Speed-Dating mit Fellnasen

Huendin Maleike und Pflegerin Sahra
epd-bild/Michael Ruffert
Hunde suchen neues Zuhause
Speed-Dating mit Fellnasen
Beim "Bark Date" wird nicht nur geschnuppert, hier wird verkuppelt. Windhündin Naniska und Co. warten im Hunde‑Speed‑Dating auf Menschen mit Herz, Couch und Zeit. Vielleicht funkt es ja auf den ersten Streichler.

Sie sieht schlank und agil aus: Als Windhündin ist "Naniska" sonst schnell unterwegs. Aber an diesem Tag steht sie ganz still und lässt sich von der 30-jährigen Katharina streicheln. Denn die beiden haben ein "Bark Date". Die dreijährige Hündin stammt aus Rumänien und sucht neue Besitzer. Katharina und ihr Partner Chris möchten sich einen neuen Gefährten auf vier Pfoten anschaffen. "Ich mag gerne Windhunde, deshalb schauen wir uns Naniska genauer an", erzählt Chris.

Die Hündin ist einer von zahlreichen Vierbeinern, die an einem noch verschneiten Wintertag auf einer Wiese am Heine-Hof im westfälischen Herten warten, um mögliche neue "Herrchen" oder "Frauchen" kennenzulernen: "Es ist ein Speed-Dating der besonderen Art", sagt die "Bark Date"-Gründerin Lisa Williamson und lächelt, "bis zu 30 Herzen können im Sturm erobert werden." Denn so viele Hunde sind bei einem "Bark Date" maximal dabei. Die Kölner Tierärztin hat die Organisation im Dezember 2023 gegründet und beschreibt sie als "erstes deutschlandweites Live-Event" für Hunde aus dem Tierschutz, die ein Zuhause suchen. Rund 140 "Bark Dates" hat es im gesamten Bundesgebiet bereits gegeben, im Juni 2025 auch eines in Wien.

Meist auf einer Wiese wie in Herten werden die Hündinnen und Hunde vorgestellt, die noch in Tierschutzheimen oder Pflegestellen leben. Die Betreuer halten die Tiere an der Leine, die Hunde tragen ein rotes Halstuch mit der Aufschrift "Adopt me". Zum Kennenlernen können sie gestreichelt, angefasst oder geknuddelt werden. Ein großes Schild am Eingang weist auf die Regeln hin: Besucher sollen sich den Tieren behutsam nähern, erst mit den Betreuern sprechen, den Hunden Zeit und Raum geben.

Erst einmal schauen, ob man sich riechen kann

In ganz Deutschland suchen nach Schätzungen von "Bark Date" rund 200.000 Hunde aus dem Tierschutz ein neues Zuhause. Überwiegend geschieht das per Inserat oder Anzeige im Internet und mit Foto. Beim "Bark Date" können Interessierte dagegen verschiedene Tiere persönlich kennenlernen. "Dann entscheidet nicht nur das Äußere, sondern auch der Charakter des Tieres", erläutert Sandra Böhme, ehrenamtliche Mitarbeiterin bei "Bark-Date". Wie bei einem richtigen Date finden Hund und mögliche Besitzer so heraus, ob sie sich "riechen" können und zueinanderpassen.

Böhme, die als Hunde-Physiotherapeutin arbeitet, hat in Herten bereits sieben solcher "Bark-Dates" mit ihrem Team organisiert. Meist kämen rund 120 Interessierte, sagt sie.

Sarah betreut häufig Pflegehunde und war fast immer dabei: "Hier ist es sehr gut organisiert und klappt super", berichtet sie von ihren Erfahrungen. Einige Hunde, die direkt auf die Menschen zugegangen seien, habe sie so in der Vergangenheit schon vermitteln können. Diesmal ist es etwas schwieriger. Ihre derzeitige Pflegehündin Maleika schaut zwar treu aus den Augen, aber ist sonst eher zurückhaltend. "Sie ist super schüchtern, und da ist es schwieriger, Interessenten zu finden", sagt Sarah.

Neue Besitzer sucht auch der Rüde "Andi", der auf einer Decke daneben liegt: buntes Fell, elf Monate alt und auch ein Mischling. Bislang wird er von Katharina Ruppach und Christian Howe betreut - einige Interessenten haben den Hund schon "gedatet", aber es hat noch nicht gefunkt. Von dem Konzept ist Katharina Ruppach dennoch überzeugt: "Es ist eine tolle Gelegenheit, die Menschen können die Hunde direkt kennenlernen und schauen, ob es passt."

Nach der "Bark Date"-Veranstaltung wenden sich die Interessenten direkt an die Pflegestellen oder die Tierschutzvereine, um alles Weitere für eine Adoption zu besprechen. Bislang wurden nach "Bark Date"-Angaben mehr als 1.000 Hunde vermittelt.

Windhündin Naniska kommt bei den Besuchern gut an, denn sie ist "sehr zugewandt", wie ihre Betreuerin Iris Ickenroth sagt. Ob die Hündin bald ein neues Zuhause findet, wird sich zeigen: Iris Ickenroth hat noch an einem weiteren "Bark Date" in Köln teilgenommen. Es gibt mehrere Interessenten. Die Betreuerin darf in Absprache mit der Tierschutzorganisation entscheiden, wer den Hund letztlich bekommt. "Die neuen Halter müssen auf jeden Fall genug Zeit haben, und als Windhund braucht Naniska auch viel Auslauf", stellt Ickenroth klar. Das seien für sie die eindeutigen Kriterien.