US-Kirchen wollen Einwanderer ohne Papiere schützen

Illegale Einwanderer protestieren in New York gegen die Abschiebungpläne des designierten US-Präsidenten Donald Trump.

Foto: dpa/Justin Lane

Illegale Einwanderer protestieren in New York gegen die Abschiebungpläne des designierten US-Präsidenten Donald Trump.

US-Kirchen wollen Einwanderer ohne Papiere schützen
Noch ist schwer abzuschätzen, wie der gewählte US-Präsident Donald Trump seine harte Linie gegenüber "Illegalen" umsetzen wird. In den Kirchen formiert sich aber bereits der Widerstand gegen verschärfte Abschiebungen.

Im Wahlkampf hat der designierte US-Präsident Donald Trump heftig Stimmung gemacht gegen illegale Einwanderer. Um den Zustrom aus Mexiko zu unterbinden, solle eine Mauer gebaut werden, kündigte er an. Die "Illegalen" brächten Kriminalität und nähmen den Alteingesessenen die Jobs weg. Er werde sie abschieben, drohte der republikanische Kandidat. Was der Präsident Trump davon umsetzen kann und wird, muss sich erst noch zeigen. Doch formiert sich inzwischen der Widerstand: eine neue, von vielen Kirchen unterstützte Oppositionsbewegung stellt sich quer. Ihren Anhängern geht es um Menschlichkeit und christliche Nächstenliebe.

Die lutherische "Church of the Redeemer" (Erlöserkirche) etwa in St. Paul im Bundesstaat Minnesota hat sich mit 30 weiteren Gemeinden in der Region zusammengetan, um von Abschiebung bedrohten Menschen beizustehen. Die Kirchengemeinden wollen notfalls auch für Zufluchtsorte ("Sanctuary") in kirchlichen Räumen sorgen, eine Art Kirchenasyl. Seit Jahren helfe seine Gemeinde Migranten und Menschen ohne Papiere, sagt Pastor James Erlandson. Wegen Trumps harter Rhetorik wolle die Erlöserkirche jetzt jedoch noch mehr tun.

Flashback in die 1980er

Viele Migranten-Familien lebten seit den Wahlen in Angst, berichtet Erlandson. Laut Website der Nationalen "Sanctuary"-Bewegung nehmen insgesamt rund 400 Gemeinden an diesem Projekt teil. In den US-Bundesstaaten Philadelphia in Pennsylvania seien die Angebote hilfsbereiter Kirchen und Synagogen überwältigend, sagte der Aktivist Peter Pedemonti dem "Religion News Service".

Noch weiß man nicht, wie Trump vorgeht. Etwa elf Millionen Menschen leben ohne Papiere in den USA. Im Fernsehsender CBS sagte Trump jüngst, er wolle sich bei Abschiebungen erst einmal auf Menschen "mit einer kriminellen Vergangenheit" konzentrieren. Auch unter Barack Obama wurden viele Menschen abgeschoben. Nach Regierungsangaben waren es in den Jahren 2009 bis 2015 zweieinhalb Millionen, von denen viele angeblich mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren. Aber Trump will offenbar härter durchgreifen.

Für den presbyterianischen Pastor John Fife, heute im Ruhestand, sind die kirchlichen Vorbereitungen für diesen Fall ein Flashback. In den 1980er Jahren war Fife Mitbegründer der ersten "Sanctuary"-Bewegung.  Damals nahmen rund 500 Kirchen Flüchtlinge aus Mittelamerika auf. Fifes "Southside Presbyterian"-Gemeinde in Tucson (Arizona) beherbergte Tausende.

Das war umstritten. Die Regierung von Präsident Ronald Reagan verwehrte Menschen aus El Salvador Asyl, die vor Todesschwadronen und Repression geflüchtet waren, denn dort standen die USA auf Seiten der Regierung im Krieg gegen eine Guerrillabewegung. Fife und weitere Aktivisten wurden festgenommen. Polizeispitzel infiltrierten "Sanctuary"-Gemeinden. Fifes Haftstrafe von fünf Jahren wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Das christliche Prinzip, Flüchtlingen Obdach zu gewähren, gelte heute genauso wie in der ersten 'Sanctuary'-Bewegung, sagt Fife. Er ist zuversichtlich: Die neue Flüchtlingshilfe-Bewegung habe einflussreiche Verbündete, sagt er. In zahlreichen US-Großstädten, darunter Los Angeles, New York, Chicago, San Francisco und Seattle, haben die Bürgermeister angeordnet, dass ihre Polizei nur begrenzt mit der Einwanderungsbehörde kooperieren darf.

Der Bürgermeister von Seattle, Ed Murray, erklärte, seine Stadt sei "stark wegen ihrer Vielfalt". Menschen müssten in Sicherheit leben können. Trump hat gedroht, er werde nicht kooperierenden Städten staatliche Mittel streichen. Seattle würde das verkraften, sagte Murray dazu in einem Rundfunkinterview. Geld aus Washington mache nur einen kleinen Prozentsatz des Haushalts aus. In Kalifornien berät das Parlament unterdessen über ein Gesetz, wonach Ressourcen des Bundesstaates nicht bei Abschiebungen benutzt werden dürften.

"Nationale Vollstreckungsaktion" gegen Illegale

Auch aus katholischen Hochschulen kommt Gegenwind. Die Präsidenten von einhundert römisch-katholischen Universitäten in den USA erklärten diese Woche, bei ihnen seien "Studenten ohne Papiere" nach wie vor willkommen. Man werde sie unterstützen zu Zeiten "rechtlicher und finanzieller Unsicherheit".

Umfragen zufolge vertritt die Mehrheit der US-Amerikaner die Ansicht, Bewohner ohne Ausweis sollten unter bestimmten Bedingungen Aufenthaltsgenehmigungen erhalten. Etwa ein Drittel der Trump-Parteigänger befürwortet nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts "Pew Research Center" jedoch eine "nationale Vollstreckungsaktion" gegen illegale Zuwanderer. Es sind weiße Christen, die mit deutlicher Mehrheit Trump gewählt haben.