Umweltverbände fordern unabhängige Abgas- und Verbrauchstests

Umweltverbände fordern unabhängige Abgas- und Verbrauchstests
Eigentlich ist schon lange bekannt, dass bei vielen Diesel-Fahrzeugen hinten mehr herauskommt, als offiziell angegeben. Nach dem VW-Skandal fordern Umweltverbände nun scharfe Konsequenzen, um Stickoxide, CO2-Emissionen und Feinstaub zu reduzieren.

Wegen der millionenfachen Abgasmanipulationen an VW-Dieselfahrzeugen haben die Umweltverbände in Deutschland transparente Abgas- und Verbrauchstests gefordert. Die Bundesregierung müsse jetzt endlich dafür sorgen, dass Autos vorgegebene Grenzwerte auch auf der Straße einhalten, heißt es einer am Montag in Berlin vorgestellten gemeinsamen Erklärung von fünf Umwelt- und Verkehrsverbänden.

"Wir sehen den VW-Konzern nur als Spitze des Eisbergs", hieß es weiter. Messungen bei anderen Herstellern zeigten, "dass im Realbetrieb selbst bei modernen Euro-6-Diesel-Fahrzeugen die Stickoxid-Grenzwerte um ein bis zu 15-Faches überschritten werden", heißt es in einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel (CDU). Unterzeichnet ist das Schreiben von den Spitzen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), von Greenpeace, Deutscher Umwelthilfe und dem Verkehrsclub Deutschland.

Künftig sollte nicht mehr das Kraftfahrtbundesamt die Einhaltung von Abgasvorschriften bestätigen, sondern diese Werte müssten von einer unabhängigen Behörde im Realbetrieb gemessen werden, sagte Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger. Für eine Abgasüberwachung auf der Straße schlagen die Verbände das Umweltbundesamt vor.

Zudem sollte die Bundesregierung den Vorschlag der EU-Kommission zur sofortigen Einführung von sogenannten Straßenmessungen (RDE, englisch: Real Driving Emissions) unterstützen, erklärte Jens Hilgenberg vom BUND. Dabei müsse sichergestellt werden, dass die geltenden Schadstoffgrenzwerte künftig "eins zu eins in der Realität eingehalten werden". Auch CO2-Emissionen müssten künftig auf der Straße überprüft werden.

Illegale Manipulationen müssten umgehend und dauerhaft unterbunden werden. Fahrzeuge aller Hersteller, egal ob Diesel oder Benziner, müssten im Realbetrieb auf der Straße nachgetestet werden. "Die Schadstoff- und Verbrauchswerte von Pkw auf der Straße weichen deutlich von den offiziellen Herstellerangaben ab", erklärte Hilgenberg. Eine darauf bezogene behördliche Überprüfung habe in Deutschland offenkundig nicht stattgefunden, lautet der Vorwurf in Richtung Kraftfahrtbundesamt. 

Signifikante Abweichungen von geltenden Grenzwerten müssten künftig sanktioniert werden. Die Ergebnisse von Nachmessungen müssen transparent und zugänglich sein. Die "Abgas-Feldüberwachung" soll über eine Gebühr von einem Euro pro neu zugelassenem Fahrzeug finanziert werden.

Seit Jahren würden Umwelt-, Verkehrs- und Verbraucherverbände darauf hinweisen, dass Schadstoff- und Verbrauchswerte bei Pkw in der Realität deutlich von den offiziellen Herstellerangaben abweichen, heißt es in dem Schreiben an Merkel, das vom 16. Oktober datiert. Allerdings seien dann auf dem Prüfstand mit Hilfe der in den Autos verbauten Software immer niedrigere Werte ermittelt worden, hieß es auf der Pressekonferenz. Deshalb würden jetzt auch Abgastests im Straßenverkehr gefordert. Der Straßenverkehr trägt nach Angaben von Greenpeace den Löwenanteil bei den Schadstoffemissionen im Verkehrssektor.

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