Den Glauben teilen

Eva Steinbach

Foto: Ulf Buschmann

Eva Steinbach

Gottesdienste gestalten und Lesepredigten halten - dies sind die Aufgaben von Gottesdienstlektoren. Als jüngste ihresgleichen im Nordwesten gilt Eva Steinbach aus der Kirchengemeinde Jheringsfehn-Boekzetelerfehn. Dafür hat Eva Steinbach an einem speziellen Lektorenkurs für Menschen unter 25 Jahren teilgenommen.

"Hallo, ich bin Eva." Die junge Frau stellt sich mit einem selbstbewussten Lächeln vor. Im Getümmel vor dem Hannoveraner Hauptbahnhof wirkt sie wie tausende anderer Menschen. Und doch ist sie etwas Besonderes. Eva Steinbach ist mit gerade einmal 18 Jahren die jüngste Gottesdienstlektorin im Kirchenkreis Emden-Leer, aller Wahrscheinlichkeit auch innerhalb der Hannoverschen Landeskirche. Sie gehört zur Gemeinde Jheringsfehn-Boekzetelerfehn.

Mit 18 Jahren jüngste Gottesdienstlektorin

Dass die junge Frau auch am Sonntag früh aufstehen muss, stört sie dabei nicht im geringsten, im Gegenteil: Den Gottesdienst zu besuchen statt auszuschlafen, ist Eva Steinbach in Fleisch und Blut übergegangen. Genauso ist es mit dem Besuch ihrer Gemeinde. "Meine Mutter hat mich schon mitgenommen, seit ich denken kann", sagt Eva Steinbach. Die ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde habe sie geprägt. Da ist der Weg vom Besuch der Gruppen mit Mama über die Konfirmandin bis zur Teamerin in der Jugendarbeit nicht weit.

Mit diesem Background war es für Imke Metz, Pastorin der Gemeinde Jheringsfehn-Boekzetelerfehn, klar, dass sie Eva Steinbach als Teilnehmerin für den U25-Lektorenkurs gewinnen muss. Lust, klar, die habe sie schon gehabt. "Trotzdem", sagt Eva Steinbach, "war ich mir nicht so sicher." Der Grund dafür war nicht etwa Zweifel am Glauben, sondern ein halbwegs profaner: Der Junglektorin standen die ersten Abitur-Klausuren an der Freien Christlichen Schule Ostfriesland in Veenhusen bevor.

Dass sie sich trotz Vorbereitungsstress doch für den Kurs entschied, hat nach Eva Steinbachs Worten viel mit ihrer Lieblingsgeschichte aus der Kindheit zu tun: dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Berichtet wird von ihm im Matthäus-Evangelium, Kapitel 25, in den Versen 14 bis 30 sowie im Lukas-Evangelium, Kapitel 19, Verse 12 bis 27. Die Überlieferungen, ist Eva Steinbach letztlich zum Schluss gekommen, besagen: Du darfst die eigenen Talente nicht vergraben. "Ich mag es, vor vielen Menschen zu sprechen", sagt die Ostfriesin. Auch das christliche Bodenpersonal in Person von Imke Metz habe dazu ihren Beitrag geleistet. "Wir haben eine ganz tolle Pastorin", sagt Eva Steinbach mit strahlenden Augen.

Der Hauptgrund dafür, sich als Lektorin zu engagieren ist für Eva Steinbach nicht allein der Spaß am Reden. Vielmehr möchte sie ihren Glauben mit anderen Menschen teilen. Sie ist davon überzeugt: "Gott liebt uns, egal was ist." Er stehe einem Menschen im Alltag zur Seite. Eva Steinbach selbst hat dies beim Auszug aus dem elterlichen Haus und dem Beginn ihres Dualen Studiums "Allgemeine Verwaltung" in Hannover kennengelernt. Das Neue kennenzulernen fällt ihr nach eigenen Worten durch das Vertrauen auf Gott ein ganzes Stück leichter. "Ich möchte, dass sich auch andere Menschen so fühlen", meint die 18-Jährige.

Gott spricht durch die Bibel zu ihr

Wenn Eva Steinbach eine ihrer Lesepredigten vorbereitet, liest sie zuerst die ganze Bibelstelle, denkt darüber nach und nimmt sich anschließend einzelne Passagen daraus vor. Sogar einzelne Worte legt sie aus. Dass sie Raum für Interpretationen hat, ist für die Lektorin ein hohes Gut: "Ich kann sagen, wie ich persönlich etwas verstehe." Zu ihrem Verhältnis zur Bibel ergänzt Eva Steinbach: "Mir wurde mal gesagt, dass ich nicht erwarten kann, dass genau die Bibelstelle auftaucht, die ich brauche. Genau das ist mir schon passiert." Und: "Ich glaube, dass Gott durch die Bibel mit mir spricht."

Deshalb dürfe sie Gott auch sagen, "dass ich nicht damit einverstanden bin, was er tut", findet Eva Steinbach. Dies macht sie an einem Beispiel fest: Vor einigen Wochen starb ein guter Freund. Für alle war es unverständlich, besonders natürlich für die Familie. Eva Steinbach erinnert sich: "Der Freund war nicht krank, er ist einfach morgens nicht aufgewacht." Spätestens dann habe sie festgestellt, dass Gottes Gedanken andere sind als die der Menschen. Auf ihre Fragen bekomme sie vielleicht in dem Moment, in dem sie es wünscht keine Antwort, aber zu einem späteren Zeitpunkt.

Diese und sicherlich noch zahlreiche andere Beispiele wird sie in ihre Gottesdienst-Predigten einbringen - wenn es aufgrund des Studiums in Hannover terminlich auch etwas schwierig ist. Eva Steinbach hofft, dass sie zur Weihnachtszeit vor der Gemeinde stehen kann. Eines nämlich ist für sie klar: "Ich möchte auf jeden Fall einen Gottesdienst machen, weil es auch mir ganz viel gibt."