Fernsehwochenvorschau: "Bubis - Das letzte Gespräch"

Fernsehwochenvorschau vom 3. bis 9. November
Dokumentation über das letzte größte Interview mit Ignatz Bubis.

© HR/AVE

Am 12. Juli 1999 führten Rafael Seligmann und Michael Stoessinger das letzte größe Interview mit Ignatz Bubis vor dessen Tod . Für die Dokumentation im HR am 8.11. von Johanna Behre und Andreas Morell wurde das letzte Interview mit dem Schauspieler Udo Samel als Ignatz Bubis in Szene gesetzt.

Deutschland 1992. In Rostock-Lichtenhagen brennt das Sonnenblumenhaus. In der Folge gibt Ignatz Bubis, damals Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, dem Stern sein letztes Interview. Es wird ein Gespräch über Angst, Schuld, Deutschland und sein Leben als Jude in Deutschland. Für die Dokumentation wurde das Interview mit dem Schauspieler Udo Samel in Szene gesetzt und bildet den Rahmen für ein intimes und umfassendes Porträt. Bubis'. Die Doku läuft am 8. November um 0.00 Uhr im HR. Und das gibt es sonst noch im TV.

3.11., Arte, 23.35 Uhr: "Streetphilosophy: Nutze deine Zeit!"

In dieser Folge fragt sich Moderator Jonas Bosslet stellvertretend für die "Generation Y", was er mit seiner Zeit am sinnvollsten anfangen soll. Muss man sie sinnvoll nutzen oder darf man sie verschwenden? Und warum scheint alles, was unangenehm ist, kein Ende zu nehmen, wie die aufgeschobene Steuererklärung zum Beispiel? Jonas macht sich auf den Weg zu Model Giannina Müller, die ein durchgetaktetes Jetset-Leben führt. Gewinnt sie Zeit durch effiziente Planung? Oder geht ihr Zeit verloren, weil sie die schönen Momente, die sie erlebt, nicht mehr richtig genießen kann?
Eine Schafherde in Brandenburg ist dagegen Entschleunigung pur. Wenn sie eine Straße überquert, müssen die Autofahrer eben warten. Im Gegensatz zum Model ist Schäfer Knut Kucznik einem natürlichen Rhythmus unterworfen. Er muss seine Herde durch die vier Jahreszeiten bringen. Dabei lebt er aber "so intensiv wie nur möglich". Wie unterschiedlich Menschen die Zeit wahrnehmen, je nachdem, ob sie in der Stadt, auf dem Land oder aber unter Wasser sind, lernt Jonas bei Apnoe-Taucherin Natalie Camacho. Wem es gelingt, sich fallen zu lassen und mal nicht auf die Uhr zu schauen, kann mit ein bisschen Übung unter Wasser minutenlang die Luft anhalten. Auch Langeweile ist eine wichtige Erfahrung, sagt Philosoph Jacob Schmidt, mit dem Jonas zum Nintendo-Zocken verabredet ist. In der subjektiven Wahrnehmung kann sich Zeit ausdehnen, zusammenziehen oder sich sogar auflösen, wenn man ganz in einer Tätigkeit aufgeht und im "Flow" ist. Beim Feuerwehrball in Großziethen scheint die Zeit tatsächlich stillzustehen. Hier tanzen die Menschen zu Schlagern und zelebrieren mit den immer gleichen Texten eine ewige Gegenwart.

3.11., Tagesschau 24, 21.02 Uhr: "Alles Lüge oder was?"

Im Mittelpunkt dieses Films von Klaus Scherer stehen gleich mehrere sogenannte Fake News, die vor allem dank sozialer Netzwerke und Online-Plattformen wie YouTube mitunter Millionen Zuschauer erreichten. Auf diese Weise machte zum Beispiel ein Junge, der angeblich im Kugelhagel ein Mädchen aus einem Autowrack gerettet hat, im Internet Karriere. In Wahrheit hatte ein norwegischer Regisseur die Szene auf Malta gedreht, um auf Kinderschicksale im Krieg hinzuweisen. Ein Video erregte Anfang 2015 weltweit Aufsehen. Es zeigte wie ein etwa zwölfjähriger Junge, angeleitet von einem Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), aus nächster Nähe scheinbar zwei enttarnte russische Spione erschoss. Experten des Bundesnachrichtendienstes (BND) haben den Clip nun als Inszenierung entlarvt. Anders als IS-typische blutrünstige Inszenierungen zeige der Film weder Schusswunden noch Nahaufnahmen der angeblich Toten. Vermutlich habe das Video nur Kinderkämpfer anwerben oder mögliche Spione abschrecken sollen. Hinter anderen Falschmeldungen vermutet der BND, der erstmals einem TV-Reporter Zugang zu seinen Video-Analysten ermöglichte, eher fremde Regierungen. Auch die Nachricht, wonach der IS in seinem Machtbereich Frauen beschneide, sei wohl eine Fälschung aus Regierungskreisen in Bagdad gewesen, um die Loyalität ländlicher Stämme und Clans zu stärken. Über solche Fallschilderungen hinaus hinterfragt Scherer auch, wie etablierte Nachrichten-Redaktionen mit den vielfältigen und zum Teil ungesicherten Quellen umgehen. Außerdem kommen der ukrainische Informationsminister und der Sprecher der israelischen Armee zu Wort, die beide über fremde Online-Lügen klagen, während sie gleichzeitig, die Verbreitung der eigenen Wahrheit über soziale Medien preisen. Öffentlich gelogen wurde auch früher schon. Unvergessen ist Walter Ulbrichts legendärer Satz, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu bauen. Die Möglichkeiten, Propaganda zu streuen, sind jedoch ungleich heute vielfältiger.

