Gedenkstätten-Besuch kann Bildungsarbeit nicht ersetzen

KZ Bergen-Belsen

Foto: epd-bild/Dethard Hilbig

Jugendliche werden auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Bergen-Belsen in die Geschichte des Lagers eingeführt.

Gedenkstätten-Besuch kann Bildungsarbeit nicht ersetzen
Der Besuch von Gedenkstätten kann nach Auffassung des Antisemitismus-Experten Tom Uhlig die politische Bildungsarbeit in der Schule nicht ersetzen. Oft seien Lehrer schockiert, wenn ihre Schüler nach einem Besuch eines ehemaligen KZ antisemitische Sprüche oder Witze über Juden machten, sagte Uhlig am Donnerstagabend im Saarbrücker Rathaus.

Die Gedenkstätten seien ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur. Auch seien die Schüler bei einem solchen Besuch meist sehr betroffen. Wichtig bleibe es jedoch auch, dass die Schüler im Unterricht mehr über die Wurzeln und Mechanismen des Antisemitismus lernten.

Öffentlich bekanntgewordene Vorfälle wie das Mobbing gegen einen jüdischen Schüler in Berlin seien für ihn nicht überraschend gewesen, sagte der Forscher an der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Zwar seien solche Ausbrüche offener Judenfeindschaft in Deutschland immer seltener. Doch zeigten Umfragen, dass der "sekundäre und israelbezogene" Antisemitismus geradezu explodiert sei. So hätten 2016 mehr als 40 Prozent der von seiner Institution Befragten der Aussage zugestimmt: "Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man was gegen Juden hat."



Der Forscher bezweifelte, dass der Antisemitismus bei Muslimen weiter verbreitet ist als bei anderen Deutschen. Die Anfeindungen seien Umfragen zufolge offener und weniger verdeckt, als in anderen Teilen der deutschen Gesellschaft. Einige der Befragten hätten in Interviews aber die Bereitschaft erklärt, die in ihrer Heimat erlernten Vorstellungen zu hinterfragen. Mit Flüchtlingen sollte laut Uhlig klar über Antisemitismus gesprochen werden.

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