Mehr als 100 Tote bei Anschlag in Kabul

Schwerster Terrorakt seit Mai 2017
Anschlag in Kabul

Foto: Rahmat Gul/AP/dpa/Rahmat Gul

Der Sarg eines der Opfer eines Anschlags wird in Kabul fortgetragen.

Schock und Verzweiflung in Kabul: Mehr als 100 Menschen kamen ums Leben, als ein mit Sprengstoff beladener Krankenwagen am Samstag mitten im Zentrum der afghanischen Hauptstadt explodierte. Zu dem Selbstmordanschlag bekannten sich die aufständischen Taliban. Das afghanische Innenministerium sprach am Sonntag von 103 Toten und 235 Verletzten.

Es war der schwerste Terroranschlag in Kabul seit Mai 2017, als eine Bombe, die in einem Lastwagen versteckt war, unweit der Deutschen Botschaft explodierte. Damals kamen mehr als 150 Menschen ums Leben.

Die Tat vom Samstag löste Trauer und Entsetzen aus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den Anschlag als "hinterhältig und grausam". Das Internationale Rote Kreuz in Afghanistan nannte die Benutzung eines Krankenwagens für einen Anschlag "erschütternd" und "inakzeptabel". Die Regierung in Kabul sprach von einem "Kriegsverbrechen".

Krankenhäuser waren am Wochenende wegen der großen Zahl der Verletzten so überlastet, dass Patienten auf dem Rasen vor dem Krankenhaus oder in Fluren behandelt werden mussten. Dejan Panic, Koordinator des "Emergency Hospitals", das von einer italienischen Hilfsorganisation betrieben wird, sprach von einem "Massaker".

Der Selbstmordattentäter durchbrach am Samstagmittag mit einem Ambulanzfahrzeug voller Sprengstoff einen Polizeiposten am Sedarat-Platz. Er gelangte so in eine für den Verkehr gesperrte Zone, wo viele Menschen zu Fuß unterwegs waren. Die Detonation war so stark, dass sie noch kilometerweit entfernt zu spüren war. Gebäude in dem Viertel, wo sich auch Botschaften und Ministerien befinden, wurden teils schwer beschädigt. 

Der afghanische Innenminister Wais Ahmad Barmak trat unterdessen Kritik entgegen, die Regierung sorge nicht genug für die Sicherheit der Bevölkerung. Alle Institutionen arbeiteten "hart daran, Bedrohungen zu minimieren", sagte er laut "Tolo News". Es gebe mehr als 20 aufständische Gruppen im Land. Unter den Opfern des Anschlages seien auch 30 Polizisten.

Erst vor einer Woche waren mehr als 20 Menschen bei einem Anschlag auf das Hotel Intercontinental in Kabul ums Leben gekommen, viele von ihnen Ausländer. Unter den Toten war auch eine deutsche Entwicklungshelferin. Am Mittwoch wurden fünf Menschen bei einem Angriff auf das Büro der britischen Hilfsorganisation "Save the Children" in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad getötet.

Angesichts der Serie von schweren Anschlägen wächst die Kritik an der afghanischen Regierung und den Sicherheitskräften. Parlamentarier forderten am Samstag den Rücktritt von Verantwortlichen.