3.11., Tagesschau 24, 21.45 Uhr: "Im Netz der Lügen"

Claus Hanischdörfer zeigt in seinem Film, wie einfach sich eine Falschmeldung im Internet verbreiten und damit politisch Stimmung machen lässt. Er dokumentiert die Forschungsarbeit eines Team von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Hohenheim. Die Forscher starten einen Versuch: Über einen Zeitraum von nur wenigen Wochen setzen sie eine Fake-News in die Welt. Dann läuft das Experiment: Wie schnell verbreitet sich die Falschmeldung im Netz? Wo und wie häufig wird sie geteilt? Wer fällt darauf rein? Die Nachrichtenlage im Internet ist unübersichtlich. Facebook & Co. werden überschwemmt von Fake-News und "alternativen Fakten". Haben muslimische Flüchtlinge tatsächlich aus Verachtung für unsere abendländische Kultur an eine christliche Kirche gepinkelt? Hat die Polizei in Heidelberg einen islamistischen Terroranschlag verheimlicht? Der Film "Im Netz der Lügen" sucht nach Ursachen für Falschmeldungen und zeigt Möglichkeiten, diese zu entlarven. 
Falschmeldungen verbreiten sich momentan vor allem in rechtsalternativen Kreisen und werden gezielt eingesetzt, um die Meinung in der Bevölkerung zu beeinflussen. Hanischdörfer trifft besorgte Bürger, die Fake News verbreiten, sowie einen NPD-Politiker, der eine Falschmeldung streut und damit für Aufregung sorgt. Der Hohenheimer Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Schweiger warnt vor einer Polarisierung der Gesellschaft. Denn Filterblasen und Echokammern in sozialen Netzwerken führen immer häufiger dazu, dass sich Internetnutzer zwar besser im Bilde fühlen, tatsächlich aber oft nur einseitiger informiert sind. Wie sieht der Kampf gegen Falschmeldungen aus? Hilft eine Regulierung der sozialen Netzwerke? Das geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz von Bundesjustizminister Heiko Maas gilt als stumpfe Waffe gegen Fake-News. Die Grünen-Politikerin Renate Künast, die selbst Opfer einer Falschmeldung wurde, bemängelt den Meldeweg bei Facebook. Was unternimmt Facebook dagegen, um nicht zu "Fakebook" zu mutieren? Fühlt man sich beim Internetriesen überhaupt mitverantwortlich für die um sich greifenden Desinformationen? Ein Lokalreporter auf der Schwäbischen Alb ist da schon weiter: Er hat ein Rezept gegen Gerüchte und Fakes: soliden und transparenten Journalismus. Sind wir schon komplett verstrickt im Netz der Lügen oder gibt es noch ein Ausweg?

4.11., ARD, 17.30 Uhr: "Echtes Leben: Ich will leben!"

"Ich habe Krebs." Für Lisa wird dieser Satz mit 25 Jahren Realität; da steht sie kurz vor ihrem Staatsexamen. Julian ist 24 Jahre alt, wenige Monate nach seinem Bachelorabschluss wird bei ihm der Krebs diagnostiziert. In Deutschland erkranken jährlich 15.000 junge Erwachsene an dieser heimtückischen Krankheit. Die Diagnose ist für jeden niederschmetternd, aber wie trifft sie junge Menschen, die gerade mit der Ausbildung, dem Studium begonnen haben, im Beruf durchstarten oder eine Familie gründen wollen? Bei jungen Menschen kommt die Krankheit zu einem Zeitpunkt, in der Gedanken an Sterben und Tod normalerweise keinen Platz haben. Zwar sind die Heilungschancen recht hoch, doch es gibt keine Garantie. Angst und Zweifel sind bei jungen Menschen durchaus berechtigt. Dazu kommt das Wissen um mögliche Langzeitfolgen: noch einmal Krebs bekommen, Nebenwirkungen, Nervenschäden, Unfruchtbarkeit. Und die Furcht vor dem Tod; all' das sind Ängste, mit denen sich auch Lisa und Julian auseinandersetzen. Jens Niehuss und Marcel Martschoke zeigen in ihrem Film, wie die beiden jungen Menschen es schaffen, damit umzugehen.

