Ignoranz und Führungsversagen im Missbrauchsskandal

Hand in Abwehrhaltung

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Newcastle hat gegen drei ehemalige Bischöfe Disziplinarverfahren eingeleitet. Ihnen wird Versagen im Umgang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen.

Die anglikanische Diözese Newcastle hat gegen drei ihrer ehemaligen Bischöfe Disziplinarverfahren eingeleitet, denen die staatliche Missbrauchskommission Versagen im Umgang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen hat.

Betroffen von den kircheninternen Verfahren sind nach Berichten australischer Medien die ehemaligen Bischöfe von Newcastle Alfred Holland und Roger Herft sowie der pensionierte Weihbischof Richard Appleby. Der 91 Jahre alte Holland und Herft, 71, müssen sich vor der "Episcopal Standards Commission" der Anglikanischen Kirche Australiens und der achtzigjährige Appleby vor der Kommission für "Professional Standards" des Bistums Newcastle verantworten.

Herft habe während seiner Amtszeit als Bischof von Newcastle zwischen 1993 und 2005 "schwach und ineffektiv" auf Missbrauchsvorwürfe reagiert, hieß es in dem im Dezember 2017 veröffentlichten Abschlussbericht der Missbrauchskommission. Durch dieses "Führungsversagen" habe Herft gezeigt, dass "er keinen Anlass zum Schutz der Kinder sah". Nach seiner Aussage vor der Kommission war Herft 2016 von seinem damaligen Posten als Erzbischof von Perth zurückgetreten.

Bischof Holland, der Vorgänger von Herft, habe während seiner Amtszeit "nichts" zur Aufklärung der Vorwürfe von Kindsmissbrauch getan, so die Kommission. Sein Hilfsbischof Appleby habe eine "unverständliche Ignoranz" an den Tag gelegt, obwohl er konkret von den Missbrauchstaten des Priesters Stephen Hatley-Gray wusste und ihm persönlich mitgeteilt worden war, dass der Priester George Parker Kinder sexuell missbrauchte, heißt es in dem Abschlussbericht der Kommission.

Die Hafenstadt Newcastle ist die größte Stadt der bedeutsamen Weinanbauregion Hunter Valley. Daneben sind Kohlebergbau und Rinderzucht für die 120 Kilometer nördlich von Sydney gelegene Region wichtige Wirtschaftszweige. Das Hunter Tal war aber auch einer Hotspots des Missbrauchsskandals sowohl der Anglikanischen als auch der Katholischen Kirchen Australiens.

Die 2013 von der australischen Regierung eingesetzte Kommission zur Untersuchung des Umgangs mit Missbrauchsfällen durch Institutionen hatte insgesamt 57 öffentliche Anhörungen abgehalten und hinter verschlossenen Türen die Aussagen von 8013 Missbrauchsopfern gehört. Zudem erhielt sie 1344 schriftliche Aussagen. Von diesen 9357 Aussagen wurden 3955 in anonymisierter Form in den im Dezember 2017 veröffentlichten, 17 Kapitel und 100.000 Seiten umfassenden Abschlussbericht aufgenommen und daraus 409 Empfehlungen zur Vermeidung von Missbrauch in der Zukunft abgeleitet

Zu den Empfehlungen gehören auch Entschädigungszahlungen an die Missbrauchsopfer. Schätzungen zu Folge werden für die insgesamt rund 60.000 Missbrauchsopfer umgerechnet 2,5 Milliarden Euro benötigt. Das anglikanische Bistum rechnet mit umgerechnet mehr als 2,5 Millionen Euro für die Entschädigungen. Wie bereits zuvor die anglikanische Diözese Tasmanien hat auch Newcastle angekündigt, die Mittel durch den Verkauf von Immobilien, darunter Kirchen, finanzieren zu wollen.