Religionsexpertin: Trump überraschend traditionell

Religionsexpertin: Trump überraschend traditionell
Die Amtseinführung von Donald Trump als 45. US-Präsident ist traditioneller verlaufen als von vielen Beobachtern erwartet. "Trump hat in seiner Rede eine interessante Mischung geboten. Er hat wie im Wahlkampf gegen das Establishment gewettert und betont, dass er Amerika wieder groß machen will", sagt Heike Bungert vom Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Universität Münster.

Gleichzeitig habe Trump aber wie viele seine Vorgänger wiederholt Bezüge zwischen den USA und Gott hergestellt und die USA als ein einzigartiges Vorbild für die Welt dargestellt, sagte die Nordamerika-Historikerin nach der Amtseinführung der dpa. Auch habe er in seiner Rede zumindest in Teilen versucht, die Nation im Patriotismus zu einen und vor Vorurteilen gewarnt. Bungert ist Expertin für die Amtseinführungs-Zeremonie von US-Präsidenten.

Mehr zu Donald Trump
Heinrich Bedford-Strohm erleichtert über Machtwechsel in den USA
Als "Tag der Hoffnung für die ganze Welt" hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden bezeichnet.
Joe Biden, designierter Präsidentschaftskandidat der Demokraten im Gebet
Mit dem Machtwechsel im Weißen Haus dürfte auch der Einfluss der weißen evangelikalen Christen in den USA auf politische Entscheidungen schwinden. Aber auch die katholische Kirche blickt mit gemischten Gefühlen auf den politischen Neuanfang.

Bei den Auftritten der sechs Religionsvertreter rät Bungert, genau hinzuschauen. "Das war doch überraschend politisch. Es gab ein Bibelzitat zu Jerusalem und damit eine indirekte Forderung nach Unterstützung für die Politik Israels und einen Bezug zur Bürgerrechtsbewegung", merkte Bungert an. Ein afroamerikanischer evangelikaler Geistlicher hatte den Titel "We shall overcome" von Mahalia Jackson zitiert, der als Protestsong der US-Bürgerrechtsbewegung gilt.