4.11., ZDF, 19.30 Uhr: "Exodus? Eine Geschichte der Juden in Europa"

Der Historiker Christopher Clark ist auf dem Weg zu bedeutenden Schauplätzen in Europa und im Nahen Osten, er sucht nach Zeugnissen jüdischer Geschichte und antisemitischer Verfolgung. Auf seiner Spurensuche spannt er den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart. Die Geschichte der Juden ist nicht nur eine der Verfolgung. Gero von Boehm beschreibt in seiner Dokumentation auch die Errungenschaften, mit denen das Judentum Europas Kultur bereichert hat. In ihren europäischen Heimatländern haben Juden erheblich zur Blüte der Kunst, des Geisteslebens, der Wissenschaft und Wirtschaft beigetragen. Clarks Zeitreise zeigt, welche Traditionen das Judentum in Europa hinterlassen und welche Werte es geprägt hat. In dem Film geht es aber auch um eine Momentaufnahme des Antisemitismus in Europa und um die Darstellung seiner Traditionen. Warum werden Juden immer wieder Opfer von Angriffen? Wo ist jüdisches Leben unangefochten und unbehelligt? 80 Jahre nach den Novemberpogromen 1938 und mit Blick auf aktuelle antisemitische Vorfälle geht Christopher Clark diesen Fragen nach. Der Historiker spricht mit Betroffenen, Angehörigen jüdischer Gemeinden, Zeitzeugen sowie mit gesellschaftlichen und politischen Akteuren, die sich heute um Verständigung bemühen und begibt sich an Brennpunkte, wo gegenwärtig antisemitische Parolen laut werden. Den zweiten Teil zeigt das ZDF am 6. November um 20.15 Uhr.

4.11., ZDF, 23.45 Uhr: "ZDF-History: Verwüstet, zerstört, entrechtet - Das Novemberpogrom 1938"

Die Pogrome gegen deutsche Juden vor achtzig Jahren waren geprägt von Hass und Gewalt. Wie war ein solcher Zivilisationsbruch möglich? Was waren die Motive der Täter, die aus der Mitte der Gesellschaft stammten? Tausende verwüsteter Geschäfte und niedergebrannter Synagogen sowie Hunderte Tote waren der Auftakt für die Zerstörung des jüdischen Lebens in Deutschland. Der Film erzählt den Exzess der Gewalt im November 1938 aus der unmittelbaren Sicht von Betroffenen und Augenzeugen. Der Schauspieler Günter Lamprecht geriet als achtjähriger Schüler in Berlin selbst in den Strudel der Ereignisse. Er war Sohn eines überzeugten SA-Mannes. Ein Schulfreund stiftete ihn an, mit ihm das Geschäft eines Tabakhändlers in der Nachbarschaft zu plündern. Erst nach dem Krieg wurde Lamprecht klar, in welch verkehrter Welt er aufgewachsen ist. Der Filmemacher Georg Stefan Troller erzählt, wie seine behütete Welt als 17-jähriger jüdischer Schüler in Wien völlig aus den Fugen geriet. Sein Vater wurde verschleppt, die Wohnung von Nachbarn ausgeräumt. Kurz darauf war Troller zur Flucht gezwungen. Mit den zur "Reichskristallnacht" verharmlosen Novemberpogromen eröffneten die nationalsozialistischen Machthaber nach einem tödlichen Attentat auf einen deutschen Gesandten in Paris die Menschenjagd auf die zuvor schon entrechtete jüdische Minderheit. Eine bis dahin unvorstellbare Woge der Zerstörung, Brandstiftung, Plünderung bis hin zum Totschlag offenbarte den menschenverachtenden Charakter des Unrechtsregimes. Die Internierung von 30.000 jüdischen Männern in Konzentrationslagern zielte auf die systematische Vertreibung der deutschen Juden aus dem Land ab. Offene Zustimmung erntete das Regime nur gelegentlich, manche Nachbarn beteiligten sich allerdings an Plünderungen und Beutezügen. Die meisten Mitläufer reagierten teilnahmslos und untätig. Widerspruch blieb die bemerkenswerte Ausnahme. Teils noch unveröffentlichte Filmfunde belegen, wie die Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger damals im ganzen Land geschah; am helllichten Tag und vor aller Augen.

5.11., ARD, 22.45 Uhr: "Die Story im Ersten: Der Antisemitismus-Report"

Das jüdische Restaurant Schalom in Chemnitz wird Ende August von einer Gruppe Neonazis überfallen, der Eigentümer leicht verletzt. Judenfeindliche Pöbeleien, Beleidigungen, Schmierereien: Das kennt er seit vielen Jahren. Ein Angriff mit Steinen und Flaschen aber ist eine neue Gefahr. Antisemitismus ist in Deutschland lauter und bösartiger geworden. Einerseits haben 78 Prozent der befragten Juden einer Untersuchung zufolge das Gefühl, Antisemitismus habe deutlich zugenommen. Offene Anfeindungen und Angriffe gingen dabei häufig von Muslimen aus. Andererseits zeigen Studien, dass der Anteil der Bevölkerung, der antisemitischen Vorurteilen anhängt, seit Jahren sinkt. Wird das Problem also nicht ausreichend oder wird es sogar zu stark thematisiert?
Adrian Oeser sortiert in seinem Film Fakten und Einschätzungen. Er besucht eine jüdische Familie in Frankfurt am Main, in der es nicht anders zugeht als in den meisten anderen deutschen Familien. "Wir leben nicht koscher", sagt die Mutter, "wir essen alles, was uns schmeckt." Die drei Kinder berichten, dass sich die Stimmung aber sofort dreht, wenn im Alltag deutlich wird, dass sie Juden sind; da kommt dann zum Beispiel die Frage auf, ob Juden denn Steuern zahlen müssten. Es ist diese Mischung aus Unkenntnis, Vorurteilen und zunehmend auch offener Aggression, die das Lebensgefühl beeinflusst, Vorsicht und Ängste auslöst. "Wir haben in der Familie diskutiert, ob wir vor die Kamera gehen oder nicht", sagt die Mutter im Interview. "Vielleicht sollte nicht unbedingt jeder wissen, dass wir Juden sind. Man macht sich angreifbar." Oeser spricht mit Fachleuten und Betroffenen, besucht rechtsextreme Versammlungen, antiisraelische Veranstaltungen und Präventionsprojekte. Eine aktuelle Umfrage lotet die Haltung der Bevölkerung aus. Danach halten die meisten Antisemitismus heute vor allem für ein Problem von Muslimen und Rechtsextremen. Stimmt das? Und wo schlägt politische Kritik am jüdischen Staat Israel um in Judenfeindschaft? Brisante Fragen, denen der Film mit Zahlen, Daten und Begegnungen mit Betroffenen nachgeht.

