Die sich ändernde Bestattungskultur hat Auswirkungen auf die kirchlichen Friedhöfe. Im evangelischen Kirchenkreis Mecklenburg sollen rund fünf Prozent der Friedhöfe schließen. Ein Grund mehr für die Verantwortlichen über eine neue Friedhofskultur nachzudenken.
Bereits Ende 2025 haben sich 80 Haupt- und Ehrenamtliche aus diesem Bereich zu ihrer Jahrestagung im Feriendorf Boltenhagen getroffen, immerhin gibt es für 21 der 576 Friedhöfe derzeit Schließungsbeschlüsse. Dabei handele es sich zumeist um wenig belegte und kaum noch genutzte Orte, teilt der Kirchenkreis mit.
Zudem seien auf 159 Friedhöfen Teilflächen geschlossen worden, auf denen keine Bestattungen mehr erfolgen, hieß es. Ein Grund dafür sei, den Pflegeaufwand zu reduzieren. Im Kirchenkreis Mecklenburg finden jährlich durchschnittlich rund 1.600 evangelische Trauerfeiern statt, oft auf kirchlichen Friedhöfen.
Insektenhotels auf Friedhöfen
Ein thematischer Schwerpunkt der Tagung lag auf dem Thema Nachhaltigkeit. Vorgestellt wurden konkrete Projekte, die sich gut für Friedhöfe eignen und vielerorts bereits umgesetzt werden: Insektenhotels, Unterschlupfmöglichkeiten für Igel – etwa Laubhaufen oder kleine Holzhäuschen – sowie Vogelnistkästen und die Winterfütterung von Vögeln. Auch Blühwiesen spielen dabei eine wichtige Rolle.
"Diese Maßnahmen sind gut auf dem Weg", berichtet Grit Behrsing-Siebert von der Zentralen Friedhofsverwaltung. Sie hatte die Tagung gemeinsam mit der mecklenburgischen Koordinatorin für Friedhofsentwicklung, Stefanie Reißig, vorbereitet. Zur weiteren Anregung befindet sich derzeit ein Flyer mit praktischen und nachhaltigen Hinweisen bei Regina Möller im Zentrum Kirchlicher Dienst Mecklenburg in Arbeit.
Individuelle Erinnerungsorte gestalten
Zu einer naturnahen und nachhaltigen Gestaltung von Freiflächen zählen demnach pflegeleichte Hecken, Bäume und Stauden. Auch stillgelegte Teile von Friedhöfen sollten bewusst gestaltet werden – etwa mit Holzbänken aus umgefallenen Bäumen. So könnten individuelle Erinnerungsorte entstehen, die zum Verweilen einladen.
Hintergrund ist ein sichtbarer Veränderungsprozess: Wandelnde Normen und Werte, die erhöhte Mobilität der Gesellschaft, dezentrale Familienstrukturen, Sorgen um Grabpflege, alternative Beisetzungsformen sowie soziale Netzwerke lassen Friedhöfe für viele Menschen heute weniger selbstverständlich erscheinen. "Friedhöfe müssen deshalb umfassend analysiert und neu gedacht werden", betont Grit Behrsing-Siebert.
In Mecklenburg gibt es bereits zahlreiche Beispiele für eine neue, offene Friedhofskultur. Angeboten werden Führungen zu Bestattungsmöglichkeiten, Natur- oder historischen Themen, manchmal auch sogenanntes "Friedhofsgeflüster". Lapidarien werden angelegt, Dorfgeschichten erzählt, Kunstwerke integriert, vereinzelt auch Ausstellungen gezeigt. Zudem entstehen Trauerräume, Orte der Stille, versteckte Ecken und Sitzgelegenheiten zum Ruhen, Innehalten, Weinen und Träumen.
"Gemeinsame Arbeitseinsätze und Veranstaltungen auf dem Friedhof fördern das Miteinander in den Orten", ist Stefanie Reißig überzeugt. Projekte mit Kitas und Schulen gehörten ebenso dazu wie erste digitale Angebote. Die Pflege der Friedhöfe bleibt weiterhin eine Herausforderung – insbesondere mit Blick auf den Baumbestand. Deshalb stellt der Kirchenkreis Mecklenburg jährlich insgesamt 200.000 Euro an Zuschüssen für Baumpflegemaßnahmen zur Verfügung.


