Theologe Buß mahnt zu ehrgeizigeren Klimazielen

Theologe Alfred Buß in seinem Haus in Unna

Foto: epd-bild/Friedrich Stark

Theologe Buß mahnt zu ehrgeizigeren Klimazielen
Der Umweltexperte und Theologe Alfred Buß fordert mit Blick auf die am Montag in Bonn beginnende Weltklimakonferenz, dass der CO2-Ausstoß stärker verringert wird als geplant. Die bisher vorgegebenen Ziele reichten bei weitem nicht aus, um den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad zu halten, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Deutschland spricht 2019

Das völkerrechtlich verbindliche Klimaabkommen von Paris müsse gepflegt werden, betonte Buß. "Deshalb muss es in Bonn vom Verhandeln zum Handeln kommen." Die Weltklimakonferenz tagt vom 6. bis 17. November in der ehemaligen Bundeshauptstadt. Erwartet werden bis zu 25.000 Teilnehmer aus aller Welt.

Auch Deutschland könne sein Klimaschutzziel nur mit weitreichenden Nachbesserungen erreichen, sagte der 70-jährige Theologe und Sprecher des "Worts zum Sonntag" in der ARD. "Soll das Ziel überhaupt noch erreicht werden, müsste bis 2020 wohl die Hälfte der Kohlekraftwerke hierzulande vom Netz genommen sein", erläuterte Buß, der als Präses der westfälischen Kirche zu den Spitzenvertretern der bundesweiten Klima-Allianz gehörte. Ursprünglich sollten bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden.

Nötig ist nach den Worten von Buß ein gesicherter Rahmen für den Fonds, der Klimaschutz-Maßnahmen in Entwicklungsländern finanziert. "Die armen Länder des Südens sind heute schon stark von den Auswirkungen der Erderwärmung betroffen, obwohl sie aufgrund ihrer geringen CO2-Emissionen selbst kaum zum Klimawandel beitragen", sagte Buß. Anpassungsmaßnahmen sollten die Folgen des Klimawandels in diesen Ländern eindämmen.

Buß sprach sich für weltweite Klimarisikoversicherungen aus, in die vor allem Nationen einzahlen sollten, die am meisten Klimagase freisetzen. Als positiv wertet der westfälische Altpäses, dass mit den Fidschi-Inseln ein vom Klimawandel besonders bedrohtes Land die Präsidentschaft der Bonner Klimakonferenz innehat. "Vom Klimawandel besonders verletzbare Regionen und Menschen und der Zustand der Ozeane werden in Bonn also erhöhte Aufmerksamkeit bekommen", hofft der Theologe.

Klimaschutz sei zu Recht auch innerhalb der Kirchen ein wichtiges Thema. Werde das im Pariser Abkommen vereinbarte Ziel weltweit verfehlt, werde der Klimawandel alles Leben auf der Erde durch Naturkatastrophen, Hungersnöte, Flucht oder Artensterben in einem nicht gekannten Ausmaß bedrohen. "Das zu verhindern gebietet der Schöpfungsauftrag Gottes an den Menschen, die Erde zu bebauen und zu bewahren", betonte Buß.

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