5.11., ARD, 23.30 Uhr: "Geschichte im Ersten: Geheimnisvolle Orte - Die Synagoge mit der goldenen Kuppel"

Die "Neue Synagoge" in Berlin ist immer mehr gewesen als ein Prachtbau mit goldener Kuppel. Der Film von Marina Farschid erzählt die wechselvolle Geschichte und erweckt das Gebäude in all seiner Pracht zu neuem Leben. Als die "Neue Synagoge" 1866 eingeweiht wurde, kam selbst der preußische Ministerpräsident und spätere Reichskanzler Bismarck und war beeindruckt vom Bau mit der goldenen Kuppel. Diese Synagoge erinnerte - ganz bewusst - an die spanische Alhambra. Ein Wunder der Baukunst; und der Politik. Die "Neue Synagoge" war ein sichtbares Zeichen der Toleranz und Akzeptanz gegenüber Juden und gleichzeitig eine Provokation für Antisemiten: Sie war ein Symbol für das Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinschaft. Die Hoffnung, in der deutschen Gesellschaft angekommen zu sein, trug über sechs Jahrzehnte und zerbrach endgültig in der Pogromnacht am 9. November 1938. Ein preußischer Polizeibeamter rettete die "Neue Synagoge" damals vor dem Feuer, aber 1943 wurden große Teile des Gebäudes in einer Bombennacht zerstört. Erst in den 1990er Jahren wurde die Synagoge als "Centrum Judaicum" mit restaurierter Fassade und neugebauter Kuppel wieder aufgebaut, doch ohne ihr Herzstück, die große Hauptsynagoge. Hinter den verglasten, konservierten Ruinenteilen verbergen sich noch immer rätselhafte unbekannte Geschichten, über die unter anderem der langjährige Direktor des Centrum Judaicum, Hermann Simon, und Ruth Winkelmann, ehemalige Schülerin der nahegelegenen Mädchenschule, berichten. Der Film erzählt von einer bis heute in vielen Teilen verschwundenen Kunstsammlung, von entdeckten Inschriften von NS-Gefangenen, von einer heimlichen Bar Mizwa unter den Augen der Nazis und von der Chuzpe ostdeutscher Juden und weitsichtiger SED-Genossen, die den vollständigen Abriss der Synagoge verhinderten. Die Schönheit dieses faszinierenden Baus ist heute nur noch zu erahnen und wird durch einzigartige Animationen und Fotos wieder erlebbar.

5.11., 3sat, 23.50 Uhr: "37 Grad: Zwischen Heimweh und Harry Potter"

Schuluniform, strenge Regeln, kaum Privatsphäre: Alltag an britischen Internaten. Und doch ziehen sie immer mehr deutsche Schüler an. Das britische Privatschulsystem gilt als Garant für eine gute Ausbildung. Fast 3.000 Deutsche besuchen aktuell ein englisches Internat, 50 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Wegen des schwächelnden Pfunds sind die Internatskosten derzeit für Ausländer deutlich günstiger als zuvor. Mit 30.000 bis 35.000 Euro pro Jahr ist der Aufenthalt trotzdem immer noch ziemlich teuer. Nadja Kölling hat drei Jugendliche durch ein Schuljahr begleitet. Kai, Max und Hannah besuchen das britische Scarborough College. Kai hat sich gut ins Internatsleben integriert. Der 17-Jährige spielt Rugby; das hilft, um sich auch mit den Engländern anzufreunden. Am Ende des Schuljahres wird er seinen internationalen Abschluss machen. Kai ist ein guter Schüler, doch der Leistungsdruck ist enorm. Er weiß, dass seine Eltern viel Geld investiert haben. Das Schlimmste wäre aus seiner Sicht, "sie zu enttäuschen, während der Prüfung ein Blackout zu haben und dann alles zu versauen, so dass es sich gar nicht gelohnt hat, hierherzukommen." In Deutschland war der 15 Jahre alte Max ein mittelprächtiger Schüler, der große Schwierigkeiten hatte, sich aufs Lernen zu konzentrieren. Seine ganze Familie hat schließlich zusammengelegt, damit er das College besuchen kann. An seiner alten Schule ist er wegen extremer Faulheit "komplett untergegangen". Trotz Fremdsprache und neuem System hofft Max auf einen schulischen Neuanfang und setzt auf die rigiden Alltagsstrukturen, um die eigene Motivation in den Griff zu bekommen. Ein bisschen Angst hat er aber auch: vor dem Heimweh, das hier fast jeden irgendwann packt.
Die 17 Jahre alte Hannah hat gerade erst in Scarborough ihr neues Zuhause bezogen. Ab sofort lebt sie jetzt mit 23 anderen Mädchen aus 14 verschiedenen Nationen unter einem Dach. Sie hat keine Geschwister und hofft, dass es "cool wird, mit vielen anderen Jugendlichen zusammenzuwohnen". Dabei sind in England die Internatsregeln ausgesprochen streng. Hier erinnert wenig an das lockere Schulleben in Deutschland. Der Alltag ist durchgetaktet: um 8:00 Uhr Frühstück, 8:30 bis 16:30 Uhr Schule, dann umziehen, Abendessen und um 18:30 Uhr Haustreffen. Von 19:00 bis 20:00 Uhr Hausaufgabenzeit, ab 22:00 Uhr ist Bettruhe. Da bleibt kaum Freizeit. Am liebsten würde Hannah später in England oder Amerika Schauspiel studieren. Den Rat ihrer Eltern, eine Fächerkombination zu wählen, die ihr einen auch in Deutschland anerkannten Abschluss ermöglicht, nimmt sie nicht ernst. "37 Grad" begleitet die Jugendlichen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

