Knobloch: Antisemitismus in Polen nicht verharmlosen

Antisemitismus

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Symbolbild

In der Auseinandersetzung Polens mit dem Holocaust hat Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, vor "falschen Wahrheiten" gewarnt.

Das neue polnische Gesetz, wonach die Bezeichnung "polnisches Todeslager" im von Deutschland besetzten Polen unter Strafe steht, habe aus historischer Sicht "seine Berechtigung, aber es darf keine Nebelkerze sein", erklärte Knobloch am Montag in München.

Laut einem am Freitag verabschiedeten Gesetzesentwurf des polnischen Parlaments soll die Bezeichnung "polnisches Todeslager" für deutsche Konzentrationslager der Nationalsozialisten in Polen mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden erklärte dazu: "Es besteht kein Zweifel, dass die Mordfabriken der Nazis deutsche Todeslager waren und nicht polnische. Aber das neue Gesetz und die dahinter stehende Idee, den 'guten Ruf' Polens zu schützen, darf nicht dazu führen, die belegten Narrative zu verfälschen und zu verharmlosen."

Es sei "unzweifelhaft, dass der Antisemitismus in Polen bereits vor dem Angriff der Wehrmacht im Jahr 1939 für die Juden in Polen ein gefährliches Ausmaß hatte". Es müsse auch möglich bleiben, die Verstrickung polnischer Mitläufer und Täter im Holocaust aufzudecken, zu benennen und zu verurteilen, erklärte Knobloch.

Am Wochenende hatte bereits der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu das neue Gesetz scharf kritisiert. "Man kann die Geschichte nicht ändern, und der Holocaust kann nicht geleugnet werden", erklärte er.