Imamin Ates: Deutschland darf Muslime nicht privilegieren

Seyran Ates

Foto: Daniel Karmann/dpa

Der deutsche Staat darf Muslimen nach Ansicht der Gründerin der liberalen Ibn Rushd-Goethe Moschee, Seyran Ates, keine religiösen Privilegien einräumen.

Imamin Ates: Deutschland darf Muslime nicht privilegieren
Der deutsche Staat darf Muslimen nach Ansicht der Gründerin der liberalen Ibn Rushd-Goethe Moschee, Seyran Ates, keine religiösen Privilegien einräumen. "Wir müssen genau hingucken, ob wir nicht im Namen einer vermeintlichen Religionsfreiheit viel von unseren verfassungsrechtlich verankerten Werten weggeben", sagte die Imamin und Rechtsanwältin am Freitag auf dem Katholikentag in Münster. Sie warnte vor einer zunehmenden Islamisierung der deutschen Gesellschaft.

"Im Namen des Islams wird viel Religionsfreiheit eingefordert, vor allem von den Menschen, die die Religionsfreiheit nicht akzeptieren", sagte Ates. Im Kopftuch-Verbot in öffentlichen Behörden in Deutschland sieht sie die Option, Kirche und Staat zu trennen.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach sich gegen ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen aus. Religiöse Symbole dürften nicht aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden, sagte der Grünen-Politiker. "Worin liegt das Problem, wenn der Lehrer nun eine Kippa aufhat?", fragte Kretschmann. Insbesondere Schüler müssten lernen, es zu tolerieren, dass jemand etwas trage, das ihnen vielleicht sogar missfalle.

Auch der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad hat erneut eine deutlichere Trennung von Religion und Staat in Deutschland gefordert. Religion beanspruche zu viele Privilegien und Steuergelder, sagte Abdel-Samad dem Bremer "Weserkurier" (Sonntag). Es sei falsch, das mit den christlichen Kirchen ausgehandelte Modell jetzt auch noch auf die islamischen Verbände zu übertragen.

Der Politikwissenschaftler plädierte zudem dafür, die Religionsfreiheit in Deutschland einzuschränken. "Religionsfreiheit bedeutet nicht Narrenfreiheit und sie muss sich anderen Grundgesetzartikeln, beispielsweise der Meinungsfreiheit oder der Gleichberechtigung von Mann und Frau, unterordnen." Sie dürfe das Recht auf freie persönliche Entfaltung niemals einschränken. "Im Moment ordnet man der Religionsfreiheit alles unter: Warum bekommen Menschen, die an Legenden glauben, egal ob Christen oder Muslime, so viel Macht eingeräumt?"

Abdel-Samad warnte vor den islamischen Verbänden, die von radikalen Ideologen unterwandert seien und kein Interesse an einer Integration hätten. Sie predigten vielmehr einen politischen Islam und wollten Parallelgesellschaften aufbauen. Der deutsche Staat müsse mehr auf die Bildung und die Vermittlung von Werten setzen, damit Menschen mit Migrationshintergrund nicht in die Arme der Verbände getrieben würden, betonte der Autor des jüngst erschienen Buches "Integration - Protokoll eines Scheiterns". 

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