5.11., WDR, 0.05 Uhr: "Wiedersehen mit Brundibar"

Es gibt 20 Millionen Gründe, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten. Nach unzähligen Spiel- und Dokumentarfilmen zu dem Thema steht allerdings jeder Regisseur, der sich mit diesen Untaten befasst, vor der Herausforderung, neue Perspektiven zu finden. Oder, wie es Douglas Wolfsperger formuliert: "Wie lässt sich ritualisierte Routine vermeiden? Wie lässt sich das Thema mit der Gegenwart verbinden? Wie schafft man es, authentische und nicht durch Wiederholung abgenutzte Gefühle entstehen zu lassen?" Seine Antwort ist ein Film, in dem gelacht und geweint wird und der auch sein Publikum zu Tränen rühren wird. Er hat sich für einen ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Ansatz entschieden: "Wiedersehen mit Brundibar" ist zwar auch ein Film über die Zeit des Nationalsozialismus; doch in erster Linie geht es um junge Menschen. Irgendwann hatte Wolfsperger erstmals von der im Konzentrationslager Theresienstadt über fünfzig mal aufgeführten Kinderoper "Brundíbar" gehört. Das Stück wird gern an Schulen einstudiert, weil man auf diese Weise musische Pädagogik mit Geschichtsunterricht verbinden kann. Nach jahrelanger Suche stieß der Filmemacher auf die Jugendtheatergruppe der Berliner Schaubühne; hier fand er die Protagonisten, mit denen er seine Vorstellungen umsetzen konnte. Die große konzeptionelle Qualität des Films besteht in der gelungenen Verknüpfung von drei Ebenen: zum einen die Jugendlichen, die trotz ihrer jungen Jahre Lebenskrisen zu meistern hatten und offen über ihre Erfahrungen etwa mit Rechtsradikalismus und Drogenmissbrauch sprechen; zum anderen ihr Umgang mit dem Stück und ihr Auseinandersetzung mit dem historischen Hintergrund; und schließlich die Kinderoper selbst. Endgültig zu einem herausragenden Werk wird "Wiedersehen mit Brundibar" durch eine Idee des Regisseurs, die den bisherigen Ebenen eine weitere hinzufügt und gleichzeitig alles ändert: Mindestens so wichtig wie die Mitwirkung der Jugendlichen war die Zusage von Greta Klingsberg. Die mittlerweile über achtzig Jahre alte Israelin hat in den Jahren 1942 bis 1944 in fast allen Aufführungen der Kinderoper die weibliche Hauptrolle gesungen, ehe sie nach Auschwitz deportiert wurde. Als Wolfsperger ihr von seinem Projekt erzählte, musste er die alte Dame nicht lange bitten: Sie sagte sofort zu, mit den Jugendlichen nach Theresienstadt zu reisen.

5.11., Tagesschau24, 20.15 Uhr: "Scientology: Ein Glaubensgefängnis"

Scientology reklamiert für sich den Status einer Glaubensgemeinschaft, die ihren Mitgliedern zu höheren spirituellen Erkenntnissen verhilft. Kritiker sowie zahlreiche europäische Staaten stufen die Organisation, die insbesondere in den USA vielfältige Verbindungen in die Welt des Films unterhält, dagegen als extremistische Sekte ein. In Deutschland beobachtet der Verfassungsschutz die Organisation seit rund zwanzig Jahren wegen des "begründeten Verdachts verfassungsfeindlicher Bestrebungen", denn ihr Ziel sei die Errichtung einer totalitären Gesellschaftsordnung.
Regisseur Alex Gibney lässt in seinem investigativen Dokumentarfilm Aussteiger zu Wort kommen. Die Männer und Frauen stammen zum Teil aus der höchsten Führungsebene der Organisation. Sie berichten von ihren Erfahrungen mit der Sekte und schildern anschaulich, wie die Organisation Menschen manipuliert und schikaniert. Zu den Aussteigern zählen der renommierte Hollywood-Drehbuchautor Paul Haggis ("L.A. Crash"), der ehemalige Spitzenfunktionär Marty Rathbun, der zwei Jahrzehnte lang als rechte Hand des aktuellen Scientology-Vorsitzenden David Miscavige fungierte, der ehemalige Pressesprecher der Sekte, Mike Rinder, und der Schauspieler Jason Beghe. Ebenfalls zu Wort kommen zahlreiche Scientology-Experten wie der Journalist Tony Ortega, der sich seit mehr als zwanzig Jahren mit der Sekte befasst, sowie die Herausgeberin des Branchenblattes "The Hollywood Reporter", Kim Masters, die regelmäßig über die Verbindungen von Scientology und Hollywood berichtet.

