Katholische Theologen uneins bei "Homo-Segnung"

Der Vorschlag, homosexuelle Paare in der katholischen Kirche zu segnen, sorgt für heftige Diskussionen. Die Meinungen von Theologen reichen von Ablehnung bis Zustimmung.

Katholische Theologen sind sich uneins, ob sich die Segnung homosexueller Partnerschaften innerhalb der katholischen Kirche durchsetzen kann. Der Kirchenrechtler Stephan Haering rechnet nach eigenen Worten nicht damit, dass die katholische Kirche in absehbarer Zeit die Segnung homosexueller Beziehungen zulassen wird. "Der Katechismus der katholischen Kirche besagt nun einmal: Homosexuelle Handlungen sind nicht zu billigen", sagte der Münchner Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Sein Münsteraner Kollege Thomas Schüller hingegen ist überzeugt, dass sich die Segnung homosexueller Beziehungen in der katholischen Kirche früher oder später durchsetzen wird. "Die katholische Kirche hat schließlich lange genug über die Herzen und Betten der Gläubigen bestimmt", sagte der Schüller dem epd.



Beide Kirchenrechtler reagieren damit auf einen neuen Vorstoß in einer alten Debatte. Während katholische Laienorganisationen schon länger die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften fordern, nahm sich mit Franz-Josef Bode unlängst auch ein Kirchenoberer dieser Thematik an. Bode, stellvertretender Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, regte eine neue Diskussion über die Segnung homosexueller Beziehungen an. "Ich meine, wir müssen in der Kirche ausführlicher darüber diskutieren. Schweigen und Tabuisieren führt nicht weiter und verunsichert", erklärte der Osnabrücker Bischof vor zwei Wochen in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Man kann zum Beispiel über eine Segnung nachdenken - die nicht zu verwechseln ist mit einer Trauung", schlug Bode vor. Einige katholische Theologen, darunter Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz und der Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz, haben sich seither hinter Bodes Vorschlag gestellt.

Thomas Schüller aus Münster ist einer von jenen, die die Zustimmung der katholischen Kirche zur Segnung homosexueller Beziehungen begrüßen würden. "Die katholische Kirche hat schließlich lange genug über die Herzen und Betten der Gläubigen bestimmt", sagte der Theologe. Mit der Äußerung Bodes sei "ein Stein ins Rollen gekommen". Es sei "ganz offenkundig der Fall, dass sich da ein Wandel abzeichnet".

Viele Homosexuelle fühlten sich von der katholischen Kirche verlassen. "Es ist an der Zeit, sich mit ihrer Segnung zu befassen", forderte Schüller. Mit Blick auf die Ächtung der Homosexualität in weiten Teilen Afrikas und Asiens hält er es für möglich, dass es in dieser Angelegenheit "regionale Spielräume" in der Weltkirche geben könnte. Der Papst plädiere schließlich dafür, lokale Autoritäten mit mehr Verantwortung auszustatten.

Anders sieht es Stephan Haering. "Innerhalb des Episkopats, also der Gesamtheit der Bischöfe, bleibt Franz-Josef Bode mit seinem Vorstoß wohl eher eine einzelne Stimme", sagte Haring. "Für die katholische Kirche wäre es wohl kaum tragbar, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Auf lokaler Ebene mag es vorkommen, dass Priester da und dort homosexuelle Beziehungen segnen. Aber die kirchliche Lehre deckt das nun einmal nicht ab." Die Kirche missbillige eine homosexuelle Orientierung schon heute ausdrücklich nicht.

Segnungen gleichgeschlechtlicher Beziehungen würden jedoch erfordern, dass sich die Sexualmoral grundlegend ändert. Aber Partnerschaften beinhalteten Intimität. "Und homosexuelle Handlungen heißt die Kirche nicht gut", erklärte Haering. Dass es keinen Segen für homosexuelle Beziehungen geben könne, habe einen weiteren Grund. "Sexuelle Handlungen außerhalb der Ehe sind unabhängig von der Orientierung als sittlich schlecht anzusehen. Einen Segen, eine Fürbitte für den Beistand Gottes, gibt es auch für heterosexuelle Beziehungen ohne Trauschein nicht", so Haering.

Inwieweit sich die Deutsche Bischofskonferenz weiter mit der Segnung homosexueller Partnerschaften befasst, bleibt abzuwarten. Auf Anfrage des epd wollten sich weder der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie, Bischof Heiner Koch (Berlin), noch der Vorsitzende der Liturgiekommission, Stephan Ackermann (Trier), zu diesem Thema äußern.