Keine fossilen Geldanlagen mehr

Windräder vor Braunkohlekraftwerk im dramatischen Sonnenuntergang
Hendrik Schmidt/dpa
Windräder drehen sich vor der Kulisse des Braunkohlekraftwerkes Schkopau in Sachsen-Anhalt. (Symbolbild)
Kirchliche Klima-Initiative:
Keine fossilen Geldanlagen mehr
Anlässlich der Weltklimakonferenz (COP30) in Belém, Brasilien, verkünden 46 große kirchliche Institutionen aus Deutschland ihren Ausschluss von Geldanlagen in fossile Energieträger. Nach Anzahl der beteiligten Einrichtungen sei dies die größte Divestment-Veröffentlichung in der Geschichte Deutschlands, teilte die Organisation "Christians for Future" mit.

Kirchliche Institutionen senden ein starkes Signal an die Verhandlungsführer der Weltklimakonferenz (COP30) in Belém, Brasilien. Beteiligt seien an diesem Beschluss gegen Fossile Geldanlagen 42 Mitglieder des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren (AKI) – darunter die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland), fast alle evangelischen Landeskirchen, kirchliche Finanzinstitutionen und diakonische Werke – sowie mehrere katholische Organisationen wie die Zentraleuropäische Jesuitenprovinz, die Steyler Bank und die Pax-Bank für Kirche und Caritas. Das teilte die Initiative "Christians for Future" mit.

Teil einer weltweiten Bewegung

Die gemeinsame Erklärung ist Teil einer globalen Veröffentlichung 60 kirchlicher Institutionen, die am 18. November ihr Divestment, also ihre Finanzierungsabkehr aus fossilen Energien bekanntgaben. Die internationale Pressemitteilung wurde veröffentlicht vom Laudato Si’ Movement, dem Weltkirchenrat, Green Anglicans und GreenFaith. Wörtlich heißt es in der Mitteilung: "Es ist höchste Zeit, Investitionen aus fossilen Energieträgern abzuziehen und in eine gerechte, nachhaltige Zukunft zu investieren."

Die Initiative sei eine von vielen eindringlichen christlichen Signalen an die Weltklimakonferenz. In einem gemeinsamen Appell forderten katholische Bischöfe aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik ein Ende der Nutzung fossiler Energieträger, auch aufgrund der "ökologischen und moralischen Schuld gegenüber dem Globalen Süden", fasst "Christians for Future" zusammen. Der Weltkirchenrat bezeichnete die COP30 als Kairos-Moment – einen entscheidenden Zeitpunkt, der die Stimmen indigener Völker, junger Menschen und besonders betroffener Gemeinschaften in den Mittelpunkt stellen müsse. 

Christliche Verantwortung für die Schöpfung

Die Kirchen setzen sich damit nicht nur mit Worten, sondern auch mit konkretem Handeln für Klimagerechtigkeit ein. Die Mitglieder des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren schlössen damit Investitionen in die Förderung von Kohle sowie in unkonventionelle Öl- und Gasförderung aus. Die Jesuiten, die Steyler Mission, die Steyler Bank und Pax-Bank für Kirche und Caritas verzichteten so vollständig auf Investitionen in fossile Brennstoffe.

Philipp Schultes von "Christians for Future" sieht in der Divestment-Erklärung ein wichtiges Zeichen: "Im Gegensatz zum aktuellen Zurückdrehen der Klimapolitik in der Politik bekennen sich wichtige christliche Eckpfeiler unserer Gesellschaft weiterhin zu einem Weg der Klimagerechtigkeit."

Kathrin Fingerle, aktiv bei Christians for Future und bei der Christliche Initiative Klimagerechtigkeit, ergänzt: "Die heutige Veröffentlichung ist ein großer Erfolg langjährigen Aktivismus, aber auch der kircheninternen Arbeit von Institutionen wie dem Arbeitskreis Kirchlicher Investoren." Die Kirchen gingen weiter glaubwürdig den Weg der Klimagerechtigkeit – die Politik sollte es ihnen gleichtun.

Hintergrund

Die internationale Veröffentlichung wurde vom Laudato Si’ Movement, dem Weltkirchenrat und weiteren Partnern koordiniert. Sie sei Teil einer wachsenden Bewegung vielfältiger Institutionen, die den Ausstieg aus fossilen Energien als ethische Verpflichtung und finanzielle Notwendigkeit verstünden. Weltweit hätten seit 2013 über 1.700 Institutionen mit einem Anlagevolumen von mehr als 40 Billionen US-Dollar ihren Rückzug aus fossilen Investitionen beschlossen – darunter mehr als 600 religiöse Institutionen, aber auch viele Universitäten, Finanzinstitutionen und Städte. Auch 42 deutsche Institutionen hatten sich bisher beteiligt, unter anderem katholische Kirchenbanken und zwei Landeskirchen, die Allianz-Versicherung, Pensionsfonds und Kommunen wie z.B. Münster.