Papst sagt, Vatikan-Schreiben sei kein Rückschritt in der Ökumene

Gemeinsame und zentrale Eucharistiefeier zu Christi Himmelfahrt während dem Deutschen Katholikentag in Münster

Foto: Friedrich Stark / epd-bild

Gemeinsame Teilnahme an Eucharistiefeiern für gemischt-konfessionelle Paare? Der Papst sieht durch das Vatikan-Schreiben keinen Rückschritt in der Ökumene.

Papst sagt, Vatikan-Schreiben sei kein Rückschritt in der Ökumene
Bedford-Strohm sieht "hilfreiche Klärung"
Papst Franziskus hat nach eigenem Bekunden nichts gegen die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der katholischen Kommunion.

Dass der Vatikan bei Plänen der katholischen deutschen Bischöfe zur Öffnung der Eucharistie eingeschritten sei, bedeute keinen Rückschritt für die Ökumene, erklärte er nach Angaben des italienischen katholischen Fernsehsenders TV2000 vom Freitag. "Es hat kein Ausbremsen gegeben", betonte der Papst demnach am Donnerstagabend auf dem Rückflug von Genf nach Rom. 

Ein Vatikan-Schreiben hatte jüngst bei vielen die Hoffnung auf eine baldige Zulassung protestantischer Ehepartner an der Eucharistie gedämpft. Darin hieß es, ein von den deutschen katholischen Bischöfen geplantes Dokument hierzu sei nach Ansicht des Papstes nicht reif zur Veröffentlichung. Die Bischöfe hatten auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im Februar mit Drei-Viertel-Mehrheit beschlossen, eine pastorale Handreichung zur Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion in Einzelfällen auf den Weg zu bringen. An katholischen Eucharistiefeiern dürfen bislang in der Regel nur Katholiken teilnehmen.

Entscheidung über die gemeinsame Teilnahme an Eucharistiefeiern im "Ermessen der Betroffenen"

Der Papst betonte nun, der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, habe mit seinem Einverständnis gehandelt, als er in dem Brief schrieb, dass das Dokument vor seiner Veröffentlichung weiterer Überlegungen bedürfe. Im Ergebnis sei die Handreichung "restriktiv", indem sie die Öffnung der Kommunion nicht für alle empfehle.

Die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion in Ausnahmefällen stehe nach dem Kirchenrecht dem Ortsbischof zu, betonte der Papst auf dem Rückflug von Feierlichkeiten anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Weltkirchenrats (ÖRK) in Genf. Er habe sich bereits bei seinem Besuch in der evangelisch-lutherischen Kirche in Rom 2015 in diesem Sinne geäußert. Dort habe er die Entscheidung über die gemeinsame Teilnahme an Eucharistiefeiern für gemischt-konfessionelle Paare in das Ermessen der Betroffenen gelegt.

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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht in den Worten des Papstes Zustimmung zu mehr Ökumene: "Das ist eine hilfreiche Klärung von Papst Franziskus", schrieb er am Freitag auf Facebook. Der Papst habe den ökumenischen Impuls, der zu dem Votum der Mehrheit der katholischen deutschen Bischöfe zu der geplanten Handreichung geführt hatte, mit seinen Äußerungen ausdrücklich gewürdigt.

"Besonders interessant und auch ermutigend für uns Evangelische ist seine Feststellung, dass die geplante Handreichung zum Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner sogar restriktiver gewesen sei, als es das Kirchenrecht vorsehe", schrieb Bedford-Strohm. "Da steckt also in der Sicht des Papstes im katholischen Kirchenrecht sogar noch mehr ökumenisches Potential drin!" Der Abgesang auf den ökumenischen Fortschritt, den manche schon angestimmt hätten, sei voreilig gewesen, so der EKD-Ratsvorsitzende. Alle, die sich in Deutschland für die Ökumene einsetzen, dürften sich ermutigt fühlen.