Bedford-Strohm: Vatikan-Intervention bei Abendmahl kann eine Chance sein

Abendmahl

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"Symbolbild"

Bedford-Strohm: Vatikan-Intervention bei Abendmahl kann eine Chance sein
Der Vatikan-Brief an die katholischen deutschen Bischöfe zum Kommunionsempfang für konfessionsverschiedene Eheleute sorgt weiter für Diskussionen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, will das Schreiben nicht als Bremse in der Ökumene verstanden wissen. Aus dem Brief gehe nicht hervor, dass das Anliegen der katholischen deutschen Bischöfe, die Kommunion für protestantische Ehepartner zu öffnen, "als illegitim zurückgewiesen wird", sagte Bedford-Strohm. Kardinal Walter Kasper wendete sich gegen die Interpretation, dass es sich bei der von der Deutschen Bischofskonferenz geplanten Handreichung um einen deutschen Sonderweg handelt.

Bedford-Strohm sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Donnerstag, er sehe in dem derzeitigen "Zwischenschritt" auch eine Chance, die Abendmahlsfrage für konfessionsverschiedene Eheleute auf Ebene der katholischen Weltkirche zu klären. "Ich kann mir die Intervention des Papstes nur so erklären, dass einem zunächst nationalen Anliegen nun doch eine weltkirchliche Bedeutung zugemessen wird und mehr als vorher auch als relevant für die Ökumene mit anderen Kirchen gesehen wird", sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Diese Einsicht sei im Verlauf der Meinungsbildung offensichtlich erst spät erfolgt.

Kardinal Kasper: Einzelfallregelung bereits möglich

Kardinal Kasper indes sieht keinen akuten Klärungsbedarf in der Weltkirche. Bereits jetzt sei eine Kommunion von nichtkatholischen Christen nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die universalkirchliche Möglichkeit sei im gültigen Kirchenrecht im Sinn einer Einzelfallregelung längst gegeben und durch zwei Enzykliken des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. weiterführend im positiven Sinn geklärt, schreibt der deutsche Theologe in einem Beitrag für das Portal "katholisch.de". Dabei sei ausdrücklich festgehalten, dass der Diözesanbischof oder die Bischofskonferenz über den Einzelfall zu entscheiden hätten, unterstreicht Kardinal Kasper, der bis 2010 als Präsident des Einheitsrates im Vatikan für die Ökumene zuständig war.

Nach dem im Internet kursierenden Brief des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, an den Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ist das geplante Dokument der deutschen Bischöfe zur Öffnung der Kommunion nach Ansicht von Papst Franziskus noch nicht reif zur Veröffentlichung. Die Bischöfe hatten auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im Februar mit Drei-Viertel-Mehrheit beschlossen, eine pastorale Handreichung zur Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion in Einzelfällen auf den Weg zu bringen.

Kasper kritisierte scharf, dass der Ladaria-Brief, "offenbar noch bevor er beim Adressaten ankam, durchgestochen und ausgerechnet an solche Medien weitergeben wurde, deren Papst-Franziskus-kritische Einstellung allgemein bekannt ist". Das sei ein Loyalitätsbruch von Mitarbeitern der Kurie, durch den nicht nur die Autorität der deutschen Bischöfe, sondern auch die der Kurie und des Papstes sowie das Ansehen der Kirche allgemein beschädigt worden seien. Zudem sei unter den Gläubigen Verwirrung angerichtet worden.

Das Verständnis des Abendmahls ist nach wie vor einer der größten Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten. An katholischen Eucharistiefeiern dürfen bislang in der Regel nur Katholiken teilnehmen, während in der evangelischen Kirche auch Christen anderer Konfession zum Abendmahl eingeladen sind.

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