Hitze gefährdet Kirchen und Orgeln

Orgel von Johann Michael Hesse aus Dachwig in Holzhausen.

Foto: ErwinMeier/CC BY-SA 4.0/https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/Wikimedia Commons

Durch die Hitze des Sommers kann die Hesse-Orgel nicht mehr bespielt werden in der Dreifaltigkeitskirche im thüringischen Holzhausen bei Arnstadt

Die Sommerhitze gefährdet auch Kirchengebäude und Orgeln. Wie die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) am Sonntag in Erfurt mitteilte, sackt im thüringischen Holzhausen bei Arnstadt die Dreifaltigkeitskirche ab, die frisch sanierten Wände zeigten Risse, und die Orgel könne nicht mehr bespielt werden. Jetzt soll geprüft werden, inwieweit auch andere Kirchen betroffen sind.

Kantorin Gabi Damm gieße derzeit täglich den Steinfußboden der Kirche, um die stark gesunkene Luftfeuchtigkeit wieder anzuheben. "Die Orgel wurde bei 70 Prozent Luftfeuchte gestimmt, jetzt haben wir teilweise nur 40 Prozent", sagte Damm. Die Kirche in Holzhausen mit der 1788 erbauten Orgel wurde den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren aufwendig saniert.



Neben den sichtbaren Orgelpfeifen aus Metall befinde sich im Inneren des Instruments jede Menge Holz, darunter die Windladen als Herzstück, hieß es. In den großen, luftdichten Kästen werde der Orgelwind aus dem Blasebalg zu den Pfeifen geleitet. "Wenn die Windladen wegen Trockenheit reißen, kann das teure und aufwendige Reparaturen nach sich ziehen", erklärte Beate Friedrich, Orgelsachverständige des Kirchenkreises Arnstadt-Ilmenau. Sie macht sich Sorgen, wie die zahlreichen Orgeln den Sommer überstehen. "Ständer mit feuchten Handtüchern helfen enorm, ebenso das feuchte Wischen von Steinfußböden in den Kirchen", sagte sie. Vor allem in Hitzeperioden sollte die Luftfeuchte regelmäßig kontrolliert und protokolliert werden.

Zudem rät die Sachverständige, Orgeln mit Balg-Anlagen auf dem Dachboden bei Hitze nicht zu nutzen. "Wird die ohnehin schon trockene Orgel bespielt, gelangt noch heißere Luft in ihr Inneres - das kann ihr Ruin sein." Kirchenbaureferentin Karin Schneider vom Kreiskirchenamt Meiningen erklärte dazu, die ersten Schadensmeldungen seien schon eingetroffen. "Ich mag gar nicht daran denken, was da noch auf uns zukommt", sagte Schneider. In Holzhausen leidet nicht nur die frisch sanierte Orgel unter der Trockenheit. Unter der Kirche verläuft eine Wasserader, die wegen der Hitze nicht mehr den nötigen Gegendruck zum Fundament aufbringt. Deshalb sackt die Kirche an zwei Ecken regelrecht ab.