Scharfe Kritik an Nahost-Tagung der Akademie Bad Boll

Evangelische Akademie Bad Boll

Foto: epd-bild/Evangelische Akademie Bad Boll/Martina Waiblinger

Vor 60 Jahren nahm die Evangelische Akademie Bad Boll als erste Evangelische Akademie Deutschlands ihre Arbeit auf. Heute sind in Deutschland 16 solcher Bildungseinrichtungen im Verein "Evangelische Akademien in Deutschland" zusammengeschlossen.

Trotz scharfer Kritik hält die Evangelischen Akademie Bad Boll (Göppingen) an ihrer Nahost-Tagung fest. Die Veranstaltung, die am Freitagabend beginnen sollte, werde wie geplant stattfinden, sagte Akademie-Direktor Jörg Hübner am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Zuvor hatte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, eine Absage der Tagung gefordert. Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, sprach sich für eine Verschiebung und Einladung von Kritikern aus. Klein hatte die Akademie in der Zeitung "Die Welt" wegen der Tagung kritisiert. Seiner Ansicht nach wird bei der Veranstaltung Unterstützern der "israelfeindlichen und antisemitischen" BDS-Bewegung ein Forum geboten. Die Abkürzung BDS steht für Boykott, Desinvestition und Sanktionen und ruft international zu Boykottaktionen gegen Israel auf. 

Bischof July, kritisierte die einseitig israelkritische Ausrichtung der Tagung. "Die Kirchenleitung hätte es für angemessen gehalten, die Tagung zu verschieben und zu einem späteren Zeitpunkt in einer breiteren Aufstellung gerade auch die Stimmen der Kritiker einzubinden", sagte er dem epd. Als Kirchenleitung respektiere man die Autonomie der Akademie, werde aber mit Kuratorium und Akademievorstand über die Veranstaltung noch einmal ins Gespräch kommen. Zudem lehne die evangelische Kirchenleitung die Delegitimierung Israels durch die BDS-Bewegung eindeutig ab.



Auch die Akademie "identifiziere sich mitnichten mit der BDS", betonte der Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll, Jörg Hübner. Allerdings räumte er ein, dass einige der eingeladenen Referenten der BDS "sicherlich nahe stehen." Von Anfang an sei allerdings der Wunsch da gewesen, alle Seiten in die Tagung einzubinden, was aber nicht gelungen sei, weil sich nicht alle Gruppen auf einen Diskurs eingelassen hätten. Dass dieser Eindruck der Einseitigkeit entstanden ist, bedauere er sehr. Im Vorfeld der Tagung habe es eine Kampagne gegen die Akademie gegeben, "die mit Beleidigungen ihresgleichen sucht".

Die Konferenz steht unter dem Titel "Shrinking space im Israel-Palästina-Konflikt. Aufbruch zu einem konstruktiven Miteinander" und findet vom 21. bis 23. September statt. Dort treten mehr als 20 Personen aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft auf, darunter auch Politikerinnen der Linken und Grünen. Zusätzlich soll die umstrittenen "Nakba-Ausstellung" über die Vertreibung der Palästinenser gezeigt werden, der Kritiker eine einseitige antiisraelische Sicht vorwerfen. Die Ausstellung werde allerdings nur in Ausschnitten Diskussionsgegenstand der Tagung sein, sagte Hübner. Zudem werde der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume durch einen Vortrag auf der Tagung seine Sicht darlegen, betonte Hübner.