6.11., ZDF, 22.15 Uhr: "37 Grad: Die Kriminalisten"

Die Polizisten vom Kriminaldauerdienst sind die Ersten am Tatort. Der KDD kommt bei Einbruch, Raubüberfall, ungeklärten Todesfällen. Eine Leiche pro Schicht ist normal; ein Job für starke Nerven. Den Mitgliedern des KDD ist kein menschlicher Abgrund fremd. Jennifer Gunia hat ein Team des KDD in Essen durch seinen aufreibenden Alltag begleitet. Die Schicht beginnt wie so oft mit einer Leiche. Ein Mann liegt schon länger in seiner Wohnung. Nachbarn haben den Geruch bemerkt und die Polizei gerufen. In einer Metropolregion wie Essen, mitten im Herzen des Ruhrgebiets, ist so etwas keine Seltenheit. Menschen sterben einsam, unbemerkt. Die Beamten müssen als Erstes herausfinden, ob ein Verbrechen vorliegen könnte. Dazu gehören eine Leichenschau und Ermittlungen in der Wohnung. "Wenn ich mal sterbe, dann möchte ich ja auch, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist und nachgeschaut wird", sagt Peter W. Das ist in diesem Fall besonders unangenehm, denn die Leiche beginnt schon zu verwesen. Daran gewöhnt man sich, sagt Polizistin Jana. Woran man sich nicht gewöhnt: weinende Angehörige oder, viel schlimmer, tote Kinder. Jana L. ist selbst gerade erst Mutter geworden. Peters Töchter sind schon erwachsen. Er ist ein Urgestein des KDD in Essen - seit 20 Jahren ist er auf der Kriminalwache. So lange halten es die meisten anderen nicht aus. Die Polizisten vom KDD arbeiten, wenn die Kollegen in den Fachkommissariaten frei haben: am Wochenende, an Weihnachten, in der Nacht. Zu ihrem Job gehört die erste Tatortaufnahme, der sogenannte "erste Angriff" nach einem schwereren Verbrechen: Spuren sichern, Zeugen befragen, Leichenschau. Aber längst nicht jedes Mal steckt ein Verbrechen dahinter. Der KDD soll Fremdverschulden ausschließen. Das Spektrum reicht von Mord über Suizid bis hin zum Unfalltod im Altenheim. Sexualverbrechen, Einbruch, Brand, Vermisstenfälle, Todesermittlungen: Das ist Alltag für die Frauen und Männer vom KDD in Essen. Sie sind zuständig für die Essen und Mülheim, ihr Einsatzgebiet umfasst 750.000 Menschen. Gunia zeigt sie bei Einsätzen, die an die Grenze gehen. Die Zuschauer lernen dabei Polizisten kennen, für die der Job jenseits aller Krimi-Klischees mehr Berufung als Beruf ist.

7.11., BR, 19.00 Uhr: "Stationen: Kirche und (Frei-)Staat"

Anlässlich des Doppeljubiläums "200 Jahre Bayerische Verfassung" und "100 Jahre Freistaat Bayern" beschäftigt sich Stationen am Vortag des Jubiläums mit der Frage, wie es denn eigentlich um das Verhältnis von Kirche und Staat bestellt ist. Denn obwohl es eine Trennung von Staat und Kirche gibt, kennt auch die Bayerische Verfassung Gottesbezüge; als Bildungsziel nennt sie unter anderem "Ehrfurcht vor Gott". In vielen Lebensbereichen sind Kirche und Staat eng miteinander verwoben. Religiöse Moral- und Wertvorstellungen beeinflussen staatliches Handeln oder laufen ihnen entgegen; etwa bei Themen wie Kirchenasyl, Organspende, Abtreibung oder Sterbehilfe; ganz zu schweigen vom Einzug der Kirchensteuer oder den Kreuzen in öffentlichen bayerischen Gebäuden.

7.11., BR, 22.00 Uhr: "DokThema: Integration aus Tradition - die Bayern und die Fremden"

Fremde wurden in der Vergangenheit vor allem in Bayern sehr gut integriert. Ob die Millionen von Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, die italienischen, türkischen und griechischen Gastarbeiter seit den Fünfzigerjahren oder die Siebenbürger Sachsen: Sie alle fanden eine neue Heimat in Bayern. Almut Gronauer ist für ihren Film der Frage nachgegangen, ob die Bayern dieser Tradition auch jetzt noch gerecht werden oder ob die aktuelle Flüchtlingsdebatte eine Kehrtwende widerspiegelt. Ein "DokThema" mit neuen und alten Immigranten.

