Ulrike Scherf: Mehrheit in Polen will Frauen auf der Kanzel

Ulrike Scherf: Mehrheit in Polen will Frauen auf der Kanzel
Die stellvertretende Präsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Ulrike Scherf, hat mit Enttäuschung auf die Entscheidung der Synode der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen (EKABiP) reagiert, auch weiterhin keine Frauen zum Pfarramt zuzulassen.
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Aus evangelischer Sicht gebe es keine nachvollziehbaren Argumente, die gegen eine Ordination von Frauen sprächen, erklärte Scherf am Dienstag in Darmstadt. Dass dies auch die Meinung der meisten polnischen Synodalen sei, stimme sie "trotz aller Enttäuschung hoffnungsvoll".

Die Frage nach der Frauenordination wird in der polnischen Partnerkirche der EKHN seit Jahrzehnten diskutiert. So war sie zuletzt 2010 von der Synode abgelehnt worden. Bei der Abstimmung am vergangenen Wochenende in Warschau stimmten 38 Synodale dafür, 26 dagegen und vier enthielten sich. Damit fehlten acht Stimmen zur erforderlichen Zweidrittelmehrheit.

Hessen-Nassau und Polen seit 1950 verbunden

Die Abstimmung hat nach Scherf gezeigt: "Eine Mehrheit will auch in Polen Frauen auf den Kanzeln." Scherf vermutet deshalb, dass "bei der Frauenordination in Polen noch nicht das letzte Wort gesprochen ist und eine neue Synode das Thema erneut auf die Tagesordnung setzt". Scherf sagte zu, die polnische Partnerkirche "in diesen Debatten weiterhin in ökumenischer Freundschaft und mit aller Klarheit in der Position zu begleiten".

Die EKHN hatte die polnischen Protestanten in den vergangenen Jahren bei der Frauenordination mehrfach beraten. Das Thema stand im vergangenen Sommer auch beim Besuch einer Delegation in Hessen-Nassau unter Führung des Bischofs Jerzy Samiec auf der Tagesordnung. Er hatte sich zuletzt klar für Frauen im Pfarramt ausgesprochen.



Die EKABiP hat nach eigenen Angaben rund 70.000 Mitglieder in 134 Gemeinden. Rund die Hälfte von ihnen lebt in der Diözese Cieszyn an der Grenze zur tschechischen Republik. Die augsburgische Kirche ist die viertgrößte Glaubensgemeinschaft in Polen und macht nur rund 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Die hessen-nassauische Kirche ist seit den 1950er Jahren auch mit der reformierten Kirche in Polen mit ihren rund 2.000 Mitgliedern und dem Polnischen Ökumenischen Rat verbunden. Die Beziehungen gehen vor allem zurück auf die beiden Kirchenpräsidenten Martin Niemöller (1892-1984) und Helmut Hild (1921-1999). Die EKHN hat mehr als 1,6 Millionen Mitglieder in 1.170 Gemeinden in den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz.

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