gemeinderäume, Grünanlagen.

Durch kreative Umnutzungskonzepte und eine vorausschauende Planung können diese Ensembles für neue Zwecke genutzt werden. Ob Kita, Galerie, Restaurant, Sportzentrum oder Wohnanlage: In Zeiten der Kommerzialisierung vieler öffentlicher Räume und der zunehmenden Hitzebelastungen unserer Städte können Kirchen und ihr Umfeld auch künftig zu mehr Lebensqualität im Stadtteil beitragen.

Thomas Morus - Soziales Wohnen mit Quartierstreff.

Übrigens zeigen wir am Tag der Architektur in diesem Jahr auch, dass bestehende Kirchen weiterentwickelt werden. In Telgte stellen ZWO+ Architekten die Liturgische Neugestaltung der Propsteikirche St. Clemens vor: Eine denkmalgerechte Neugestaltung der Wallfahrtskirche, die nun heller und einladender wirkt.