8.11., 3sat, 21.00 Uhr: "scobel: Illusion Weltfrieden"

Die Bewahrung menschlichen Lebens ist eine Leitvorstellung unserer modernen Gesellschaft. Und dennoch schlachten sich Menschen regelmäßig ab. Krieg steht im Widerspruch zu den üblichen Formen unseres Zusammenlebens. Dennoch gibt es ihn. Welche Spuren hat Krieg in der Geschichte hinterlassen, was macht er heute mit uns? In der Menschheitsgeschichte wurde Krieg nicht nur unterschiedlich erlebt, sondern auch immer wieder neu gedeutet. Was bedeutete Krieg in der Vergangenheit und was heute? Welche Spuren hat Krieg in der Geschichte hinterlassen - und was macht er heute mit uns? Diese und andere Fragen diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen. Albert Einstein und Siegmund Freud machten sich 1932 in einem Briefwechsel Gedanken über die Frage "Warum Krieg?" Freud kam zu dem Schluss, dass nicht zuletzt ein dem Menschen innewohnender Trieb zum Tode als wesentliche Ursache zu sehen sei. Doch ist das wirklich so? Oft waren wirtschaftliche Interessen die Auslöser, manchmal aber auch nur Machtstreben oder Angst vor Machtverlust. Opfer waren zumeist Menschen, die mit den ausgetragenen Konflikten nur indirekt etwas zu tun hatten. Dennoch folgten unzählige Krieger ihren Anführern und liefen wie Lemminge in den Tod. Während in der Vor- und Frühgeschichte für den Krieger wirtschaftlicher Erfolg und Ehre auf dem Schlachtfeld entscheidende Triebfedern waren, so wandelte sich das im Zuge von Aufklärung und Nationalstaatsbildung. Nun wurden Ideale und Patriotismus zu einer Art Aufputschmittel für bewaffnete Konflikte. Heute erscheinen uns die Kriegsbegeisterung vor dem Ersten Weltkrieg und der blinde Gehorsam in den Zeiten des Nationalsozialismus oft befremdlich. Trotzdem ist und bleibt Weltfrieden offenbar eine große Illusion, was die gegenwärtigen bewaffneten Konflikte rund um den Erdball belegen.

8.11., WDR, 22.40 Uhr: "Menschen hautnah: Eltern hinter Gittern"

"Manchmal stehe ich nachts auf und wein' mich tot", sagt Cristina leise. Seit über einem Jahr sitzt sie in der Untersuchungshaft der JVA Köln; sie vermisst ihr Kind. Zusammen mit ihrem Mann wurde sie bei einem ihrer zahlreichen Einbrüche erwischt. Da war sie schon schwanger. Im Gefängnis brachte sie ihre kleine Tochter zur Welt; das Kind wächst bei der Großmutter auf. Nur zwei Tage konnte Cristina ihr Baby behalten, dann musste sie es abgeben. Christian, der wegen Raub, Waffenbesitz und Körperverletzung zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde, darf seine beiden Kinder alle zwei Monate sehen. Dann spielt er in einem vorbereiteten Besucherraum mit den Kleinen. Zwei Stunden sind erlaubt, so lange dürfen sie basteln und zeichnen. Der Film schildert, wie inhaftierte Mütter und Väter versuchen, ihren Aufgaben  als Eltern gerecht zu werden. Rund 100.000 Kinder in Deutschland haben laut Schätzungen ein Elternteil in Haft. Meist ist es der Vater. Die "draußen" lebenden Mütter brechen den Kontakt zu den inhaftierten Partnern in aller Regel nach etwa zwei Jahren ab. Die Häftlinge hinter Gittern verlieren dann schnell jegliche Beziehung zu den Kindern, die oft meinen, Papa sei auf Montage, im Krankenhaus oder im Ausland. Sylvia Nagel und Sonya Winterberg haben inhaftierte Mütter und Väter besucht, die über ihre Verbrechen, ihre verpassten Chancen und über ihre Sehnsucht nach den Kindern erzählen. Im Gespräch mit Seelsorgern und Gefängnismitarbeitern wird deutlich, wie schwierig es ist, im Gefängnis die Bedürfnisse derer in den Mittelpunkt zu stellen, um die es eigentlich geht: die Kinder.

8.11., HR, 0.00 Uhr: "Bubis - Das letzte Gespräch"

