Weiter Proteste in Pakistan nach Todesurteil-Aufhebung gegen Christin

Die Gerichtsentscheidung zum Freispruch von Asia Bibi löste in dem vorwiegend muslimischen Land Zorn unter radikalislamischen Gruppen aus.

© Muhammad Sajjad/AP/dpa

Proteste gegen die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, die wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi nach acht Jahren in der Todeszelle freizusprechen.

Weiter Proteste in Pakistan nach Todesurteil-Aufhebung gegen Christin
Nach dem Freispruch der zum Tode verurteilten Christin Asia Bibi in Pakistan reißen die Proteste islamischer Hardliner nicht ab. Im ganzen Land blockierten auch am Donnerstag wütende Demonstranten wichtige Straßen und legten den Verkehr lahm, wie der Sender Geo TV berichtete.

Schulen und Universitäten blieben geschlossen. Ministerpräsident Imran Khan verurteilte die Ausschreitungen am Mittwochabend und warnte die Bürger davor, sich von den Hardlinern beeinflussen zu lassen. Die Entscheidung der Richter sei verfassungsgemäß und im Sinne des Koran, sagte er in einer Fernsehansprache.

In einem bahnbrechenden Urteil hatte zuvor das Oberste Gericht Pakistans das Blasphemie-Todesurteil gegen Asia Bibi aufgehoben und damit den islamistischen Kräften die Stirn geboten. Die Richter in Islamabad ordneten zudem die sofortige Freilassung Bibis an, die seit fast zehn Jahren in Haft ist. Die fünffache Mutter war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt worden. Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode.

Islamisten drohen Richtern

Kurz nach dem Urteil zogen wütende Demonstranten in ganz Pakistan auf die Straßen. Die Islamisten drohten den verantwortlichen Richtern mit dem Tode und forderten den Rücktritt der Regierung. Premierminister Khan sprach eine scharfe Warnung gegen die Demonstranten aus, die er beschuldigte, den Staat erpressen zu wollen. Es sei zudem schändlich und inakzeptabel, dass die Protestierenden den Tod der zuständigen Richter verlangten.

Der Fall Asia Bibi hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen und Gewalt geführt. Ein Jahr nach dem Todesurteil wurde der Gouverneur der Punjab-Provinz, Salman Tasir, von seinem eigenen Bodyguard umgebracht, weil er sich für die Freilassung der Christin eingesetzt hatte. Das Oberste Gericht hatte bereits 2016 den Fall erörtern wollen, doch weil einer der Richter es wegen Befangenheit ablehnte, den Fall der 47-Jährigen zu hören, mussten ein neues Richtergremium eingesetzt werden. Anwälte und Richter, die mit Blasphemie-Fällen befasst sind, müssen in Pakistan um ihr Leben bangen. Etwa 20 Menschen sitzen derzeit wegen Blasphemie in Todeszellen. Bislang ist jedoch niemand wegen Gotteslästerung hingerichtet worden.



Bibis Familie hat bereits erklärt, dass sie nach Bibis Freilassung Pakistan verlassen wollen. Mehrere Länder haben ihnen bereits Asyl angeboten. Den Freispruch der Christin begründete der Oberste Richter Mian Nisar damit, dass nicht genügend Beweise gegen sie vorgelegt hätten.

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