Bischof Dröge: Lehrer-Pranger sind "Spitzel-Portale"

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge

© Kühnapfel/EKBO

Markus Dröge kritisiert die gegen kritische Lehrer gerichtete Internetkampagne der AfD als "Spitzel-Portal".

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Markus Dröge, hat die gegen kritische Lehrer gerichtete Internetkampagne der AfD scharf kritisiert.

Die AfD versuche, mit der Online-Plattform Schüler dazu zu animieren, sich als Spitzel zu betätigen, sagte Dröge laut Manuskript in seinem Bischofswort auf der Herbsttagung der Landessynode am Donnerstag in Berlin: "'Anschwärzportal' oder 'Lehrerpranger' werden diese Plattformen inzwischen genannt, ich nenne sie 'Spitzel-Portale'."

Mit den Plattformen zeige die AfD, dass sie nicht an offener demokratischer Kultur interessiert sei, sondern sich Schüler wünsche, die ihre Lehrer denunzieren, sagte Dröge. Wenn die Partei versuche, auf diese Weise Einfluss auf die Schule zu nehmen, dann sollte dies ein Anlass sein, sich im Unterricht noch kritischer als bisher mit der AfD auseinanderzusetzen.



Inzwischen gebe es kreative Ansätze, um die AfD-Portale bloßzustellen, wie etwa "Geständnisse" von Lehrerinnen und Lehrern, die bekennen, dass sie die Nazi-Zeit nicht als kleinen "Vogelschiss" im Unterricht behandeln, betonte Dröge. In einer Schule, die sich dem Grundgesetz verpflichtet wisse, sollte es zum Geschichtsunterricht gehören, Parallelen aufzuzeigen zwischen dem völkischen Denken der Nationalsozialsten und der völkischen Ideologie, die sich aktuell in Aussagen von rechtspopulistischen Funktionären wiederfinde, sagte Dröge. Es sei auch Auftrag der Schule, darüber zu informieren, wie AfD-Abgeordnete in den Parlamenten agierten und in welchen Verbindungen diese Partei zu rechtsextremistischen Bewegungen stehe. Nur so könnten sich Schülerinnen und Schüler selbst ein Urteil über die AfD bilden.