Deutschland 1992. In Rostock-Lichtenhagen brennt das Sonnenblumenhaus, in dem vor allem Vietnamesen leben. Anwohner applaudieren und befeuern die rechtsradikalen Brandstifter. Als der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland den Tatort besucht, kann er seine innere Bewegung kaum verbergen. Ignatz Bubis ist schockiert und erschüttert angesichts der schieren Gewalt. Ein lokaler CDU-Politiker findet, dass Bubis hier nichts zu suchen habe, seine Heimat sei doch Israel. Wenige Monate vor seinem Tod gibt Ignatz Bubis im Jahre 1999 sein letztes Interview. Seine Lebensbilanz ist unüberhörbar: "Ich habe nichts oder fast nichts erreicht." Das Gespräch mit den beiden Journalisten Michael Stoessinger und Rafael Seligmann erscheint im stern und entfacht eine heftige Debatte. Es wird ein Gespräch über Angst, Schuld, Deutschland und sein Leben als Jude in Deutschland. Bubis sinnt nach über die Macht des Zufalls und spricht über die Deutschen und ihren Umgang mit dem Holocaust. Bis heute gilt dieses Interview als Bubis' Vermächtnis. Die unmittelbare Erfahrung seiner Desillusionierung und seiner Einsamkeit werden zum Ausgangspunkt der Erzählung. Für die Dokumentation von Johanna Behre und Andreas Morell wurde das letzte Interview mit dem Schauspieler Udo Samel als Ignatz Bubis in Szene gesetzt. Es bildet den Rahmen des Films. Interviews mit Bubis' Tochter Naomi in Tel Aviv, den Journalisten Michael Stoessinger und Rafael Seligmann, mit Weggefährten wie Salomon Korn, Michel Friedman und Daniel Cohn-Bendit entwerfen ein intimes und umfassendes Porträt. Ihre Erinnerungen und Archiv-Sequenzen führen zurück: in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Ignatz Bubis als Immobilieninvestor in Frankfurt am Main etablierte und recht bald als "jüdischer Spekulant" angegriffen wurde sowie in die Jahre seines politischen Engagements als "deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", als Brückenbauer, als Mahner und "moralische Autorität" im Kampf gegen Fremdenhass und Antisemitismus. Entstanden ist dabei eine intensive Annäherung an einen streitbaren, engagierten Deutschen, der die deutsche Gesellschaft, in der er lebte, zu Lebzeiten nicht in Ruhe ließ. Der unbequem war, der sich angesichts von ausländerfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Äußerungen, Ausschreitungen und rechtsradikalen Wahlerfolgen einmischte und seine Stimme erhob. Am erschreckendsten ist jedoch die Aktualität seines Vermächtnisses: Bubis' fast zwanzig Jahre alten Bilanzen und Prognosen sind Gegenwart.

9.11., ARD alpha, 20.15 Uhr: "Wir waren doch Nachbarn"

"Ich denke, das war die Zäsur in der Behandlung der Juden in Deutschland und das war letzten Endes eine Zäsur die auch den Weg geebnet hat, die Juden Europas zu vernichten", sagt Reinhard Schramm, Vorsitzender der jüdischen Landesgemeinde in Thüringen. Er meint die Reichspogromnacht am 9. November 1938, die sich in diesem Jahr zum 80. Mal jährt. Jahrhundertelang war das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Dörfern und Städten Mitteldeutschlands äußerst wechselhaft. Die Nachbarschaft kennzeichneten mittelalterliche Pogrome, Ausgrenzungen, aber auch lange Phasen friedlichen und fruchtbaren Zusammenlebens. Die Dokumentation von Uli Wendelmann und Denis Kliewer beleuchtet den Ablauf und die Auswirkungen der Reichspogromnacht; vielerorts dauerten das Wüten, der Mob, der Terror allerdings über eine Woche. Wer waren Täter und Opfer vor Ort, wer Helfer und Zuschauer? Wie lief die Reichspogromnacht auf dem Dorf und in Kleinstädten ab? Selbst dort, wo es manchmal nur einen jüdischen Kaufladen oder ein kleines Textil- oder Schuhgeschäft gab, wurden Menschen, die bis dato die Nachbarn waren, gejagt, wurden Haus und Wohnung geplündert. Die letzten noch lebenden jüdischen Augenzeugen, ihre Kinder und Enkel berichten, welche Bedeutung der 9. November 1938 für ihre Familien hatte. Zeitgenossen wie der Kabarettist Bernd-Lutz Lange erzählen von ihrem Interesse an diesem Teil deutscher Geschichte zu DDR-Zeiten.

9.11., ARD alpha, 21.00 Uhr: "Synagogen - Monumente gegen das Vergessen"

Vor einhundert Jahren prägten Synagogen das Bild der großen deutschen Städte: jüdische Gotteshäuser im orientalischen, neoromanischen oder neogotischen Stil, gebaut zumeist von christlichen Stararchitekten. Sie waren Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins der jüdischen Gemeinden und symbolisierten nach mehr als 1.500 Jahren der Verfolgung und Diffamierung das tolerante Miteinander zwischen Juden und Christen. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ändert sich alles. Hitler setzt eine gigantische Maschinerie der Hetze und des Hasses gegen die jüdische Bevölkerung in Gang und findet Millionen von Erfüllungsgehilfen. In einer einzigen Nacht im Jahre 1938 werden mehr als 1.700 Synagogen zerstört, wird fast die gesamte jüdische Kultur in Deutschland vernichtet. Der Architekturstudent Marc Grellert will sich damit nicht abfinden. Unterstützt von Professor Manfred Koob, Experte der virtuellen Konstruktion historischer Monumente, bauen Forscher und Studenten der TU Darmstadt zerstörte Großsynagogen im Rechner wieder auf.
Augenzeugen erinnern sich, wie "ihre" Synagoge ausgesehen hat. Der Film erzählt die Geschichte der Synagogen, aber auch der jüdischen Gemeinden in unserem Land: von den mittelalterlichen Pestpogromen bis zur Reichspogromnacht, dem Terrorakt nationalsozialistischer Willkür. Bewegende Augenzeugenberichte erinnern an diese Tage vor fast acht Jahrzehnten, die zu den dunkelsten in der Geschichte unseres Landes gehören. Im Anschluss zeigt ARD alpha mehrere Folgen der Reihe "Zeuge der Zeit"; in den Filmen berichten Menschen, wie sie den Holocaust und die Progromnacht erlebt haben. Auch ZDFinfo widmet dem Thema den ganzen Abend und wiederholt unter anderem ab 20.15 Uhr die zweiteilige Dokumentation "Exodus? Eine Geschichte der Juden in Europa".